Schlagzeug statt Schlager: Mit fast 80 Jahren gibt Rentnerin Heidemarie alles an den Stöcken

Zwickau - Im Alter hört man nur noch Schlagermusik? Von wegen! Heidemarie Binotsch (79) aus Zwickau wirft einfach mal alle Vorurteile über Rentner über den Haufen und zeigt, was es heißt zu rocken.

Heidemarie Binotsch (79) liebt das Schlagzeugspielen und nimmt Musikunterricht am Konservatorium Zwickau.
Heidemarie Binotsch (79) liebt das Schlagzeugspielen und nimmt Musikunterricht am Konservatorium Zwickau.  © Sven Gleisberg

Seit knapp zwei Jahren widmet sich die 79-Jährige ihrem Traumhobby, nämlich dem Schlagzeugspielen. "Ich mag sehr gerne die 80er-Jahre-Musik und da hört man so richtig das Schlagzeug raus. Das hat mich schon immer fasziniert, dieses schnelle, große und verrückte Instrument", so Binotsch.

Nachdem 2016 ihr Mann verstorben war und die Kinder das Haus verlassen hatten, fragte sie sich, wie man so den Tag verbringt, ohne sich zu langweilen.

"Da habe ich mir dann was gesucht: Ich mache Yoga, gehe Tanzen und dann höre ich den ganzen Tag diese tolle Musik. Da habe ich gemerkt, dass das so in mir dringesteckt, dass ich das Schlagzeug unbedingt mal selbst ausprobieren musste", erklärt die Zwickauerin.

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Kurze Zeit später rief sie im Robert-Schumann-Konservatorium an und lernt seitdem einmal in der Woche, das Schlagzeug zu spielen. Eines ihrer großen Vorbilder ist die Schlagzeugerin Angela Ulrich.

"Die hat damals mit ganz einfachen Mitteln sich selbst ein Schlagzeug zusammengezimmert, und als ich angefangen habe, habe ich mir auch erstmal Töpfe und Schüsseln auf den Tisch gestellt", sagt Binotsch.

Das Schwierigste sei die Koordination der Hände und Füße

Heidemarie Binotsch am Schlagzeug, zusammen mit ihrem Lehrer Alexander Tschalakov.
Heidemarie Binotsch am Schlagzeug, zusammen mit ihrem Lehrer Alexander Tschalakov.  © Sven Gleisberg

Ihre Familie ist der 79-Jährigen eine große Stütze. So hat sie ein elektronisches Schlagzeug von ihrer Tochter geschenkt bekommen, und ihr Sohn hat ihr ein Zimmer in seinem Haus zum Üben eingerichtet.

"Es ist definitiv nicht einfach, und man muss sich tüchtig dahinter klemmen, aber mein Lehrer ist wirklich sehr geduldig mit mir und lobt auch immer", so Binotsch.

Das Schwierigste sei die Koordination der Hände und Füße für die Schlagzeugschülerin. "Ich fühle mich wie eine 40-Jährige, und das, obwohl ich nächsten Monat 80 werde, aber das hier ist einfach meine Welt, und ich tue das für mich."

Titelfoto: Sven Gleisberg

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