310 Teile, 3000 Jahre alt: Bronze-Schatz in Sachsen entdeckt
Dresden/Görlitz - 6 Kilo schwer, über 300 Bestandteile groß, gute 3000 Jahre alt: In Klein Neundorf bei Görlitz haben Archäologen einen Schatz geborgen, der selbst die Fachleute staunen lässt. Denn der "Bronzehorst" ist mehr als altes Buntmetall: Er lässt tief in ein Zeitalter der Lausitz blicken - voller Macht, Reichtum und internationaler Beziehungen.
Alles in Kürze
- Bronze-Schatz in Sachsen entdeckt
- Schatz besteht aus 310 Teilen und ist 3000 Jahre alt
- Archäologen fanden Schatz in Klein Neundorf bei Görlitz
- Fund belegt internationalen Handel in der Lausitz
- Entdeckung gilt als Glücksfall für das Landesamt für Archäologie

"Wir sind dabei, neue Seiten ins Geschichtsbuch zu schreiben", strahlt Jasper von Richthofen (61), Direktor der Görlitzer Sammlungen.
Schon im Jahr 1900 hatten Kinder auf einem Acker in Klein Neundorf drei bronzene Dolche entdeckt. Als von Richthofen davon las, stieß er eine neue Suche auf dem Feld an. Dem Landesamt für Archäologie, den Görlitzer Sammlungen, aber vor allen privaten "Sondlern", Hobby-Schatzsucher mit Metalldetektoren, gelang dann die Sensation.
310 bronzene Objekte - Sicheln, Armreif, Pfluggeschirr - verbargen sich nur einen halben Meter unter dem immer noch fruchtbaren Boden.
Landesarchäologin Regina Smolnik (64) geht davon aus, dass genau an diesem Ort die "Eliten" ihre "Reichtümer bewusst niedergelegt haben. Wohl als Opfergabe für die Götter." 800 Jahre vor unserer Zeit.



Bronzehort von Klein Neundorf beschäftigt die Archäologen
Ähnliches finde man von Ungarn bis England. Doch einzelne Bestandteile - Zinn aus dem Erzgebirge, ein Schwert aus Süddeutschland, ägyptische Perlen und Pferdegeschirr aus der Mongolei - belegen emsigen internationalen Handel in der Lausitz. "Wir wissen nicht genau, wie diese Menschen Handel betrieben haben. Nur, dass sie es taten", so Smolnik zur TAG24.
Für ihr Landesamt ist der zweitgrößte Fund seiner Art ein "Glücksfall". Normalerweise berge oder erfasse man solche Objekte nur, um Bauarbeiten wie die Errichtung von Karls Erdbeerdorf oder den B169-Ausbau zu ermöglichen.
Das weiß auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU): "Es ist manchmal anstrengend, bei großen Bauvorhaben der Archäologie Vorrang zu lassen. Aber an solchen Funden sieht man, wie wichtig sie ist. Wir bekennen uns zur Archäologie."
Titelfoto: Montage: Sebastian Kahnert/dpa, Sächsisches Landesamt für Archäologie