Trotz Manipulation an Sirenen in Sachsen-Anhalt: Bund hält an Alarm-Plan fest
Von Anne-Beatrice Clasmann
Berlin/Magdeburg - Die Pläne von Bund und Ländern für Ausbau und Modernisierung der Sirenen-Infrastruktur werden ungeachtet von zwei lokal verursachten Fehlalarmen in Sachsen-Anhalt vorangetrieben. Ob die Warnung mit modernen Sirenen beim bundesweiten Warntag am 10. September wieder von den Kommunen ausgelöst wird oder erstmalig zentral vom Bund, steht bis jetzt nicht fest – und zwar unabhängig von den Hintergründen der mutmaßlichen Angriffe auf die Sirenen in Halle und Querfurt, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.
Am 10. Januar war es kurz nach 22 Uhr zu einer mehrminütigen Auslösung aller Katastrophenschutzsirenen im Stadtgebiet von Halle (Saale) gekommen. Am 16. Januar wurde kurz nach 19 Uhr eine von zwei Katastrophenschutzsirenen in Querfurt in Gang gesetzt. Ein schriller Warnton verunsicherte die Bevölkerung.
Wer jeweils den Fehlalarm ausgelöst hat, ist immer noch Gegenstand von Ermittlungen des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt. Hinweise auf einen ausländischen Auftraggeber sind bislang nicht aufgetaucht.
Dass in den beiden Kommunen, die unterschiedliche Technik für das Auslösen ihrer Sirenen verwenden, an zwei verschiedenen Tagen ohne jeden Anlass Sirenen schrillten, hat Katastrophenschutz-Experten auch außerhalb der Grenzen des Bundeslandes aufgeschreckt.
Ob das Auslösen aller Sirenen bis zum kommenden bundesweiten Warntag erreicht wird oder womöglich erst beim Warntag 2027, verrät das Bundesinnenministerium nicht. Ein Sprecher teilt auf Anfrage lediglich mit: "Die Länder und Kommunen werden im Rahmen der ihnen möglichen freiwilligen Teilnahme am Bundesweiten Warntag die Sirenen in ihren Zuständigkeitsbereichen auslösen." Die Vorfälle in Halle und Querfurt hätten hierauf keinen Einfluss.
Innenministerin Zieschang spricht von Manipulation
Sirenen seien als eines von mehreren Warnmitteln unverzichtbar, vor allem bei Katastrophen, die sich nachts ereigneten, sagt Sachsen-Anhalts Innenministerin, Tamara Zieschang (CDU). Das sei etwa bei dem folgenschweren Extremwetterereignis im Ahrtal 2021 deutlich geworden.
Damals hatten viele Menschen berichtet, sie seien nicht rechtzeitig ausreichend vor der Gefahr gewarnt worden. Sie sagt: "Die beiden Fälle, in denen Sirenen in Sachsen-Anhalt manipulativ ausgelöst wurden, nehmen wir sehr ernst." Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt.
Zumindest in Halle könnte der Angreifer eine zuvor bekannte Schwachstelle in der Sirenensteuerung ausgenutzt haben. "Insgesamt gilt, dass Sicherheitshinweise von Anbietern von Steuerungs- und Alarmierungssoftware für Sirenen ernst genommen und umgesetzt werden", sagt Zieschang. Auch sollten Sirenensysteme vom Internet getrennt betrieben werden, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.
Für die Warnung der Bevölkerung, die einmal im Jahr bundesweit getestet wird, gibt es mehrere Kanäle. Die Warnung kommt über den Mobilfunkservice Cell Broadcast auf dem Handy an, wird über Warn-Apps wie Nina oder Katwarn versendet, über Medien und Anzeigetafeln verbreitet. Vielerorts schrillen zudem Sirenen.
Länder am Ausbau des Sirenennetzes beteiligt
Nach dem Ende des Kalten Krieges hielten viele Sirenen für überflüssig. Das hat sich geändert. Der Bund, der für den Bevölkerungsschutz im Kriegs- und Spannungsfall Verantwortung trägt, hat unter der letzten Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Förderprogramm aufgelegt.
Auch die Länder, zuständig für Katastrophenschutz, beteiligen sich am Ausbau des Sirenennetzes. Es wird darauf geachtet, dass die Sirenen mit Technik ausgestattet sind, die das direkte Ansteuern über das Modulare Warnsystem (Mowas) erlaubt. Zudem sollen sie auch ohne Strom eine gewisse Zeit funktionieren.
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