Kommentar zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Mit oder ohne Partner?
Magdeburg - Dieses Wahlergebnis ist ein politisches Erdbeben: Fast jeder zweite Sachsen-Anhalter hat sein Kreuz bei der AfD gemacht. Die regierende CDU um MP Sven Schulze wurde krachend abgewählt, ihr Ergebnis hat sich mehr als halbiert. Da hilft auch keine Brandmauer mehr: Dieses Votum ist so eindeutig, dass es weder in Magdeburg noch in Berlin ignoriert werden kann. Die Luft wird jetzt auch für Kanzler Merz dünner.
Für die angestrebte Machtübernahme per Alleinregierung reicht es knapp nicht. Die kraftstrotzende AfD braucht einen Koalitionspartner - oder zumindest einen Steigbügelhalter in Form einer Tolerierung.
Meint es Ulrich Siegmund (35) ernst mit der Demokratie, sollte er CDU und Co. zu Sondierungsgesprächen einladen.
Und die übrigen Parteien sollten das Angebot nicht ausschlagen. Das gebietet der Respekt vorm Wähler.
Der Regierungsauftrag liegt so oder so bei der AfD - was aber nicht heißt, dass andere Parteien verpflichtet wären, mit einer rechtsextremen Partei zu koalieren.
Regiert die AfD in Sachsen-Anhalt allein oder gibt es eine Koalition von mehreren Parteien?
Ohnehin hatte die AfD immer wieder betont, nicht auf Partnersuche zu sein. Keine Kompromisse, so die Devise.
Das wahrscheinlichste Szenario wäre damit eine AfD-Regierung unter Tolerierung des BSW. Und falls daraus nichts wird?
Eine Koalition aller kleinen Parteien - von CDU bis Linke - wäre ein Schlag für fast jeden zweiten Wähler.
Warum eine solche Regierung der Wahlverlierer die richtige Alternative für Sachsen-Anhalt wäre, ist kaum zu vermitteln.
Sicher, inhaltlich gäbe es dafür endlos viele Gründe, die Argumente wurden in den vergangenen Monaten zur Genüge ausgetauscht.
Gehör fanden sie offensichtlich nicht.
zuletzt aktualisiert: 22.21 Uhr
Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

