Erpressung, Mobbing und Dienstaustritte: Wer löscht den Brand bei der Südthüringer Feuerwehr?

Römhild - Die Feuerwehr im thüringischen Römhild ist offiziell Stützpunktwehr für den Landkreis Hildburghausen. Doch hinter den Toren brennt's gewaltig. Das ist die Folge eines zwischenmenschlichen Feuers, das nun schon seit Wochen lodert.

Ist der Brand noch zu löschen? Die Probleme bei der Feuerwehr in Römhild lassen sich wohl nur mit neuen Mitgliedern lösen. (Symbolbild)
Ist der Brand noch zu löschen? Die Probleme bei der Feuerwehr in Römhild lassen sich wohl nur mit neuen Mitgliedern lösen. (Symbolbild)  © 123RF/totalpics

Normalerweise löscht die Feuerwehr einen Brand. Doch nun ist ausgerechnet Hildburghausens Stützpunkt-Feuerwehr auf Hilfe angewiesen. Es mangelt an Personal! In dem beschaulichen Südthüringer Örtchen ist ein Ausnahmezustand zur Normalität geworden.

Bereits im Dezember hatten mehrere Medien über Dienstaustritte im zweistelligen Bereich berichtet. Der Streit resultierte aus der Eingemeindung der Ortsteile. Damit mussten auch die Ortsteil-Wehren vereinigt werden.

Aber das hat offensichtlich nicht funktioniert! Zumindest, wenn es nach einer Mehrheit der Kameraden beziehungsweise Ex-Kameraden der Römhilder Wehr geht. Insbesondere bei der Ausrüstung fühle man sich benachteiligt, heißt es in übereinstimmenden Berichten.

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Im Kreuzfeuer der Kritik steht auch Stadtbrandmeister Stefan Laube. Sowohl seine Einsatztaktik als auch sein Führungsstil werden kritisiert.

Nach einem offenen Brief aus dem vergangenen Jahr, in dem sechs Römhilder Kameraden eben jenen Laube kritisiert haben, wurden genau diese sechs Wehrleute vom Stadtrat suspendiert, heißt es.

Auf sechs folgten 14 weitere Austritte!

Sage und schreibe 20 Kameraden haben bei Hildburghausens Stützpunkt-Feuerwehr in Römhild binnen kürzester Zeit ihren Dienst quittiert. (Symbolbild)
Sage und schreibe 20 Kameraden haben bei Hildburghausens Stützpunkt-Feuerwehr in Römhild binnen kürzester Zeit ihren Dienst quittiert. (Symbolbild)  © 123rf/dvorakvero

Bei einem Krisengipfel Ende des vergangenen Jahres verlangten die sechs Wehrleute ihre alten Positionen zurück. Jedoch ohne Erfolg!

Wie Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäues (CDU) zu Wochenbeginn im Gespräch mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sagte, sei er im Dezember 2021 vor die Wahl gestellt worden: Entweder er hole die sechs Kameraden aus der "Disziplinarmaßnahme" zurück in ihre "Einsatzdienstfunktion" oder weitere Feuerwehrleute würden das Amt niederlegen. Der Bürgermeister spricht von "Erpressung".

Als man darauf nicht einging, folgten weitere Austritte. Jetzt sind nur noch acht von 28 Kameraden übrig geblieben.

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Um überhaupt noch einsatzfähig zu bleiben, springen Kameraden aus den Ortsteil-Feuerwehren ein.

Bereits im Dezember hatte die Nachrichtenseite "insuedthueringen.de" von einem Notfallplan bei der Römhilder Wehr berichtet - ein Plan, der weiterhin die Einsatzbereitschaft im Stadtgebiet Römhild vorsieht.

"Es geht nur noch um die Personalie Laube"

Rückt für überregionale Aufgaben nicht mehr aus: die Feuerwache 1 in Römhild. (Symbolbild)
Rückt für überregionale Aufgaben nicht mehr aus: die Feuerwache 1 in Römhild. (Symbolbild)  © 123RF/acceptphoto

In dem Beitrag kommt auch Laube zu Wort. Darin heißt es, dass neue Ausrüstungsgegenstände dem Stadtbrandmeister zufolge früher oft nur nach Römhild gegangen seien. Die Wehren in den kleinen Dörfern hätten dann von dort die gebrauchte Ausrüstung erhalten.

"Ich habe versucht, alle Feuerwehrleute für gleich wichtig zu halten und gleich zu behandeln, egal ob sie in der Feuerwehr Römhild ihren ehrenamtlichen Dienst tun oder in den kleinen Ortsfeuerwehren", wird Laube zitiert.

Im Gespräch mit dem MDR bekräftigte er: "Es geht nur um die Personalie Laube. Der läuft nicht in der Spur und den will man weghaben." Mit Kameradschaft habe das seiner Ansicht nach nichts zu tun. Wie der MDR mitteilt, würde Grünen-Stadtrat Florian Kirfel-Rühle sogar von Mobbing gegen den Stadtbrandmeister sprechen.

Doch Stefan Laube will nicht länger zurückblicken, stattdessen richtet sich sein Blick nach vorn. "Wir wollen jetzt einen Neustart machen", betont er im Gespräch mit TAG24 und berichtet, dass man bereits neue Mitglieder - im einstelligen Bereich - habe gewinnen können.

Dieses Fahrzeug kann aktuell keiner bedienen!

Bei ABC-Gefahrenstoffen kommt besondere Technik zum Einsatz. Die Kameraden, die diese bei der Feuerwache 1 in Römhild bedienen können, haben jedoch hingeschmissen. (Symbolbild)
Bei ABC-Gefahrenstoffen kommt besondere Technik zum Einsatz. Die Kameraden, die diese bei der Feuerwache 1 in Römhild bedienen können, haben jedoch hingeschmissen. (Symbolbild)  © 123RF/peterekvall

Überörtliche Aufgaben könne man derzeit allerdings nicht absichern. Hier können lediglich die anderen Feuerwehren des Landkreises, die mit zusätzlichen Aufgaben vertraut sind, einspringen.

Die Feuerwehr in Römhild hat nach eigenen Angaben drei Fahrzeuge, die für überörtliche Aufgaben zum Einsatz kommen. Darunter ein ABC-Erkundungsfahrzeug. Wie aus dem Interview des MDR mit Kreisbrandinspektor Michael Friedel hervorgeht, haben die dafür ausgebildeten Kameraden jedoch ihren Dienst quittiert.

Als ABC-Gefahrstoffe bezeichnet man radioaktive (A-), biologische (B-) und chemische Stoffe und Materialien (C-Gefahrstoffe).

Doch vielleicht sind ja von den neuen Kameraden und denen, die es werden wollen, schon bald welche dabei, die diese Technik bedienen können. Auf der Homepage der Stadt Römhild wirbt die Feuerwehr mit einem Plakat für neue Mitglieder.

Darauf zu sehen ist ein Feuerwehrknopf. "Scheibe einschlagen - Knopf tief drücken", steht in dem bekannten rot umrandeten Kästchen geschrieben. Darunter heißt es: "Stell dir vor, du drückst und alle drücken sich." Ein Spruch, der auf sarkastische Weise zur jetzigen Situation passt.

Nach Angaben der Feuerwehr Römhild ist diese Werbung zur Nachwuchs-Gewinnung jedoch schon seit längerer Zeit im Einsatz.

Titelfoto: 123RF/acceptphoto

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