Alles wird teurer – nicht nur ein Bauchgefühl, sondern Tatsache!

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Sachsen - Ob Wochenendeinkauf, Betriebskostenabrechnung oder die nächste Klassenfahrt der Kinder: Alles scheint teurer geworden zu sein. Dass dieses Gefühl nicht trügt, zeigt ein Blick auf den Verbraucherpreisindex (durchschnittliche prozentuale Veränderung des Preisniveaus).

Manchmal kann man nur staunen, wie wenig vom hart verdienten Geld am Ende des Monats übrig bleibt.
Manchmal kann man nur staunen, wie wenig vom hart verdienten Geld am Ende des Monats übrig bleibt.  © 123RF

So stiegen die Preise in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich um 50 Prozent. Heißt: Kosteten im Jahr 2006 bestimmte Waren noch 100 Euro, muss der Verbraucher dafür inzwischen 150,73 Euro berappen.

In einigen Bereichen des Lebens schlagen die Preise besonders zu Buche.

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Lebensmittel

Ein Blick auf den Kassenzettel nach dem Einkauf im Supermarkt lässt manch einen erschaudern. (Symbolfoto)
Ein Blick auf den Kassenzettel nach dem Einkauf im Supermarkt lässt manch einen erschaudern. (Symbolfoto)  © picture alliance/dpa

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke haben sich seit 2006 durchschnittlich um 96 Prozent verteuert, vor allem die Preise von Grundnahrungs- und Genussmitteln, aber auch Fetten und tierischen Produkten sind drastisch gestiegen. Ernteausfälle und Spekulationen trieben zum Beispiel die Preise von Kaffee, Schokolade sowie kakaohaltigen Produkten in die Höhe.

Teuerungsraten von Lebens- und Genussmitteln 2006 bis 2026 in der Übersicht.
Teuerungsraten von Lebens- und Genussmitteln 2006 bis 2026 in der Übersicht.  © Berechnungen anhand der Verbraucherpreisindizies des Statistischen Bundesamts

Infolge des Ukraine-Kriegs stiegen Energie- und Düngemittelkosten, Lieferketten wurden unterbrochen. Allein zwischen 2020 und 2024 verzeichneten Lebensmittel einen Preisaufschlag von 32,8 Prozent.

Gesundheit

Zuzahlungen für Zahnersatz sind auch gestiegen. (Symbolfoto)
Zuzahlungen für Zahnersatz sind auch gestiegen. (Symbolfoto)  © picture alliance/dpa

Für ihre Gesundheit müssen die Sachsen immer tiefer in die Tasche greifen, sei es bei Zuzahlungen für Medikamente und Zahnersatz oder für Brillen und Pflegeleistungen. So stiegen die Gesundheitsausgaben in den zurückliegenden 20 Jahren von zirka 2970 Euro auf mittlerweile 6444 Euro pro Einwohner - ein Plus von 117 Prozent. Im selben Zeitraum erhöhten sich unter anderem auch die Beiträge zu privaten Unfall- und Krankenversicherungen um 71 Prozent.

Den Bärenanteil fressen jedoch die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung auf. Diese stiegen um 31,6 Prozent. Der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung erhöhte sich sogar um fast 112 Prozent - von 1,7 auf 3,6 Prozent.

Wohnen

Seit 2006 haben sich die Mieten in Sachsen fast verdoppelt. (Symbolfoto)
Seit 2006 haben sich die Mieten in Sachsen fast verdoppelt. (Symbolfoto)  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Laut Statistischem Bundesamt betrug die durchschnittliche Bruttokaltmiete in Sachsen einst günstige 5,13 Euro pro Quadratmeter (2006). Nur im Saarland wohnte man noch günstiger. Inzwischen haben sich die Mieten fast verdoppelt. Aktuelle Markttrends sprechen von einer durchschnittlichen Bruttokaltmiete von 9,30 bis 9,50 Euro pro Quadratmeter. In der Landeshauptstadt erreicht sie bisweilen auch über 10 Euro. Eine Verteuerung von 83 Prozent, für Dresden sogar von 95 Prozent. Besonders hart trifft es, wer neuen Wohnraum sucht.

Doch damit nicht genug. Der durchschnittliche Strompreis liegt aktuell bei etwa 29,90 bis 33,15 Cent pro Kilowattstunde. 2006 waren es noch durchschnittlich 17,5 bis 19,5 Cent. Macht einen Zuwachs von etwa 70 Prozent. Ähnlich sieht es beim Gaspreis aus, der mit 5,5 bis 8,7 Cent pro Kilowattstunde schon 2006 einen ersten Höchststand erreichte.

