Nach nur einem halben Jahr: Zittauer Multi-Bürgermeister wirft hin

Zittau - Es ist eine Flucht: Nach gerade einmal fünf Monaten verlässt Multi-Bürgermeister Philipp Fay seine Heimat wieder. Er geht zurück nach Bayern - als gern gesehener Beamter. Fay ist studierter Verwaltungswissenschaftler.

Der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker (44, Archivbild).
Der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker (44, Archivbild).  ©  Miriam Schönbach/ZB/dpa

Fay leitete das Bauamt, das Rechtsamt und das Amt für Bildung und Soziales. Ebenso zuständig war er für die Stadtentwicklung und die Feuerwehr. Wie intern aus dem Rathaus zu hören ist, fühlte er sich vom neuen, im Mai gewählten Mehrheitsblock aus AfD, Linke und FFF blockiert.

Die Stadträte dieser einzelnen Fraktionen hätten partout alles Verwaltungshandeln hinterfragt und gegenüber dem Rathaus ein extremes Misstrauen an den Tag gelegt.

Damit sei Fay nicht klargekommen. Seinen Stuhl in Zittau behält er nur noch bis Ende Januar.

Schon die Wahl des Parteilosen ging – ohne sein Zutun – holperig über die Bühne. Zunächst nämlich war der damals 35-Jährige Anfang 2019 "2. Wahl", also dem eigentliche Favoriten der Stadt unterlegen.

Der Sieger und Favorit allerdings hätte der wegen seiner amerikanischen Staatsbürgerschaft nicht gewählt werden dürfen, wurde es aber … Er musste nach wenigen Tagen im Amt wieder gehen. Doch selbst die nun vermeintliche Formalie Fay geriet zum Politikum: Zahlreiche Stadträte wollten den Posten plötzlich ganz unbesetzt lassen. Bei der entscheidenden Ratssitzung im April wurde das im Beisein des Kandidaten unverhohlen diskutiert.

Bei der Abstimmung zogen die Kritiker, acht Stadträte von Linke, FUW/FBZ/FDP und Bürgerbündnis demonstrativ aus. Zwar bezog der künftige Bürgermeister das alles nicht auf sich, hängen blieb aber bei ihm jedoch unterschwellig: "Du bist hier nicht gewollt."

Was wird nun aus dem Bürgermeisterposten in Zittau?

Blick auf das Zittauer Rathaus, das sich auf dem Marktplatz befindet (Archivbild).
Blick auf das Zittauer Rathaus, das sich auf dem Marktplatz befindet (Archivbild).  © Monika Skolimowska/ZB/dpa

Sein Fazit zum Ende: "Die Stadt Zittau hat nach wie vor sehr große Aufgaben zu bewältigen, da hilft es kaum, wie im Stadtrat regelmäßig jegliche Arbeit der Verwaltung in Frage gestellt wird."

Dabei ist Fay Zittauer. Er war (Studium inbegriffen) Mitte August 2019 nach 15 Jahren in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Er beerbte Michael Hiltscher (CDU), der regulär in den Ruhestand ging – vor mehr als fünf Jahren. So lange war das Amt formell unbesetzt. Fay hatte in Bayern nach zehn Jahren (!) seinen sicheren Beamtenjob für Zittau aufgegeben!

Er lebte in Ingolstadt, arbeitete in München. In Bayern hatte er beim Innenministerium die Personalplanung der Polizei betreut. Künftig übernimmt er die Leitung des Personalbereichs des Bayerischen Landesamtes für Asyl und Rückführungen.

Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zittau kann mehr = Zkm) sagte: "Es ist in höchstem Maße enttäuschend, wenn jemand nach derart kurzer Zeit die Flinte ins Korn wirft." Zenker hatte Fay trotz der Widerstände gestützt.

Was nun aus dem Bürgermeisterposten wird, ist völlig unklar. Das Rathaus hat sich noch nicht für eine Neuausschreibung entschieden.

Philipp Fay.
Philipp Fay.  © Matthias Weber

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