Was sind Corona-Inzidenzen überhaupt noch wert? Experte schwört auf Abwasser-Untersuchung

Dresden - Im Westen steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in vielen Regionen rapide. In Sachsen gehen die Werte seit Mitte vergangener Woche wieder zurück. Dafür steigt ein anderer Indikator dramatisch. Ist das jetzt die Herbstwelle?

Die Ergebnisse aus der Beprobung des Abwassers sind zuverlässiger als jeder Schnelltest.
Die Ergebnisse aus der Beprobung des Abwassers sind zuverlässiger als jeder Schnelltest.  © Sebastian Gollnow/dpa

Regelmäßig untersucht Michael Albrecht (71) das Abwasser am zentralen Zulauf des Klärwerks in Dresden-Kaditz.

Im Fokus: die Virenlast. "Damit lässt sich das Infektionsgeschehen in der Stadt umfassend überwachen", sagt der medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Dresden (UKD).

Proben nimmt er auch in Annaberg-Buchholz, Chemnitz-Heinersdorf, Elsterberg, Morgenröthe-Rautenkranz und Plauen.

Höchste Werte seit dem Frühjahr

Gibt nichts mehr auf die Inzidenzen: UKD-Chef Michael Albrecht (71).
Gibt nichts mehr auf die Inzidenzen: UKD-Chef Michael Albrecht (71).  © Eric Münch

Albrecht hat so das Infektionsgeschehen von insgesamt 1.065.100 Personen auf dem Schirm. "Die aktuellen Zahlen sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen", sagt Albrecht - die höchsten Werte seit dem Frühjahr.

Bis Mitte vergangener Woche stiegen auch die Neuinfektionen. Seitdem fällt der Wert wieder, aktuell liegt die Wocheninzidenz laut Robert Koch-Institut bei 466,3 (Deutschland: 599,2).

Spitzenwerte bei der Virenlast im Abwasser und vergleichsweise niedrige Werte bei den Inzidenzen?

Leere Kassen: Sachsen muss an die Reserven
Sachsen Leere Kassen: Sachsen muss an die Reserven

"Die Inzidenzen haben ja immer was damit zu tun, wie getestet wird", so Albrecht diese Woche im MDR. Darauf gebe er nichts mehr.

Der Experte hält Abwasserwerte und Bettenbelegung für aussagekräftiger als die Corona-Inzidenz

Im Klärschlamm finden sich nicht nur Spuren von Drogen, sondern auch von Krankheitserregern wie Viren.
Im Klärschlamm finden sich nicht nur Spuren von Drogen, sondern auch von Krankheitserregern wie Viren.  © Ove Landgraf

Michael Albrecht hält es nicht für seriös, von einer Corona-Welle zu sprechen

In Dresden werden die Abwasserproben an der Kläranlage Kaditz genommen.
In Dresden werden die Abwasserproben an der Kläranlage Kaditz genommen.  © 123RF

Aussagekräftiger sind die Abwasserwerte und die Bettenbelegung.

Mitte vergangener Woche lagen auf den Intensivstationen sächsischer Kliniken etwa 80 Personen. Nur ganz wenige wegen, mit Corona einige mehr. "Die Menschen kommen wegen anderer Symptome zu uns."

Deshalb hält Albrecht es nicht für seriös, von einer Corona-Welle zu sprechen.

Solange die Omicron-Variante vorherrscht, sieht er auch keine Gefahr, dass die Krankenhäuser durch Covid-Kranke an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Die Maskenpflicht soll bleiben

Eine Überbelegung der Corona-Betten in Sachsen ist nach aktuellem Stand nicht zu befürchten.
Eine Überbelegung der Corona-Betten in Sachsen ist nach aktuellem Stand nicht zu befürchten.  © Robert Michael

Spätestens im Januar ist mit einer Influenza-Welle zu rechnen. Die Symptome von Corona- und Grippe-Kranken werden sich dann kaum noch unterscheiden, prophezeit Albrecht.

Aber: "Covid ist keine Infektionserkrankung wie ein normaler Schnupfen."

Die Maskenpflicht im Gesundheitswesen oder auch in Bussen und Bahnen hält er deshalb nach wie vor für sinnvoll.

Titelfoto: Montage: Eric Münch, 123rf, Robert Michael

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