Lieber EU-Parlament als Staatskanzlei: Kretschmers graue Eminenz zieht's nach Brüssel

Dresden - Kretschmers Mann in Brüssel: Wenn der Chef der Staatskanzlei in einem Jahr, in dem Landtagswahlen anstehen, von Bord geht, ist das keine einfache Situation für den Ministerpräsidenten.

Noch ist Oliver Schenk (55, CDU) Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien und Chef der Staatskanzlei. Mit der Europawahl will er ins EU-Parlament in Brüssel einziehen.
Noch ist Oliver Schenk (55, CDU) Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien und Chef der Staatskanzlei. Mit der Europawahl will er ins EU-Parlament in Brüssel einziehen.  © IMAGO/Shotshop, Petra Hornig

Aber Oliver Schenk (55, CDU) will ins EU-Parlament. Er hat bereits ganz konkrete Vorstellungen, was er für Sachsen erreichen will. Zuvor muss er bei der Europawahl liefern.

Sachsen als Modellregion für KI, also Künstliche Intelligenz, zu entwickeln, sei eines von vielen Vorhaben, an denen er in Brüssel und Straßburg arbeiten will, sagt Oliver Schenk im Gespräch.

Er denkt dabei nicht nur an die Großen quer durch alle Branchen: "Wir müssen KI auch für unsere kleinen und mittleren Unternehmen verfügbar machen."

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Mit weiteren Themen wie Bürokratieabbau, bessere Förderstrukturen für die Regionen bei Großansiedlungen oder der Stärkung der Außengrenzen, inklusive einheitlicher Asylbewerberleistungen und regelmäßigem Informationsaustausch der Sicherheitskräfte, will er sich für die Europawahl empfehlen.

Nummer 1 auf der CDU-Liste ist er bereits. Vier weitere Namen stehen darauf. Und dann sind da ja noch die anderen Parteien und Wählervereinigungen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (48, CDU): Schenk halten oder ziehen lassen? Eine Abwägungsfrage.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (48, CDU): Schenk halten oder ziehen lassen? Eine Abwägungsfrage.  © DPA/Robert Michael

Oliver Schenk hat den Segen von Michael Kretschmer

Künstliche Intelligenz (KI) soll ein wichtiges Arbeitsfeld für Schenk in Brüssel werden und Sachsen zu einem wichtigen Pilotprojekt.
Künstliche Intelligenz (KI) soll ein wichtiges Arbeitsfeld für Schenk in Brüssel werden und Sachsen zu einem wichtigen Pilotprojekt.  © imago/Christian Ohde

"Wir haben mit unserer Liste ein starkes Team aufgestellt, das ganz Sachsen abbildet", sagt CDU-Landesgeschäftsführer Tilo Schumann (34).

Die EU ist für Schenk, der bereits für sieben Ministerien, darunter auch das Bundesgesundheitsministerium, gearbeitet hat, mit rund 20 Mrd. Euro Fördermittel, die in den letzten Jahren nach Sachsen flossen, ein Erfolgsmodell.

So hat es ihn "schon in den 90er-Jahren gereizt, nach Brüssel zu gehen". Jetzt wagt er den Schritt - sogar mit dem Segen von Ministerpräsident Michael Kretschmer (48, CDU).

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Obwohl ihm nicht nur Parteikollegen ein erfolgreiches Abschneiden zutrauen - eine Wohnung in Brüssel hat er noch nicht. Denn: Ein Umzug, weg von Dresden, kommt für seine Familie nicht infrage.

Auch bei einer 4-Tage-Woche in Brüssel und Straßburg bleibt trotzdem die Frage: Hotel oder Wohnung? "Das ist noch offen", sagt Schenk. Vorher muss er ja auch gewählt werden. Am 9. Juni ist es so weit.

Titelfoto: dpa/Robert Michael, Petra Hornig

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