"Die Lage ist ernst": Europa könnte in sechs Wochen der Treibstoff ausgehen

Paris (Frankreich) - Der Krieg im Nahen Osten spitzt sich immer weiter zu und die Straße von Hormus bleibt nach wie vor blockiert. Vielen Ländern auf der Welt geht allmählich der Kraftstoff aus. Auch in den Ölfässern von Europa kann man so langsam den Boden sehen. Fatih Birol (68), der Chef der Internationalen Energieagentur, findet klare Worte.

Fatih Birol (68), der Chef der Internationalen Energieagentur, prophezeit schlimme Zeiten für die weltweite Wirtschaft, wenn die Straße von Hormus nicht bald wieder offen ist.  © NICOLAS TUCAT / AFP

"Kein Land wird vor den Auswirkungen dieser Krise gefeit sein, wenn es so weitergeht", mahnt Birol in einem Interview mit dem National Press Club in Australien.

Die durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Energiekrise ist "die größte Energiekrise, mit der wir je konfrontiert waren". Durch die blockierte Handelsroute werden die Ölreserven auf der ganzen Welt knapp. Diese Verknappung führt wiederum zu einem enormen Preisanstieg. "Die Lage ist ernst", betont Birol.

Die jetzige Lage hat nach Angaben des Energie-Chefs bereits sämtliche Krisen in der Vergangenheit übertroffen. Zum Vergleich: Nach dem Einmarsch von Russland in die Ukraine hat der Ölmarkt 75 Milliarden Kubikmeter Öl verloren. Im Zuge der Blockade der Straße von Hormus ist man bereits jetzt bei knapp 140 Milliarden Kubikmetern - also fast doppelt so viel.

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Je länger die Blockade im Persischen Golf andauert, desto verheerender werden deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die asiatischen Länder deutlich schwerer von der Notlage betroffen sind als die Länder in Europa und Nordamerika, da sie mehr auf die Öllieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen sind.

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Viele Flüge könnten gestrichen werden

Zu Hochzeiten schipperten bis zu 20 Millionen Barrel (umgerechnet rund 3,18 Milliarden Liter) Öl über die Straße von Hormus. Jetzt ist dieser Schiffsverkehr vollkommen stillgelegt.  © -/The Visible Earth/NASA/dpa

Aber auch Europa geht der Sprit aus. Was Autofahrer an den Zapfsäulen bemerken, werden allmählich auch Flugreisende zu spüren bekommen.

"Ich kann Ihnen sagen, dass wir bald die Nachricht erhalten werden, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel möglicherweise ausfallen werden", prophezeit der 68-Jährige.

Laut Birol verfügt Europa nur noch über genug Kerosin für die nächsten sechs Wochen.

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Nun heißt es haushalten und hoffen, dass der Krieg im Nahen Osten ein baldiges Ende findet.

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