Aufheulendes Motorrad sorgt für bizarren Polizeieinsatz in Sachsen

Borsdorf - Ein aufjaulender Motor und laute Fehlzündungen an einem Motorrad haben am Montag in Borsdorf bei Leipzig für einen skurrilen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Sogar eine auf lebensbedrohliche Einsatzlagen spezialisierte LebEL-Einheit war im Einsatz.

Zahlreiche Einsatzkräfte haben diese Zweenfurther Straße eingenommen.  © EHL Media/Björn Stach

Am Montagabend riefen Anwohner aus dem Borsdorfer Ortsteil Zweenfurth die Polizei, weil ein Motorradfahrer auf der Straße seine Rennmaschine immer wieder laut aufheulen ließ und dabei wohl auch absichtlich für Fehlzündungen sorgte.

Revierkräfte aus Leipzig fuhren los, um die Ruhestörung zu beenden. Als sie die blau-silberne Aprilia erblickten und deren Kennzeichen ins System eingaben, stellte sich heraus, dass es offenbar gefälscht war.

Der Versuch der Beamten, den Mann anzuhalten, endete an einem verschlossenen Grundstück, in das sich der polizeibekannte 40-Jährige geflüchtet hatte. Zwischenzeitlich hatten die Polizisten auch herausbekommen, dass er für die Maschine gar keine Fahrerlaubnis besitzt.

Sachsen Morgen Sonnenfinsternis gucken: So geht's am besten

"Zur Sicherstellung des Motorrads wurde, nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft, ein Durchsuchungsbeschluss für das Grundstück erlassen", berichtete Polizeisprecher Moritz Peters.

Als dem Biker dies eröffnet wurde, drehte er nun richtig auf, sprang über den Zaun und bedrohte die Beamten mit einem Messer. Die Revierpolizisten zogen sich zunächst zurück und riefen Verstärkung. Weil nun eine Waffe im Spiel war, schickte die Polizeiführung eine LebEL-Einheit, die mit Maschinenpistolen am Grundstück in Stellung ging.

Anzeige
Auch eine auf lebensbedrohliche Einsatzlagen spezialisierte LebEL-Einheit kam zum Einsatz.  © EHL Media/Björn Stach

Polizei stellt Motorrad sicher, kümmert sich aber nicht um Messer-Mann

Diese Aprilia wurde sichergestellt.  © EHL Media/Björn Stach

Und nun wurde es kurios: Der Delinquent ging ins Haus und begab sich laut Polizei dort in seine Wohnung. Ein anderer Anwohner öffnete das Hoftor und ließ die Polizei ein. Die Beamten beschlagnahmten sodann das Motorrad, das von einem ADAC-Abschlepper abtransportiert wurde.

Und anschließend? Verschwand die ganze Polizei-Armada, ohne sich um den Messer-Mann weiter zu kümmern. Keine Festnahme, kein Einzug der Stichwaffe zur Beweissicherung, kein Drogen- oder Alkoholtest!

Der Durchsuchungsbeschluss sei nur für die Sicherstellung der Maschine erlassen worden, so die merkwürdige Begründung des Polizeisprechers.

Mehr zum Thema Sachsen: