Gas-Krise wird zum Hoffnungsfunken für Sachsens Bergbau-Reviere

Dresden - Sachsens Kohle-Kraftwerke könnten von der Gas-Krise profitieren. Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) stemmt sich gegen eine frühere Abschaltung, Landräte aus den Kohle-Regionen pflichten bei. Energieminister Wolfram Günther (48, Grüne) hält zumindest kurzfristig mehr Kohle für nötig.

Das Braunkohle-Kraftwerk Boxberg in der Oberlausitz erzeugte im vergangenen Jahr 14,6 Milliarden Kilowattstunden Strom.
Das Braunkohle-Kraftwerk Boxberg in der Oberlausitz erzeugte im vergangenen Jahr 14,6 Milliarden Kilowattstunden Strom.  © imago/imagebroker

Seit Russland weniger Gas liefert, will Wirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) die Kohle-Kraft wieder hochfahren. Dabei wollte der Bund eigentlich den Kohle-Ausstieg vorziehen, von 2038 auf 2030.

In Sachsen entfallen 71,9 Prozent der Strom-Erzeugung auf die Braunkohle-Kraftwerke in der Lausitz und im Leipziger Land. Gegen deren frühere Abschaltung wehrt sich nun der Ministerpräsident.

Ein Ausstieg im Jahr 2030 sei angesichts der Gas-Krise "absolut unrealistisch", so Kretschmer auf TAG24-Anfrage. Er wolle die Kraftwerke bis 2038 laufen lassen.

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Sachsen Deshalb haben Beschäftigte in Sachsen gerade mehr Geld in der Tasche

Auch die sächsische CDU-Fraktion plädiert für die längere Laufzeit. Der Landtags-Abgeordnete Lars Rohwer (50) warnt: "Es wäre für das Land und die Menschen in Sachsen eine Katastrophe, wenn es durch einen vorgezogenen Kohleausstieg zu flächendeckenden Stromausfällen kommen würde."

Er fordert: Kraftwerke aus der sogenannten "Sicherheitsbereitschaft" sollen wieder ans Netz gehen.

Die Gas-Krise lenkt den Blick auf die sächsischen Braunkohle-Reviere.
Die Gas-Krise lenkt den Blick auf die sächsischen Braunkohle-Reviere.  © dpa/Patrick Pleul
Selbst Energieminister Wolfram Günther (48, Grüne) hält eine zeitweise Aktivierung von Reserve-Kraftwerken für notwendig.
Selbst Energieminister Wolfram Günther (48, Grüne) hält eine zeitweise Aktivierung von Reserve-Kraftwerken für notwendig.  © dpa/Jan Woitas
Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) warnt vor einem verfrühten Kohle-Ausstieg.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) warnt vor einem verfrühten Kohle-Ausstieg.  © Norbert Neumann

Gelingt der Kohleausstieg nur mit Gas?

Für LEAG-Kraftwerksmanager Thomas Hörtinger (55) ist eine Energiewende ohne Gas nicht denkbar.
Für LEAG-Kraftwerksmanager Thomas Hörtinger (55) ist eine Energiewende ohne Gas nicht denkbar.  © www.picslocation.de

Zustimmung kommt aus den Kohle-Regionen. Im Leipziger Land spricht sich Landrat Henry Graichen (45, CDU) für den späteren Ausstieg aus, der Görlitzer Landrat Bernd Lange (66, CDU) pflichtet bei. Aus dem Landratsamt Bautzen heißt es, dass längere Laufzeiten "zur Wertschöpfung in der Lausitz beitragen" würden.

Selbst Energieminister Günther hält es für "leider notwendig", Kraftwerke aus der Reserve zeitweise wieder einzusetzen. Am Ausstieg 2030 wolle er aber festhalten. Generell bleibt Energieminister Günther bei seiner Absage an die Braunkohle: "Was in dieser aktuellen Krise vorübergehend mehr an CO2 ausgestoßen wird, muss hinterher zusätzlich eingespart werden", sagt er.

Der Lausitzer Energieversorger LEAG bereitet sich auf wasserstofffähige Gaskraftwerke vor, etwa in Lippendorf (Landkreis Leipzig).

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Laut LEAG-Kraftwerksmanager Thomas Hörtinger (55) ist das Gas nötig, um den Kohle-Ausstieg abzufedern.

Titelfoto: Bildmontage: imago/imagebroker/Norbert Neumann

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