Überstunden ohne Ausgleich? Sachsen plant Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte

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Von André Jahnke

Leipzig - Lehrkräfte arbeiten regelmäßig länger, als es ihre Arbeitszeit vorsieht, doch bislang fehlt in Sachsen ein einfaches System, um diese Mehrarbeit sichtbar zu machen. Nach einer Studie des Kultusministeriums soll sich das nun ändern: Die Landesregierung prüft ein Pilotprojekt zur Arbeitszeiterfassung.

Wird bald eine Zeiterfassung für Lehrkräfte in Sachsen eingeführt? (Symbolfoto)
Wird bald eine Zeiterfassung für Lehrkräfte in Sachsen eingeführt? (Symbolfoto)  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Nach der Studie habe ein Expertengremium Maßnahmen empfohlen, die nun geprüft würden, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte in einer Entscheidung in der Vorwoche ein strukturelles Problem bei der Erfassung der Arbeitszeit von Lehrkräften erkannt.

Einen automatischen Anspruch auf finanziellen Ausgleich bei Überschreitung der Wochenarbeitszeit hätten Lehrkräfte derzeit aber nicht, hatten die Richter betont.

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Demnach dürfe nicht eigenständig die Arbeitszeit verlängert und dafür ein Ausgleich verlangt werden. Vielmehr müsse die Überlastung durch Mehrarbeit beim Dienstherrn angezeigt und Aufgaben müssten gegebenenfalls zurückgestellt werden.

Konkret ging es um die Überstunden eines Grundschulrektors aus Hannover. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte ihm 31.435,59 Euro für geleistete Mehrarbeit zugesprochen. Das Bundesverwaltungsgericht hob das Urteil nach einer Revision des Landes Niedersachsen auf.

GEW-Landeschef Burkhard Naumann forderte klare Vorgaben zur Entlastung und eine einfache, objektive Arbeitszeiterfassung. „Es ist illusorisch, Aufgaben einfach liegenzulassen“, sagte er.

Studie: Hälfte der Lehrkräfte arbeitet acht Stunden pro Woche mehr

Unbezahlte Mehrarbeit scheint bei den Lehrern in Sachsen häufig an der Tagesordnung zu stehen. (Symbolfoto)
Unbezahlte Mehrarbeit scheint bei den Lehrern in Sachsen häufig an der Tagesordnung zu stehen. (Symbolfoto)  © Ronny Hartmann/dpa

Laut der Studie des sächsischen Kultusministeriums leistete rund die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer jedes Schuljahr unbezahlte Mehrarbeit von knapp acht Stunden pro Woche.

Dabei beeinflusst die Schulart maßgeblich Umfang und Struktur der Arbeitszeit. An berufsbildenden Schulen und Förderschulen war die Arbeitszeitbilanz ausgeglichener. Dagegen arbeiteten Lehrkräfte an Gymnasien häufig mehr als vorgesehen.

An der repräsentativen Studie hatten sich 3772 Lehrkräfte und 386 Schulleitungen beteiligt. Das entspricht einem Anteil von 14 Prozent aller Lehrkräfte und 19 Prozent aller Schulleitungen in Sachsen. Sie hatten ihre Arbeitszeit im gesamten Schuljahr 2024/25 dokumentiert.

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Die GEW sieht die Arbeitszeiterfassung als Gesundheitsschutz und schlägt ein einfaches, freiwilliges Modell vor. In mehreren Bundesländern nutzen Lehrkräfte bereits dafür eine App.

Wann das Projekt in Sachsen starten werde, sei noch unklar. Zudem müssten Vorgaben des Bundes zum Arbeitszeitgesetz abgewartet werden.

Titelfoto: Montage: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa; Ronny Hartmann/dpa

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