Häusliche Gewalt in Thüringen: So viele Menschen wurden zuletzt von ihren Partnern getötet

Erfurt - Vier Frauen und ein Mann sind im vergangenen Jahr in Thüringen mutmaßlich von ihren Ehepartnern getötet worden.

Laut dem Innenministerium registrierte die Polizei im vergangenen Jahr etwa 3500 Fälle von familiärer Gewalt. (Symbolfoto)
Laut dem Innenministerium registrierte die Polizei im vergangenen Jahr etwa 3500 Fälle von familiärer Gewalt. (Symbolfoto)  © Maurizio Gambarini/dpa

Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Astrid Rothe-Beinlich (48) und Madeleine Henfling (39) hervor.

Drei weitere Männer wurden mutmaßlich von ihren Partnerinnen getötet, mit denen sie in nicht ehelicher Lebensgemeinschaft gelebt hatten oder deren Beziehung zuvor beendet worden war.

Aus der Antwort des Innenministeriums wird allerdings auch deutlich, dass die Polizei viele Details zu Fällen familiärer Gewalt entweder gar nicht erhebt oder statistisch nicht auswerten kann.

SEK-Einsatz in Sömmerda: Einbruch bestätigt sich nicht, Polizei verhört Person
Thüringen SEK-Einsatz in Sömmerda: Einbruch bestätigt sich nicht, Polizei verhört Person

So werden keine Aussagen dazu getroffen, wie viele Kinder direkt oder indirekt Opfer derartiger Übergriffe geworden sind - etwa weil sie selbst geschlagen wurden oder mitansehen mussten, wie ein Partner den anderen attackiert. Mädchen und Jungen, die jünger als 14 Jahre sind, werden laut Ministerium in der Statistik zur familiären Gewalt nicht als Opfer erfasst oder aufgeführt.

Auch, wie viele der mutmaßlichen Täter der tödlichen Übergriffe zuvor bereits durch Gewalttaten auffällig geworden waren, kann das Ministerium nicht sagen. "Der Landesregierung liegen keine statistischen Angaben im Sinne der Fragestellung vor", hieß es dazu in dem Antwortschreiben.

Henfling kritisierte, dass die offenkundigen Wissenslücken der Polizei nicht nachvollziehbar seien. Das sei umso schockierender, weil derartiges Wissen möglicherweise helfen könnte, den Tod von Menschen zu verhindern.

Henfling: Brisanz des Themas in der Landesregierung nicht erkannt

Doch nicht nur bei den Beamten gebe es offenkundig ein großes Defizit beim Umgang mit häuslicher Gewalt. "Ich glaube, dass die Brisanz des Themas in der gesamten Landesregierung nicht erkannt wird", sagte Henfling.

Weder sei der Schutz von Kindern vor Gewalt in der Familie in den vergangenen Jahren besser geworden noch gebe es ausreichend Plätze in Thüringer Frauenhäusern. "Da sind wir ziemlich blank."

Laut dem Innenministerium registrierte die Polizei im vergangenen Jahr etwa 3500 Fälle von familiärer Gewalt. Etwa 2400 der Opfer waren Frauen. Als mutmaßliche Täter wurden etwa 2650 Männer registriert.

Weil die Polizei seit 2021 ihr Erfassungssystem zu diesen Straftaten verändert hat, sind Vergleiche mit den Vorjahren nach Angaben des Ministeriums nicht möglich.

Titelfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Mehr zum Thema Thüringen: