Als Meisterin verleiht sie Dingen den rechten Glanz: Diese Sächsin hat ein goldenes Händchen
Dresden - Es ist nicht alles Gold, was glänzt? Bei Karina Bastron (26) schon. Nicht nur privat hat es ihr das Edelmetall angetan. Auch beruflich hat sie sich dem Gold voll und ganz verschrieben. Sie ist Vergoldermeisterin - ein Handwerk, bei dem Oberflächen mit Blattgold veredelt werden und das in Sachsen nur noch wenige ausüben. Sie gehört zu den "Letzten ihrer Art".
Behutsam halbiert Karina Bastron das Blattgold mit dem Vergoldermesser, pustet es auf dem Kissen zurecht. Jetzt heißt es Luft anhalten. Mit dem Anschießer bringt sie das Blattgold auf dem Glas auf - auch Anschießen genannt. Geschafft!
"Bei diesem Beruf musst du die Ruhe selbst sein. Ein falscher Atemzug und das Gold fliegt weg. Eine falsche Bewegung und du ziehst dir Kratzer ins Gold. Da ist Perfektion gefragt. Sonst kann man schnell viel Geld verlieren", erzählt die Vergolderin.
Denn Gold ist ein teures Arbeitsmaterial. Ein Büchlein mit zwölf Heftchen Blattgold à 25 Blättchen (8 x 8 Zentimeter) koste mittlerweile um die 1000 Euro, also circa drei Euro pro Blättchen.
Damit Gold haftet, braucht es immer auch einen klebenden Untergrund. Beim beschriebenen Verfahren der Hinterglasvergoldung, bei der das Gold eine spiegelnde Optik erhält, wird das Glas mit einem Wasser-Gelatine-Gemisch bestrichen.
Die Gelatine sorgt später für den Glanz des Goldes. Soll es hingegen matt sein, wird eine Mixtion auf Ölbasis verwendet. "Mischt man beide Techniken, können tolle Effekte erzielt werden. Die Hinterglasvergoldung ist meine absolute Lieblingstechnik momentan", erklärt die Künstlerin.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Karina Bastron: "Ich möchte am liebsten alles vergolden!"
Gold auf Glas? Für Karina Bastron gibt es keinen Gegenstand, der sich nicht vergolden lässt. "Ich möchte am liebsten alles vergolden", scherzt sie.
Ob Bilderrahmen, Möbelstück, Skulptur oder antike Uhr: "Es gibt immer einen Weg! Und es macht mir Spaß, wenn Leute mit ganz ungewöhnlichen Dingen zu mir kommen und ich mir dafür eine Vergoldung austüfteln kann", schwärmt sie, warnt aber: "Von Gebrauchsgegenständen rate ich generell ab. Gold hält Wetter und alles aus, aber nicht, wenn man es ständig in der Hand hat. Dann reibt es sich schnell ab."
Das erste Mal mit Gold in Berührung kam die Dresdnerin mit 17 Jahren bei einem Praktikum. Dort sollte sie ein altes Apothekenschild vergolden. "Das hat mich so fasziniert, dass ich als Praktikantin so etwas Wertvolles machen durfte." Nicht das letzte Mal.
Auch bei ihrer Ausbildung zur Malerin und Lackiererin beim Unternehmen Fuchs+Girke Bau & Denkmalpflege durfte sie ihr goldenes Händchen anlegen. "Das Vergolden hat mir mehr Spaß gemacht, als Fassaden zu streichen", sagt sie lachend.
Fürs Gold von München zurück nach Dresden
Deshalb beschloss sie, als Quereinsteigerin die weltweit einzige Meisterschule für das Vergolderhandwerk in München zu besuchen.
"Wir waren in der Meisterschule nur fünf Vergolder", erinnert sie sich. Nach nur einem Jahr hielt sie die Meisterurkunde in den Händen und ging zurück nach Dresden, um sich selbstständig zu machen. Und ihre Referenzliste kann sich sehen lassen.
Zwar träumt sie noch vom französischen Schloss Versailles, doch mit Schloss Pillnitz, Zwinger, Residenzschloss und Hofkirche - alles im Auftrag von Fuchs+Girke Bau und Denkmalpflege - hat sie schon an einigen der bedeutendsten Bauwerke im Freistaat gearbeitet.
Künftig möchte Karina Bastron neben der Denkmalpflege und privaten Aufträgen auch Möbelstücke designen. Dafür absolvierte sie in den vergangenen drei Jahren neben ihrer Arbeit ein Werksstudium zur Gestalterin im Handwerk bei der Handwerkskammer (HWK) Chemnitz.
Bastron: "Das Gold lässt mich auch hier nicht los und wird mich nie verlassen. Gold ist meine Obsession." So entwarf sie für ihre Abschlussarbeit ein Möbelstück mit Glasplatten und Hinterglasvergoldung, das aktuell im Schloss Klaffenbach ausgestellt ist, und tüftelt derzeit an einer ersten Musterreihe von Glasplatten für Möbelstücke.
Die Königsdisziplin
Die Polimentvergoldung gilt als Königsdisziplin des Vergolder-Handwerks.
Sie wird nur im Innenbereich angewendet und verleiht den vergoldeten Flächen eine edle Optik. In der Regel beherrschen nur geübte Vergoldermeister diese Technik. Sie setzt zum einen eine aufwendige Vorbereitung des Untergrunds voraus. Zum anderen entscheidet die aufgetragene Polimentfarbe, eine Mischung aus Tonerde und Leim (meist Hasen- oder Hautleim), am Ende über den Glanz des Goldes.
Das abschließende Polieren mit einem Achatstein erfordert zudem viel Übung, um das Gold nicht zu zerkratzen.
Blattgold vs. Schlagmetall
Zugegeben: Im Vergolderhandwerk ist doch nicht alles aus Gold.
Auch andere Edelmetalle kommen zum Einsatz. Ebenso Schlagmetall, auch unechtes Blattgold genannt, eine Metall-Legierung, die meist aus Kupfer und Zink besteht. Vorteil: Schlagmetall ist weitaus günstiger als echtes Blattgold und sieht diesem zum Verwechseln ähnlich.
Nachteil: Es oxidiert und muss lackiert werden, was den Goldglanz mindert.
Geschichte des Handwerks
Die Ursprünge des traditionsreichen Handwerksberufes reichen bis ins frühe Mittelalter zurück.
Seit dem 15. Jahrhundert gab es eigene Meisterprüfungen im Vergolder- und Fassmalerhandwerk. Das steigende Repräsentationsbedürfnis der europäischen Herrscherhäuser, darunter auch Sachsens Kurfürst August der Starke, gipfelte in prunkvollen Dekorationen von barocken Kirchen und Schlössern, an denen Vergolder maßgeblich mitwirkten.
So gilt das 18. Jahrhundert als qualitativer Höhepunkt des Vergolder-Handwerks.
Titelfoto: Bildmontage: Petra Hornig

