Nach 77 Jahren gelang der Erwerb der Tapisserie: Kaiser Karl V. zurück im Schloss Moritzburg

Moritzburg - Es ist eine kleine Sensation und Grund zu großer Freude: Ein kostbarer historischer Wandteppich mit dem Bildnis von Kaiser Karl V. ist nach 77 Jahren zurück im Schloss Moritzburg. Im Sommer gelang der Ankauf mit finanzieller Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Kulturministerin Barbara Klepsch (57, CDU, l.) und Dominique Fliegler (54), Leiterin von Schloss Moritzburg, enthüllen das wiedererworbene Kunstwerk.
Kulturministerin Barbara Klepsch (57, CDU, l.) und Dominique Fliegler (54), Leiterin von Schloss Moritzburg, enthüllen das wiedererworbene Kunstwerk.  © Petra Hornig

"Ein bedeutender Augenblick", so der Geschäftsführer der staatlichen Schlösserverwaltung (SBG), Christian Striefler.

Die wertvolle Tapisserie aus Wolle, Seide und Goldfäden, vier Quadratmeter groß, wurde 1545 vom Textilkünstler Seger Bombeck in Leipzig gewebt und zeigt ein Halbfigurenporträt des Habsburger Kaisers Karl V. (1500-1558), umrahmt von Blumen und Fruchtgirlanden.

Es gehörte zur Ausstattung des Dresdner Residenzschlosses von Kurfürst Moritz von Sachsen, der dem Kaiser seinen Titel verdankte.

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Ab 1918 befand sich der "Kaiserteppich" in Moritzburg, 1945 dann war es eines der wenigen Objekte, die Prinz Ernst Heinrich von Sachsen auf der Flucht vor der Roten Armee gen Westen mitnahm.

Für das Kunstwerk begann eine Odyssee um die halbe Welt: erst Irland, dann Kanada, schließlich eine erste Rückkehr nach Sachsen. Dann verkauften die Nachkommen des Wettiners das Werk an die Galerie Rudigier, es kam in den Kunsthandel, befand sich zuletzt in London. Nach gut zwei Jahren zäher Verhandlungen "im Stillen" konnte es nun zurückgekauft werden.

Der Teppich sei in "hervorragendem Erhaltungszustand"

Schloss Moritzburg.
Schloss Moritzburg.  © Petra Hornig

"Wir sind unfassbar froh", so SBG-Chef Striefler über die Rückkehr des nunmehr wertvollsten Stücks.

Der farbenfrohe Wandteppich sei in "hervorragendem Erhaltungszustand".

Striefler dankte dem Einsatz der Stiftungen: "Sie haben möglich gemacht, was lange Zeit unmöglich schien." Als Kaufpreis nannte er einen "erheblichen sechsstelligen Betrag".

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Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: "Solch hochwertige Tapisserien aus dem 16. Jahrhundert sind heute äußerst selten und werden kaum noch auf dem Kunstmarkt gehandelt."

An dem "einmaligen Kunstwerk" sei ein bedeutender Abschnitt europäischer Geschichte ablesbar, weit über Sachsen hinaus.

Bis 31. Oktober ist der Teppich im Monströsensaal ausgestellt, danach wieder ab Frühjahr 2023.

Wettiner-Prinzen vergruben Moritzburger Schatz im Wald

Die Wettiner-Prinzen Dedo (l.) und Gero in den 90er-Jahren in ihrem Kanada-Exil. Die adligen Brüder hatten im Frühjahr 1945 die Moritzburger Schätze vergraben.
Die Wettiner-Prinzen Dedo (l.) und Gero in den 90er-Jahren in ihrem Kanada-Exil. Die adligen Brüder hatten im Frühjahr 1945 die Moritzburger Schätze vergraben.  © Repro: Ronny Klein

Im Frühjahr 1945 ist Sachsens Hochadel in heller Aufregung.

Der Krieg liegt in den letzten Zügen. Die Rote Armee ist im Anmarsch, Kanonendonner und Abwehrfeuer hallen immer wieder durch die Nacht. Auch die Wettiner wissen, dass sie fliehen müssen. Und so fasst die Familie im kleinsten Kreis den Beschluss, den wertvollsten Teil des Schloss-Interieurs zu verstecken. Denn eine Flucht ist nur mit leichtem Gepäck möglich.

Die Prinzen Dedo und Gero (damals beide Anfang 20), Enkel des letzten Sachsen-Königs Friedrich August III., legen selbst Hand an.

Der Schreiner des Schlosses fertigt mehr als 40 Holzkisten, in die die Brüder Tafelsilber, wertvolles Besteck, selbst ein silbernes Taufbecken verstauen. Prinz Dedo verriet der Morgenpost im Jahr 2003: "Im Dunkel der Nacht hoben wir zwei riesige Gruben, etwas abgelegen, im Moritzburger Forst aus. Eine furchtbar schwere Arbeit, weil der Boden teilweise gefroren war. Eine Schufterei von acht Nächten."

Funkelnde und glitzernde Schätze wie diese Goldkanne fanden Schatzsucher 1996 im Wald bei Moritzburg.
Funkelnde und glitzernde Schätze wie diese Goldkanne fanden Schatzsucher 1996 im Wald bei Moritzburg.  © screenshot / hampel-auctions.com

Weil der Leibförster später unter Folter Details des geheimen Lageplans verrät, sichern sich die Russen einen Großteil der Kisten. Die zweite Stelle bleibt ein halbes Jahrhundert unentdeckt. Bis Hobby-Schatzsucher mit Metall-Detektoren 1996 den Schatz von Moritzburg freilegen ...

Titelfoto: Petra Hornig

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