Sachsens erstes Palliativzentrum für Kinder eröffnet

Dresden - Für Eltern ist es das Schlimmste: Wenn das eigene Kind unheilbar erkrankt, bricht eine Welt zusammen, ändert sich alles. Nicht selten lebt und leidet die Familie mit der tödlichen Krankheit noch Jahre. Um sie besser durch diese schwierige Zeit zu bringen, wurde jetzt ein sachsenweites Kinderpalliativzentrum unter dem Dach des Dresdner Uniklinikums gegründet.

Fanden mit Hilfe des Palliativ-Teams zurück ins Leben: Friederike (46) und Alexander Lasch (45) aus Meißen.
Fanden mit Hilfe des Palliativ-Teams zurück ins Leben: Friederike (46) und Alexander Lasch (45) aus Meißen.  © Thomas Türpe

Plötzlich konnte ihr kleiner Lewin (damals zehn Monate alt) nicht mehr sitzen, hatte Probleme, sein Kuscheltier zu greifen.

Im Januar 2014 erhielt Familie Lasch aus Meißen die schockierende Diagnose.

Ihr drittgeborenes Kind leidet an einer unheilbaren Stoffwechselkrankheit, vermuteten Ärzte. Lewin werde sterben.

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Aber nicht gleich. "Wir wollten das nicht wahrhaben, konnten damit nur schwer umgehen", sagt Vater Alexander (45).

Hilfe kam im Frühjahr vom Brückenprojekt und dem Team der ambulanten Palliativversorgung.

Das wurde 2001 vom Verein Sonnenstrahl und Mitarbeitern der Uniklinik gegründet.

Ärzte und Fachleute berieten die Familie über Pflege, Physiotherapie, Logopädie, Ernährung, Medikamente, Abrechnungen.

"Wir konnten sie auch mitten in der Nacht anrufen. Sie gaben uns Stabilität. Ohne sie hätten wir das nicht durchgestanden", sagt Mutter Friederike (46).

Ärzte, Pfleger und Sozialpädagogen der Uniklinik arbeiten mit 14 Kinderkliniken zusammen

Silke Nolte-Buchholtz (53) leitet das neue Kinderpalliativzentrum unter dem Dach des Dresdner Uniklinikums.
Silke Nolte-Buchholtz (53) leitet das neue Kinderpalliativzentrum unter dem Dach des Dresdner Uniklinikums.  © Thomas Türpe
Lewin Lasch (†1) starb wenige Wochen vor seinem zweiten Geburtstag zu Hause bei seinen Eltern.
Lewin Lasch (†1) starb wenige Wochen vor seinem zweiten Geburtstag zu Hause bei seinen Eltern.  © privat

So konnte Lewin nach einem Klinik-Aufenthalt zu Hause betreut werden.

"Ab Herbst begann dann ein Abschied auf Raten", so Vater Alexander.

Am 12. Januar 2015 hielten die Eltern ihren Sohn ein letztes Mal lebend in den Armen.

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"Hilflosigkeit, Hoffnung, Wut, Erleichterung, Trauer. Das Brückenteam hat uns begleitet, getragen und ausgehalten. So haben wir zurück ins Leben gefunden."

600 Familien aus Sachsen konnte seit 2001 so geholfen werden.

Was als Brückenprojekt begann, wird mit dem neuen sächsischen Palliativzentrum auf breitere Beine gestellt. Ärzte, Pfleger und Sozialpädagogen der Uniklinik arbeiten jetzt mit 14 Kinderkliniken zusammen, helfen Betroffenen.

Sachsens First Lady Annett Hofmann (45) ist Schirmherrin des Zentrums.
Sachsens First Lady Annett Hofmann (45) ist Schirmherrin des Zentrums.  © Thomas Türpe

Zur Eröffnung des Zentrums erinnerte am Montag Sachsens First Lady Annett Hofmann (45): "Die gemeinsame Zeit als Familie ist immer ein Geschenk, von dem wir nie wissen, wie lange wir es behalten werden."

Titelfoto: Thomas Türpe

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