Der Stift als Auslaufmodell? - Wie sich die Branche wandelt

Von Irena Güttel

Nürnberg - Dass jemand mit einem Textmarker wichtige Stellen in einem Dokument markiert, kommt inzwischen nicht mehr so oft vor. Heute lesen viele Menschen Texte direkt am Computer.

Die Umsätze sind alles andere als stabil-o: Viele Hersteller von Schreibgeräten in Deutschland müssen den Rotstift ansetzen.
Die Umsätze sind alles andere als stabil-o: Viele Hersteller von Schreibgeräten in Deutschland müssen den Rotstift ansetzen.  © Daniel Karmann/dpa

In Zeiten von Home-Office und geteilten Arbeitsplätzen sind die Schreibtische im Büro ohnehin nicht mehr mit vielen Stiften bestückt.

Doch nicht nur deshalb geraten Traditionshersteller wie Faber-Castell, Stabilo und Staedtler unter Druck. Diese wollen nun Kosten sparen und Neues wagen. Aber hat der Stift überhaupt eine Zukunft?

Stabilo-Chef Horst Brinkmann ist sich da sicher. Der Hersteller aus dem fränkischen Heroldsberg ist vor allem für seine Textmarker und Fineliner bekannt.

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"Stifte werden als Gegenwelt zu einer voll vernetzten digitalen Umgebung immer einen Reiz haben. Ideen auf einem leeren Blatt zu skizzieren oder ein eigenes Bild malen, das hat schon eine beruhigende und entspannende Wirkung in einer Welt, die jeden Tag ein bisschen schneller wird."

Fakt ist aber: Die Umsätze schrumpften bei Stabilo im Geschäftsjahr 2024/2025 um fast 7 Prozent auf 214 Millionen Euro. Ursache dafür ist nach Angaben von Brinkmann neben der Digitalisierung die generelle Konsumzurückhaltung in den wichtigsten europäischen Märkten.

Kugelschreiber und Füller werden wohl zunehmend zum Modeaccessoire

Der internationale Wettbewerbs- und Kostendruck macht den Stift-Herstellern ordentlich zu Schaffen.
Der internationale Wettbewerbs- und Kostendruck macht den Stift-Herstellern ordentlich zu Schaffen.  © Daniel Karmann/dpa

Der Hersteller kündigte jüngst an, die Personalkosten weltweit senken zu wollen. In Deutschland sollen Teilzeit- und Vorruhestand-Angebote dazu beitragen.

Auch die Konkurrenten Staedtler in Nürnberg und Faber-Castell im nahe gelegenen Stein sehen sich unter Druck. "Wir sehen für die Branche einen spürbar härteren internationalen Wettbewerbs- und Kostendruck bei gleichzeitig gestiegener Preissensitivität", heißt es von Staedtler.

Das Unternehmen will zwei seiner Werke in Bayern schließen, diese in den Hauptstandort in Nürnberg integrieren und in den Aufbau eines Werks in Osteuropa investieren.

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Faber-Castell wiederum streicht 130 Stellen in Deutschland. Teile der Produktion sollen nach Brasilien und Peru verlagert werden. Das Werk in Österreich, das hauptsächlich Textmarker produziert, soll bis zum Sommer ganz schließen.

"Beim Textmarker ist der Markt signifikant rückläufig und wird durch die Digitalisierung auch nicht zurückkommen", begründet der Vorstandsvorsitzende Stefan Leitz.

Nach Meinung Vieler müssten Kugelschreiber und Füller zum Modeaccessoire werden, das Verbraucher nicht kauften, weil sie es unbedingt brauchten, sondern weil es ihnen gefalle.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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