Die sächsische Landeskartellbehörde ging damals sogar rechtlich wegen Wucherei gegen Anbieter vor. Bis heute stieg der Gaspreis durchschnittlich um zirka 76 Prozent, die Fernwärme legte in den vergangenen zehn Jahren um 81 Prozent zu.

Mobilität

Tanken wird immer teurer. (Symbolfoto)
Tanken wird immer teurer. (Symbolfoto)  © Jan Woitas/dpa

2006 kletterten die Spritpreise auf 1,28 Euro pro Liter für Super und 1,11 Euro für Diesel. Damals Rekordpreise! Aus heutiger Sicht: So günstig konnten Autofahrer schon lange nicht mehr tanken. Erst recht nicht seit Ausbruch des Iran-Konflikts. Zuletzt knackten die Spritpreise in Sachsen die 2,50 Euro-Marke. Für einen vollen Tank müssen die Sachsen also mittlerweile fast den doppelten Preis berappen. Zahlte man früher für eine 50 Liter Super Tankfüllung 64 Euro, sind es heute bis zu 125 Euro.

Wenig besser sieht es bei der Kfz-Versicherung aus. 2024 war die Kraftfahrzeugversicherung plötzlich 43,6 Prozent teurer als noch vier Jahre zuvor. Haupttreiber: gestiegene Reparatur- und Schadenskosten aufgrund neuer und komplizierter Assistenzsysteme und Sensoren. Und wer ein neues Auto kaufen möchte? Der zahlt im Schnitt 48 Prozent mehr als noch 2006.

Auch wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, muss mehr bezahlen. Kostete früher eine Einzelfahrt im sächsischen Stadtverkehr zwischen 1,60 und 1,80 Euro, sind es heute 3,30 bis 3,60 Euro, also teilweise mehr als das Doppelte.

Freizeit

Kreuzfahrt-Trips kann sich nicht mehr jeder oder jede leisten. (Symbolfoto)
Kreuzfahrt-Trips kann sich nicht mehr jeder oder jede leisten. (Symbolfoto)  © IMAGO/Frank Drechsler

Durchschnittlich 826 Euro wollten die Ostdeutschen 2006 für einen Jahresurlaub ausgeben. Einwöchige Pauschalangebote lagen oft bei 300 Euro pro Person für Zielgebiete im Mittelmeerraum. 20 Jahre später sind die Preise für Pauschalreisen um etwa 76 Prozent gestiegen. Demnach müssen Reisende heutzutage mindestens 530 Euro pro Person einplanen. Noch stärker schlagen Reise- und Gepäckversicherungen zu Buche. Sie erhöhten sich um 91 Prozent in den letzten zehn Jahren und allein im vergangenen Jahr um 35 Prozent.

Auch sonst sind Freizeitvergnügen ein teurer Spaß geworden. Für ein Hauptgericht im Restaurant bezahlen Gäste heutzutage mindestens 15 bis 20 Euro (2006: acht bis zehn Euro). Ins Kino geht es für zehn bis 14 Euro (2006: 6-7 Euro) pro Ticket und eine Kugel Eis kostet schon lange keine 50 bis 80 Cent mehr, sondern zwei bis 2,50 Euro - ein Plus von bis zu 400 Prozent.

Und die Löhne?

2006 betrug der Medianlohn (Brutto) der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer in Sachsen 1843 Euro im Monat. 2025 waren es 3588 Euro. Das entspricht einem Anstieg von etwa 95 Prozent.

Gemessen an der Teuerungsrate des Verbraucherpreisindex haben die Sachsen also theoretisch mehr Geld in der Tasche. Theoretisch! Denn Medianlohn heißt: Genau die Hälfte der Arbeitnehmer verdient mehr und die andere Hälfte eben weniger.

Hinzu kommt: Unterschiedliche Lebensentwürfe haben auch andere Kosten. Familien mit Kindern haben meist höhere Ausgaben als Paare ohne Nachwuchs - zum Beispiel für Lebensmittel, Urlaub, Kinderbetreuung, Schulmaterialien, Sportvereine und vieles mehr. So gelten Familien mit zwei Kindern bei einem Nettoeinkommen von 2500 bis 3000 Euro schon als armutsgefährdet.

Titelfoto: Bildmontage: 123RF//picture alliance/dpa

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