Dolle Kamellen aus Sachsen: Bonbon-Klassiker regnen überall von den Faschingswagen

Delitzsch - Sie gehören zum Karneval wie Pappnasen und Konfetti - "Böhme Fruchtkaramellen". Millionenfach werden die süßen Plombenzieher ab diesem Wochenende bei den Faschingsumzügen von den Wagen geworfen – deutschlandweit. Hergestellt werden die Karamellen in Sachsen, in der Delitzscher Schokoladenfabrik.

Mit vollen Händen werfen die Jecken bei Faschingsumzügen in ganz Deutschland Karamellen ins Volk.
Mit vollen Händen werfen die Jecken bei Faschingsumzügen in ganz Deutschland Karamellen ins Volk.  © Oliver Berg/dpa

Es gibt sie in den Geschmacksrichtungen Kirsch, Zitrone, Apfel, Himbeere und Apfelsine. Die Frucht ziert die silberne Verpackung des quadratischen Kaubonbons. Das Design ist - positiv formuliert: Retro. Unverändert seit den 50er-Jahren.

Doch das Produkt, von Kennern "Frukas" abgekürzt, ist der Renner. "Jeder Versuch, das Produkt zu modernisieren, wird von den Kunden grandios abgelehnt", so Geschäftsführer Darren Ehlert (49) in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Jeder Marketingprofessor würde die Stirn runzeln."

Doch für Fruka-Liebhaber ist es ein unverbrüchliches Stück Kindheit – und Karneval.

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"Unsere Hochsaison fängt in der zweiten Januarhälfte an. Dann kaufen die Karnevalisten im Großhandel die Drei-Kilo-Beutel. Die Leute kaufen, damit sie es dann vom Faschingswagen runterschmeißen können", so Ehlert. "Eigentlich schade - ein Lebensmittel durch die Gegend zu werfen. Aber es gehört einfach zur Tradition."

Auch beim Delitzscher Carneval Verein - der pro Saison rund 60 Kilo Frukas auswirft.

Die noch warme, weiße Fruka-Masse wird maschinell gezogen.
Die noch warme, weiße Fruka-Masse wird maschinell gezogen.  © Sebastian Willnow/dpa
Täglich können bis zu 3,5 Millionen Frukas produziert werden.
Täglich können bis zu 3,5 Millionen Frukas produziert werden.  © Sebastian Willnow/dpa
Viele Frukas kommen in eine Tüte, viele Tüten in einen Karton - und dann: ab in den Handel.
Viele Frukas kommen in eine Tüte, viele Tüten in einen Karton - und dann: ab in den Handel.  © Sebastian Willnow/dpa

Täglich werden 3,5 Millionen Frukas hergestellt

Mit der heißen Karamellmasse beginnt die Produktion der Karamellen.
Mit der heißen Karamellmasse beginnt die Produktion der Karamellen.  © Sebastian Willnow/dpa

Die Karamellen werden zwar auf alten Maschinen hergestellt - erfunden wurden sie trotz 130-jähriger Firmentradition aber nicht in Delitzsch.

"Entwickelt wurde das Bonbon in NRW. Nach der Wende hat die Firma Wissoll die Delitzscher Schokoladenfabrik gekauft und einige Herstellungsprozesse von Mülheim an der Ruhr hierher verlegt", so Ehlert.

Heute werden täglich 3,5 Millionen Frukas produziert. "Mit unserer Jahresproduktion könnten wir eine Strecke von Delitzsch bis nach Vietnam auslegen", sagt Produktmanagerin Kathrin Knobbe stolz.

Titelfoto: Bildmontage: Oliver Berg/dpa, Sebastian Willnow/dpa

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