Von Andreas Hummel
Zwickau - Er prägte das Straßenbild im Osten, doch mit dem Untergang der DDR war auch sein Schicksal besiegelt: der Trabi. Inzwischen hat der Kleinwagen aus Duroplast Kult-Status und wird von vielen Fans nicht nur in Ostdeutschland liebevoll gepflegt. Besonders im Fokus steht das Trabi-Erbe nach wie vor in seiner einstigen Heimat in Zwickau. Dort feiert am Sonnabend das Internationale Trabant-Register (Intertrab) 30. Jubiläum.
Schon 1994 organisierten Enthusiasten das erste Zwickauer Trabi-Treffen mit mehr als 600 Fahrzeugen, wie Wolfgang Kießling erzählt. Der 71-Jährige ist zu DDR-Zeiten mit dem Trabi Rallye gefahren und seit vielen Jahren Vorsitzender von Intertrab.
Einerseits wurden nach der Wiedervereinigung Ost-Autos wie Trabant und Wartburg in großer Zahl ausrangiert und mussten westlichen Fabrikaten wie VW Golf und Opel Kadett Platz machen. Andererseits sei mit den Jahren der Wunsch gewachsen, die Geschichte und Faszination der Fahrzeuge zu bewahren und eine zentrale Anlaufstelle für Trabi-Fans zu schaffen, erklärt Kießling. Dazu wurde 1996 das Internationale Trabant-Register gegründet.
Der Verein verfügt heute nicht nur über einen großen Fundus an Werbeartikeln und Postern bis hin zu Werkzeug aus den Sachsenring Automobilwerken. Er hat auch einen eigenen Fuhrpark von mehr als 20 verschiedenen Trabant-Modellen - vom P 50 und einer Camping-Ausführung mit Dachzelt über einen armeegrünen Kübelwagen bis zum Viertakter, mit dem zum Ende der DDR versucht wurde, den technischen Rückstand aufzuholen.
Eine Rarität ist ein weiß-grüner Polizei-Trabant mit Blaulicht. Denn Trabis seien nie offiziell als Polizeiautos im Einsatz gewesen, sagt Kießling. Der wohl einzige Polizei-Trabi diente 1998 bis 2013 den Chemnitzer Ordnungshütern für Werbezwecke.
Vom Urtrabi bis zum Viertakter: Jubiläumsfest in Zwickau
Und der Verein hütet einen weiteren Schatz: Markenrechte rund um das Kult-Auto wie den typischen Trabant-Schriftzug und das geschwungene S als Logo des Herstellers Sachsenring. Wer sie für T-Shirts, Schlüsselanhänger oder Spielwaren verwenden möchte, kommt an Intertrab nicht vorbei. "Wir sind hauptsächlich im Spielesektor unterwegs und achten darauf, dass der Trabant-Schriftzug nicht verramscht wird", sagt Kießling. Was diese Markenrechte dem Verein an Geld in die Kasse spülen, will er nicht öffentlich sagen.
Diese Einnahmen fließen etwa in die Restaurierung von Fahrzeugen, erläutert Kießling. Jüngstes Beispiel ist die Wiederherstellung eines Trabant mit Wankelmotor. Sachsenring habe in den 1960er Jahren an der Entwicklung eines solchen Kreiskolbenmotors gearbeitet, erklärt der Intertrab-Chef.
Der Verein habe ein solches Versuchsfahrzeug, das später mit einem normalen Zweitakt-Motor umgebaut worden war, ausfindig machen können. Mit großem Aufwand sei der Wagen in den vergangenen Jahren nicht nur in seinem ursprünglichen Farbton lackiert, sondern auch mit einem Wankelmotor ausgerüstet worden.
Das Fahrzeug wird aktuell in einer kleinen Sonderausstellung des August Horch Museums in Zwickau gezeigt. Zahlreiche weitere Fahrzeuge werden am Samstag beim Jubiläumsfest von Intertrab gezeigt. Dazu werde eine Trabantstraße aufgebaut, die die Entwicklung des Kleinwagens vom Ur-Trabi bis zum Viertakter zeige, erklärt Kießling.