Cyberangriff auf Kühlregale: Müssen unsere Supermärkte jetzt auch zittern?
Amsterdam/Berlin/Paris - Erst Frankreich, jetzt die Niederlande: Supermärkte werden aktuell zur Zielscheibe von Cyberangriffen. Müssen jetzt auch wir um unsere Lebensmittelversorgung bangen?
Ferngesteuerte Kühlsysteme, Online-Bestellungen oder Kunden-Apps auf dem Smartphone: Der Einzelhandel ist längst in der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts angekommen. Umso erschreckender sind die jüngsten Vorfälle in Nachbarländern.
In Frankreich haben Hacker vor wenigen Tagen eine fehlerhafte Software ("Danfoss") ausgenutzt, um im gesamten Land die Kühlanlagen zu manipulieren, diese auf bis zu 50 Grad zu erhitzen und so Millionen von Lebensmitteln zu vernichten.
Vereinzelt gerieten die Kühlanlagen gar in Brand!
"Ein Angriff auf Anlagen, die für die Lagerung frischer Produkte essenziell sind, ist ein Angriff auf die Lebensmittelversorgung der französischen Bevölkerung", erklärte Dominique Schelcher (55), Chef der französischen Handelskette "Cooperative U", am Dienstag in einem Beitrag auf X.
Neben 80 Standorten der "U"-Kette waren auch weitere Handelshäuser von Cyberangriffen betroffen. Der französische Finanzminister Roland Lescure (59) sprach von insgesamt 700 Filialen im ganzen Land.
Niederlande: Hacker legen Online-Dienste von "Albert Heijn" lahm
Seit Sonntag leiden außerdem auch Kunden der niederländischen Supermarktkette "Albert Heijn" unter den Folgen eines Hackerangriffs.
Die Website funktioniert nicht mehr, App und Kundendienst sind nicht verfügbar und Online-Bestelllungen von Lebensmitteln sind nicht möglich.
"In unserer Organisation wird hart daran gearbeitet, unsere Systeme sorgfältig und sicher zu reparieren, unsere Geschäfte zu versorgen und unseren Kunden so gut wie möglich zu helfen", teilte die Kette zu der aktuellen Situation mit.
Wie hoch ist die Gefahr, dass nun auch deutsche Supermärkte zur Zielscheibe werden?
Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels: "Versorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet"
"Die Versorgung der Bevölkerung ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet und völlig uneingeschränkt möglich", teilte eine Sprecherin des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) auf TAG24-Anfrage mit.
Anders als in Frankreich, seien dem Verband nach bisherigen Erkenntnissen keine Fälle bekannt, in denen auch deutsche Märkte von dem Cyberangriff auf die Danfoss-Software in den Kühlsystemen betroffen waren.
Damit das auch so bleibt, lege der Lebensmittelhandel einen starken Fokus auf das Thema Krisenvorsorge und stehe mit Behörden und Ministerien im engen Austausch.
"Die Unternehmen befassen sich intensiv mit der Frage, wie sie sich auf bestimmte Krisen vorbereiten, um den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten zu können. Dazu investieren sie schon heute umfassend in digitale und physische Resilienz", so die BVLH-Sprecherin.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat anlässlich der Cyberattacken in Frankreich derweil eine Sicherheitsempfehlung veröffentlicht, um Online-gesteuerte (Kühl-)Anlagen besser zu schützen: "Dieser Angriff hätte jedes Land treffen können und kann auch jetzt jederzeit Nachahmer finden. Derartige Einfallstore laden regelrecht zu Sabotage ein. Wir fordern die Betreiber solcher Anlagen eindringlich auf, ihre Systeme sicher zu betreiben!", warnte BSI-Präsidentin Claudia Plattner (53) in einer Mitteilung.
Titelfoto: Bildmontage: Philip Dulian/dpa, X/@schelcher

