Wie "Läuse-Pipi" vielen Autofahrern das Leben schwer macht

Berlin - Wer kennt es nicht? Man parkt sein sauberes Auto im Sommer unter einer Linde und es dauert nicht lange, bis das Gefährt von einer eklig klebrigen Schicht überzogen ist.

Durch die klebrigen Ausscheidungen bleibt in der Regel auch der gelbe Lindenblütenstaub an den Autos und Gehwegen haften.  © TAG24/Thorsten Meiritz

Autofahrer, die in Straßen parken, die ausschließlich mit Linden bepflanzt sind, verzichten daher oftmals in den Sommermonaten gänzlich auf eine Autowäsche, weil das schlichtweg verlorene Liebesmüh ist.

Aber wieso sondern die Bäume überhaupt diese klebrige Flüssigkeit ab. Wollen sie sich damit etwa gegen die Schadstoffbelastung durch die Autos wehren? Spaß bei Seite, der Ursprung ist biologisch bedingt und hat nichts mit uns Menschen zu tun.

Wer jetzt allerdings an den wohlschmeckenden Lindenhonig denkt, der von den Blättern tropfen könnte, der ist einer Urban Legend aufgesessen und man sollte das klebrige Zeug auch besser nicht "probieren".

Was ist es also, das Verkehrsteilnehmern aller Art - auch Fußgänger bleiben gern unter den Linden auf dem Gehweg kleben - zu schaffen macht? Die Antwort darauf hat jetzt Diplom-Biologin Ursula Bauer von "aktion tier News" in Berlin gegeben.

Es handelt sich um sogenannten Honigtau und der wird von Läusen ausgeschieden. Da diese Ausscheidung neben Wasser vor allem aus verschiedenen Zuckerarten wie Saccharose, Fructose und Glucose besteht, klebt sie dermaßen.

Anzeige

Lindenblattlaus verantwortlich für klebrige Autos und Gehwege

Im Sommer siedelt sich die Lindenblattlaus an den Blattunterseiten an, um Pflanzensaft zu saugen.  © TAG24/Thorsten Meiritz

Zeitgleich mit der Lindenblüte nimmt im Juni und Juli die Population der Lindenblattlaus (Eucallipterus tiliae), die die Blattunterseiten besiedelt, rapide zu.

Die Insekten saugen den zuckerreichen aber eiweißarmen Pflanzensaft und da das Eiweiß für sie lebensnotwendig ist, müssen sie große Mengen des Safts aufnehmen, um ihren Bedarf zu decken.

Der überschüssige Zucker wird dann größtenteils wieder ausgeschieden. Streng genommen ist Honigtau also nichts anderes als "Läuse-Pipi", das die Blätter der Linden überzieht und auf die Autos und Gehwege tropft. An dem klebrigen Überzug bleiben dann natürlich zusätzlich Straßen- und Blütenstaub oder andere Pflanzenteile haften.

Das Problem: Wenn die Population zu stark anwächst, dann wachsen einem Teil der ungeflügelten Blattläuse Flügel, sodass sie gleich die nächste Linde befallen können. Zum Glück kommen sie aber ausschließlich auf Lindenarten vor.

Übrigens, was für die meisten Menschen ein Ärgernis ist, freut viele Insekten. Besonders Ameisen, Bienen, Hornissen, Schwebfliegen und Wespen lecken den energiereichen Honigtau von den Lindenblättern und decken dadurch ihren hohen Energiebedarf.