Dresden - Die CDU ist am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin erneut beim Wähler durchgefallen. In Sachsen wird erst 2029 wieder ein Landtag gewählt. Genug Zeit also, um auf die schlechten Abstimmungsergebnisse zu reagieren. Doch statt umtriebiger Geschäftigkeit macht sich eher bleierne Frustration breit. Ein Stimmungsbild.
Kein müdes Stöhnen, kein genervtes Hallo. Denis Achtner (49) ist ganz gefasst, als er den Hörer abnimmt. Achtner ist ehrenamtlicher Ortsvorsteher von Böhlitz-Ehrenberg. In dem Leipziger Stadtteil ist die Welt der CDU noch in Ordnung.
Im Ortschaftsrat sitzt je ein Vertreter der SPD und der Linken, drei der AfD und sechs CDU-Mitglieder, darunter Achtner selbst. Die Wahlergebnisse will er abends mit den Parteikollegen in der Ortsverbandssitzung diskutieren.
Eines kann er jetzt schon sagen: "Was mal langsam ankommen müsste, ist, dass die Probleme des kleinen Bürgers gelöst werden müssen", sagt Achtner. Sonst könnte es für die CDU eng werden. Noch enger.
Rund 125 Kilometer entfernt ist Johannes Schwenk (34) ähnlich ruhig. Er ist Stadtbezirksrat für die Dresdner Neustadt und sitzt für die CDU auch im Stadtrat.
Stadtbezirksrat Schwenk zweifelt an Kanzler Friedrich Merz
Die Wahlergebnisse haben ihn nicht überrascht. Er beobachte die Entwicklung schon lange, sagt er. Was müsste denn jetzt passieren? "Wir brauchen Reformen oder wir akzeptieren, dass wir insgesamt abbauen müssen."
Ist Friedrich Merz der richtige Mann dafür? "Für mich ist er es nicht. Ich finde, es ist besser, das jetzt zu hinterfragen als in drei Jahren kurz vor der Bundestagswahl", meint Schwenk ganz ohne Attitüde.
Etwas ratlos wirkt Ingo Flemming (58). Schon nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben 13 sächsische CDU-Kreisvorsitzende aus Sorge über die Situation der Partei einen Brandbrief an Merz und Generalsekretärin Franziska Hoppermann geschickt und einen Neustart gefordert, sagt der Politiker, der selbst Kreisvorsitzender der Dresdner CDU und Landtagsabgeordneter ist.
Auch er findet, dass in Berlin jetzt schnell etwas Sichtbares passieren müsse. Und in Sachsen? "Wir müssen sehen, dass wir gute Arbeit vor Ort machen. Mehr können wir nicht tun."