Einer von 54 Abgeordneten: Wenn ein Berufspolitiker auf Jobsuche gehen muss

Dresden - 54 Abgeordnete müssen den Landtag nach der Wahl verlassen - viele nicht freiwillig. Sie brauchen jetzt einen neuen Job. Einer von ihnen ist Thomas Baum (54, SPD). Seine Abwahl hat nicht nur für ihn persönlich Folgen.

Bye, bye, Landtag. Thomas Baum (54, SPD) nimmt Abschied von seinem Abgeordneten-Arbeitsplatz.
Bye, bye, Landtag. Thomas Baum (54, SPD) nimmt Abschied von seinem Abgeordneten-Arbeitsplatz.  © Eric Münch

Der Politiker aus Bad Muskau ist besonders fix: Sein Büro ist bereits leer, sein Abgeordnetenausweis entwertet. "Ich habe am Tag nach der Wahl mit dem Ausräumen angefangen", erzählt Baum.

Platz 16 der Landesliste reichte nicht, sein Wahlkreis ging an die AfD. Er wirkt aufgeräumt, hadert aber trotzdem mit dem Wahlergebnis seiner SPD (7,7 Prozent): "Klar, es ist ein Job auf Zeit. Aber ich hätte mir schon gewünscht, dass ich das noch etwas länger machen kann. Aber der Wähler hat entschieden."

Baum war im Dezember 2014 in den Landtag nachgerückt, er kümmerte sich um Verkehrs- und Strukturpolitik. Der Diplom-Ingenieur für Straßenbau und Verkehr hatte zuvor 23 Jahre als Verkehrsplaner gearbeitet, davon 15 Jahre in leitender Funktion. "Was ich künftig beruflich mache, weiß ich noch nicht. Ich will nichts überstürzen." Theoretisch könnte er wieder im Ingenieurbüro in Dresden anfangen. Möglicherweise ergebe sich etwas in der Straßenbauverwaltung.

Er hatte sich als Sprachrohr der Menschen in seiner Region verstanden, weniger als SPD-Parteipolitiker, erzählt er.

Ungültig ohne Ecke: der bisherige Ausweis für den Landtag.
Ungültig ohne Ecke: der bisherige Ausweis für den Landtag.  © Eric Münch

Doch es reichte nicht: "Der Kohleausstieg ist eine riesige Chance, doch damit bin ich nicht durchgedrungen. Jetzt muss die AfD zeigen, was sie für die Region erreicht."

Besonders bitter für ihn: "Ab jetzt gibt es ab der Stadtgrenze Dresden Richtung Osten keinen SPD-Abgeordneten mehr im Landtag." Ein riesiges strukturelles Problem für die Partei, findet er.

Damit bleibe nur noch Thomas Jurk (57, SPD) im Bundestag. Baum will nun dafür kämpfen, dass sein Bürgerbüro in Bad Muskau irgendwie erhalten bleibt.

Langweilig wird es nicht: Er bleibt aber im Stadtrat und Kreistag politisch aktiv. Zudem ist er ehrenamtlich zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters von Bad Muskau.

Im Hintergrund berät er die SPD-Vertreter bei den Sondierungsverhandlungen für eine "Kenia"-Regierung.

Experten bleiben draußen

Politischer Aderlass: Freiwillig geht zum Beispiel Linken-Urgestein Klaus Bartl (68). Der Rechtsexperte, seit 1990 im Parlament, war nicht mehr angetreten und will weiter als Anwalt arbeiten.

Auch Ex-Minister wie Markus Ulbig (55, CDU) und Christine Clauß (69, CDU) hatten nicht mehr kandidiert.

Unfreiwillig raus sind unter anderem CDU-Finanzexperte Jens Michel, Wirtschaftsexperte Frank Heidan (61, CDU), Linken-Finanzexpertin Verena Meiwald (53) und ihr Fraktionskollege André Schollbach (40).

Der Rechtsanwalt sollte eigentlich als Bartl-Nachfolger juristische Themen bearbeiten ...

Auch Klaus Bartl (68, Linke) hat die Kisten gepackt und ist dann mal weg.
Auch Klaus Bartl (68, Linke) hat die Kisten gepackt und ist dann mal weg.  © Christian Juppe

Titelfoto: Eric Münch

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