Neuer Anschlag auf deutsches Stromnetz: "Wer da ran geht, der greift unser Land an"

Von Florentine Dame

Bergheim - Es sind grelle Lichtblitze an den Stromoberleitungen eines Umspannwerks in Bergheim bei Köln, die am Dienstagabend die nordrhein-westfälische Polizei auf den Plan rufen.

Der leitende Kriminaldirektor der Polizei Köln Michael Esser (l.) und Oberstaatsanwalt Urlich Bremer (r.) haben sich zu dem Anschlag geäußert.  © Christoph Reichwein/dpa

Schnell wird klar: Unbekannte Täter sollen dort einen Anschlag auf die kritische Infrastruktur verübt und einen Kurzschluss verursacht haben. 

Parallelen im Vorgehen der Täter legen einen Zusammenhang mit einem ähnlich-gelagerten Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg nahe. Im Rheinland gingen in Folge des Vorfalls zeitweise fünf Kraftwerksblöcke vom Netz.

Es werde unter anderem wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage ermittelt, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.

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Auch wenn nennenswerte Stromausfälle, die auf den Vorfall zurückzuführen sind, ausblieben, nehmen die Behörden das Geschehen sehr ernst: "Wir stufen die Tat als Anschlag auf die kritische Infrastruktur ein", sagte der Leitende Kriminaldirektor Michael Esser aus Köln. Ermittelt werde auf Hochtouren. 

Noch während die Polizei tagsüber vor Ort Spuren und Beweise sicherte und die Behörden in enger Abstimmung mit den Betreibern an weiteren Kraftwerksstandorten die Sicherheitsmaßnahmen hochfuhren, trat in Düsseldorf NRW-Innenminister Herbert Reul (74) vor die Presse: "Ein Umspannwerk ist ein Nervenzentrum für unseren Alltag. Wer da ran geht, der greift unser Land an", so der CDU-Politiker.

Und: "Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus." 

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Am Umspannwerk soll vorsätzlich ein Schaden herbeigeführt worden sein.  © Alexander Franz/dpa

Ermittler: Keine Hinweise auf Motiv oder konkrete Täter

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.  © Alexander Franz/dpa

Die Ermittlungen stehen laut Staatsanwaltschaft und Polizei noch am Anfang: Es gebe weder Hinweise auf konkrete Täter, noch sei die Motivation der Unbekannten klar, sagte Kriminaldirektor Esser. 

Dass dennoch schon frühzeitig von einer vorsätzlichen Tat ausgegangen wurde, liegt vor allem an den Spuren, die die Polizei sichern konnte: Der Kurzschluss sei ausgelöst worden, indem ein leitender Gegenstand, vermutlich ein Draht, an einem Zaun befestigt und gegen die Stromleitung geschleudert worden sei, schilderte die Polizei. 

In einem Maisfeld an dem Umspannwerk fanden die Ermittler insgesamt sechs Abschussvorrichtungen, mit denen mittels pyrotechnischer Gegenstände der Draht über die Leitungen gebracht worden sein soll, wie Esser schilderte. Da es denkbar sei, dass sie bereits vor längerer Zeit unbemerkt auf das Feld gebracht worden seien, hoffe man nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

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Auch sollen mögliche DNA-Spuren an den Vorrichtungen gesichert werden, um den Tätern auf die Spur zu kommen, ergänzte Bremer. Zudem sollen Telekommunikationsdaten jener, die sich zur fraglichen Tatzeit in der Nähe befunden hätten, ausgewertet werden, so der Oberstaatsanwalt aus Köln. 

Schutzmaßnahmen an weiteren Standorten verstärkt

Auch sollen mögliche DNA-Spuren an den Vorrichtungen gesichert werden, um den Tätern auf die Spur zu kommen, ergänzte Bremer. Zudem sollen Telekommunikationsdaten jener, die sich zur fraglichen Tatzeit in der Nähe befunden hätten, ausgewertet werden, so der Oberstaatsanwalt aus Köln. 

Intensiv untersucht wird laut den Ermittlern auch ein Zusammenhang zu einem ganz ähnlichen Vorfall von Dienstag in Brandenburg. In beiden Fällen seien pyrotechnische Gegenstände gefunden worden. In dem Bundesland laufen ebenfalls Ermittlungen wegen Sabotage, nachdem Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde versucht hatten, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen. In zwei Fällen gelang das nach Behördenangaben.

Laut den nordrhein-westfälischen Ermittlern wurden infolge des Geschehens Schutzmaßnahmen an ähnlichen Objekten sicherheitshalber hochgefahren.

Erstmeldung: 2. September, 6.56 Uhr; zuletzt aktualisiert: 18.41 Uhr

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