Wahlforscher einig: Wird es bei der Landtagswahl eine große Überraschung geben?

Von Noah Tiaden

Magdeburg - Bei der Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt erwarten große Wahlforschungsinstitute keine Überraschung wie vor fünf Jahren, als die AfD schwächer als in den Umfragen abschloss und die CDU deutlich stärker als erwartet.

Wahlforscher gehen davon aus, dass bei der Landtagswahl keine größeren Überraschungen geben dürfte.  © Bernd Weißbrod/dpa

"Wir rechnen nicht mit einem so großen Mobilisierungseffekt in den letzten Tagen wie 2021. Damals konnte (Ministerpräsident Reiner) Haseloffs CDU die AfD-Gegner hinter sich versammeln. Dieses Mal teilen sich die AfD-Gegner breiter auf verschiedene Parteien auf", sagte der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerten sich seine Kollegen von Infratest-dimap und Insa.

Bei der letzten Sachsen-Anhalt-Wahl 2021 hatte die CDU in Umfragen nur wenig vor der AfD oder sogar hinter der AfD gelegen, doch sie gewann am Ende mit mehr als 16 Prozentpunkten Vorsprung. 

"Das Problem beim letzten Mal war nicht die Methodik der Umfrage", erklärte Jung. Die Umfragen hätten das Meinungsbild ein paar Tage vor der Wahl 2021 abgebildet, dieses habe sich dann bis zum Wahltag noch deutlich geändert.

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Ostdeutsche Wähler fühlten sich weniger an einzelne Parteien gebunden als westdeutsche - das mache die Wahlen schwerer prognostizierbar. 

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Wahlforscher: SPD und Grüne wegen "Taktisch wählen"-Kampagne stabilisiert

Am Sonntag wird in Sachsen-Anhalt der neue Landtag gewählt.  © Hendrik Schmidt/dpa

Insa-Chef Hermann Binkert erläuterte: "Reiner Haseloff war ein sehr populärer Ministerpräsident, er hat im Wahlendspurt viele Stimmen für die CDU gewonnen." Doch einen so deutlichen Effekt erwarte er nicht beim aktuellen Ministerpräsidenten Sven Schulze (47), ebenfalls CDU.

Der Chef von Infratest-dimap, Roland Abold, sagte, vor Wahlen mobilisierten die Parteien von Linken bis CDU besonders stark, wenn die AfD hohe Umfragewerte habe. Dies sei bisher in Sachsen-Anhalt allerdings kaum sichtbar.

Dennoch: "In den letzten Wochen haben wir Bewegung bei den Grünen und in geringerem Ausmaß bei der SPD gesehen. Beide haben sich in den Umfragen über der Fünf-Prozent-Hürde stabilisiert - wahrscheinlich ein Effekt der Kampagnen zum taktischen Wählen. Hier könnte es noch Dynamik vor der Wahl geben."

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Taktisches Wählen meint, dass AfD-Gegner nicht ihre favorisierte Partei wählen, sondern jene, von der sie hoffen, dass ihr Einzug in den Landtag eine Mehrheit für die AfD verhindern könnte.

Auch Binkert sieht zwar keine Dynamik für die CDU mehr, aber in gewissem Ausmaß hält er sie noch bei anderen Parteien jenseits der AfD für möglich: "Anti-AfD-Wähler wählen dieses Mal vielleicht taktisch Grüne und SPD. Das könnte eine neue Dynamik sein. Das hat allerdings nicht die Größenordnung von 2021."

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