Nach verheerendem Schulbrand: Schüler starten in eigenem Containerdorf ins neue Jahr
Von Volker Danisch
Erkrath - Für insgesamt 1200 Schüler in Erkrath bei Düsseldorf beginnt nach den Sommerferien nicht einfach ein neues Schuljahr. Mitte Mai vergangenen Jahres zerstörte ein verheerendes Feuer den alten Schulkomplex mit den beiden Schulen. Nun startet der Unterricht für die Schüler in einem extra errichteten zweigeschossigen Containerbauwerk, dem sogenannten Schuldorf.
Die schwarze Rauchsäule stand weithin sichtbar über dem Standort. Schüler waren glücklicherweise zu der Zeit nicht mehr vor Ort. Ein Kurzschluss in der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach löste den Brand aus, wie die Polizei ermittelte. Demnach breitete sich das Feuer dann von dort aus innerhalb weniger Minuten aus und entfachte zum Vollbrand.
Der Abriss der Ruine ist derweil schon weit fortgeschritten, wie Schuttberge zeigen. Eine Fassadenseite steht dahinter noch. An anderer Stelle baggern Bauarbeiter im Boden.
Ein Minion auf dem Mülleimer neben der Treppe schaut besonders traurig aus. Er ist von Unkraut und Büschen praktisch umzingelt. Hier ist schon lange kein Kind mehr vorbeigekommen, denn hier ist weiterhin Baustelle. Das neue Schuldorf ist nur wenige Meter weiter auf dem Sportplatz entstanden.
Da, wo die Rasenfläche war und Fußball gespielt wurde, steht jetzt ein riesiges Puzzle aus rund 600 Einzelcontainern. Die ovale Laufbahn des Stadions ist asphaltiert für die Feuerwehr. Die Kosten für Aufbau, Containermiete und Wiederherstellung des Sportplatzes werden laut Stadt auf 25 Millionen Euro veranschlagt. Das Schuldorf steht nur auf Zeit. Ein Schulneubau ist geplant. Angedacht ist, dass der neue Schulkomplex zum Schuljahr 2029/2030 steht.
Vizerektorin von Realschule Hochdahl freut sich über Eröffnung des Schuldorfes
"Wir sind voller Energie", sagt Simone Richter, stellvertretende Leiterin der Realschule Hochdahl, mit Blick auf die neuen Räume. "Die Kinder können von zu Hause aus dann direkt hierhin laufen und müssen nicht mehr so früh aufstehen", verdeutlicht sie einen Unterschied zum bisherigen Pendelbetrieb. Busse der Rheinbahn fuhren die Schüler 216 Schultage zum Ausweichquartier hin und zurück, einem Schulkomplex in Benrath, der Nachbarstadt Düsseldorf.
Aber auch das Betreuen und Fördern von Schülern am Nachmittag in der Schule sei jetzt wieder möglich. Der wichtige Ganztag "hat uns sehr gefehlt", sagt Richter und fügt hinzu: "Die ganzen schönen Dinge, das Leben hat so ein bisschen gefehlt." AGs, Lernzeiten, Klassenlehrerstunden, "alles, was so die Interaktion nochmal am Rande des Unterrichts anbietet", zählt sie auf. Es habe keinen Einbruch bei den Schülerzahlen gegeben, "wir sind sogar gewachsen".
Ein Stück Benrath ist auch in dem neuen Schuldorf zu finden: Die Tische und Stühle in der Mensa des Gymnasiums etwa stammen aus dem Schulzentrum in der Nachbarschaft. Das gelte auch für weiteres Mobiliar am Gymnasium, wie Hausmeister Sascha Sommer erzählt. Andere Tische, Stühle und auch einige interaktive Tafeln konnten aus dem abgebrannten Schulkomplex geborgen werden. Nach einer Reinigung kamen sie zum Ausweichstandort und jetzt wieder zurück.
Mehr als 200 Blas- und Streichinstrumente des Gymnasiums waren wegen einer Brandschutzsanierung des alten Schulkomplexes schon ausgelagert und fielen somit nicht den Flammen zum Opfer. "Glück im Unglück", meint Sommer. Er freut sich auf die Schüler und wieder richtiger Hausmeister sein zu dürfen. Nach ein paar Tagen Ankommen und Gestalten der Klassenräume wird im Schuldorf das "Comeback" gemeinsam mit Eltern gefeiert, wie Richter sagt.
Titelfoto: Bildmontage: Gianni Gattus/dpa, Fabian Strauch/dpa

