IG Metall will deutlich mehr Lohn: Kommt es zu großen Streiks?

Frankfurt am Main - Die IG Metall will für die etwa 3,9 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie deutlich mehr Geld fordern. Kommt es im Herbst zu Streiks?

Die Soziologin Christiane Benner (56) ist seit 2023 als erste Frau Erste Vorsitzende der Industriegewerkschaft (IG) Metall.
Die Soziologin Christiane Benner (56) ist seit 2023 als erste Frau Erste Vorsitzende der Industriegewerkschaft (IG) Metall.  © Arne Dedert/dpa

Mit Blick auf ein anhaltend hohes Preisniveau empfiehlt der Vorstand der Gewerkschaft sieben Prozent höhere Entgelte für zwölf Monate, wie die Gewerkschaft am heutigen Montag in Frankfurt mitteilte.

Die Ausbildungsvergütungen sollen um 170 Euro überproportional angehoben werden.

Verständnis zeigte IG-Metall-Chefin Christiane Benner (56) für die volatile Lage einzelner Unternehmen. Diese dürfe aber nicht über die Solidität der Branche insgesamt und die verbesserten Konjunkturprognosen hinwegtäuschen.

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"Unsere Tarifpolitik zeichnet Verlässlichkeit und Verantwortung aus", sagte Benner. Mit ihren Forderungen beweise die IG Metall Augenmaß.

Die 56-jährige Soziologin fügte hinzu: "Unter der Lage einzelner Firmen dürfen aber nicht alle Beschäftigten der Branche leiden. Für uns zählen die Realitäten in den Betrieben und der Respekt gegenüber den Beschäftigten".

Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie ab Ende Oktober möglich

Streikende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nehmen an einer Kundgebung der IG Metall teil - kommt es im Herbst zu Arbeitsniederlegungen in der Metall- und Elektroindustrie?
Streikende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nehmen an einer Kundgebung der IG Metall teil - kommt es im Herbst zu Arbeitsniederlegungen in der Metall- und Elektroindustrie?  © Armin Weigel/dpa

Die Forderung für deutlich mehr Geld begründet der IG-Metall-Vorstand mit der wirtschaftlichen Lage der Branche: "Die Unternehmen verfügen über ein komfortables Auftragspolster, die Beschäftigten müssen ranklotzen".

Die Auftragsbücher seien derzeit über einen Monat länger als normal gefüllt. Auch wenn die Inflationsrate sinke, bleibe der Preissockel an den Kassen hoch.

Die Empfehlung ist noch nicht die endgültige Forderung. Diese wird in den kommenden Wochen in den regionalen Tarifkommissionen diskutiert. Anfang Juli will der IG-Metall-Vorstand dann über die endgültige bundeseinheitliche Forderung entscheiden.

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Die Entgelttarifverträge für die Beschäftigten in den Kernbranchen der deutschen Industrie, zu denen unter anderem der Fahrzeugbau und der Maschinenbau zählen, laufen zum 30. September des laufenden Jahres aus. Die ersten Verhandlungen finden nach IG-Metall-Angaben bis spätestens 16. September statt, also bis spätestens sechs Wochen vor Ende der Friedenspflicht am 28. Oktober.

Warnstreiks wären dann ab dem 29. Oktober möglich.

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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