Dresden - Blut ist Leben!
Doch damit es bei einer Transfusion Leben retten kann, muss eine Vollblutspende zuerst in ihre Einzelteile förmlich zerlegt werden. Und das unter sterilen Bedingungen.
Der größte ostdeutsche Produktionsstandort für Blutkonserven und -komponenten des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost befindet sich am Institut für Transfusionsmedizin in Dresden.
Produktionsregionalleiter Dr. Matthias Johnsen (56) erklärt, wie aus einer Blutspende Blutkonserven werden und warum regelmäßiges Blutspenden so wichtig ist.
Blutspende
Am Anfang steht ein kleiner Piks. Dann fließen bei einer Vollblutspende 500 Milliliter in den Spenderbeutel. Frauen dürfen bis zu viermal im Jahr spenden, Männer bis zu sechsmal. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht (mehr).
Das abgegebene Blut wird anschließend auf Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis (B, C, A, E) und Syphilis getestet.
Anlieferung
Die Vollblutspenden kommen nicht nur aus Sachsen, sondern auch aus Berlin und Brandenburg in das Dresdner Institut. Kraftfahrer Marcel Pisko (24) und seine Kollegen holen jeden Tag zwischen 1000 und 1200 Vollblutspenden aus Spenderzentren der drei Bundesländer. Doch wer sich einen Beutel genauer ansieht, stellt fest: Es sind eigentlich vier.
Das ist für eine sterile Verarbeitung notwendig, ohne dass der Blutbeutel geöffnet werden muss. Wir enthüllen die Geheimnisse der zusätzlichen, jetzt noch leeren Beutel.
Rote Blutkörperchen
In den ersten Leerbeutel werden die Erythrozyten extrahiert - die roten Blutkörperchen, die dem Lebenssaft seine typische Farbe geben. Dafür kommt die Blutspende in eine Schleuder. Bei der Zentrifugation mit 3500 Umdrehungen je Minute werden Kräfte von 4000 G wirksam - vier Tonnen drücken auf ein Kilo.
"Das ist so, als würde sich ein Elefant auf ein Blutkörperchen stellen", erklärt Johnsen. Nach der rasanten Karussellfahrt haben sich die roten Blutkörperchen abgesetzt, werden in den ersten Leerbeutel abgelassen. Doch sie sind noch mit Leukozyten (weiße Blutkörperchen) verunreinigt, die für Patienten nicht gut verträglich sind.
Sie werden von einem integrierten Filter zurückgehalten, während sich das fertige Erythrozytenkonzentrat im zweiten Leerbeutel sammelt.
Blutplasma
In der oberen Beutelhälfte befindet sich nach dem Schleudern das zellfreie Blutplasma, erkennbar an seiner gelblichen Farbe. Es wird im dritten Leerbeutel separiert. Johnsen: "Dann kommt es in eine Art 'Rückwärtsbackofen', in dem das Plasma in einer Stunde auf minus 30 Grad schockgefroren wird." So wird es bis zu zwei Jahre lang haltbar gemacht.
Das Plasma ist vor allem für Patienten mit schweren Verletzungen, Blutgerinnungsstörungen oder einem geschwächten Immunsystem überlebenswichtig.
Blutplättchen
Die Thrombozyten (Blutplättchen) haben sich nach der Schleuderfahrt in einer dünnen Schicht in der Mitte abgesetzt. Doch dort sind sie noch mit Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Erythrozyten (rote Blutkörperchen) vermischt. Bei einer zweiten, weniger starken Zentrifugation bleiben die Blutplättchen im Überstand, werden über einen angeschweißten weiteren Filter in einen zusätzlichen Lagerbeutel überführt.
Dann heißt es: nicht rühren, aber schütteln. In einem speziellen Schüttelgerät werden sie bei Raumtemperatur in Bewegung gehalten, damit sie nicht verklumpen. Sie werden zum Beispiel für Patienten mit gestörter Blutgerinnung benötigt.
Beschriftung
Das Geheimnis der insgesamt vier Beutel ist gelöst: Die Vollblutspende vom Anfang ist jetzt steril in drei Blutbestandteile aufgeteilt worden, ohne dass der Kreislauf geöffnet werden musste. Jeder der Beutel bekommt schon vor der Spende einen eigenen Barcode. Johnsen: "Damit wird jeder Verarbeitungsschritt jedes Mitarbeiters und jedes Gerätes in unserer Software dokumentiert."
Auf dem Etikett des fertigen Beutels mit dem Erythrozytenkonzentrat sind unter anderem die Blutgruppe und der Rhesusfaktor ersichtlich. Rhesusfaktor positiv bedeutet, dass ein bestimmtes Eiweiß auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen vorhanden ist - negativ, wenn nicht.
Auslieferung
Am Ende verlassen die Beutel mit den einzelnen Blutbestandteilen das Institut, werden in die Depots des DRK-Blutspendedienstes gebracht. Von dort rufen sie rund 70 Kliniken in Sachsen und weitere 90 in Berlin und Brandenburg für die Behandlung der Patienten ab. Diese erhalten nur den Blutbestandteil, den sie tatsächlich benötigen.
Weil Blutplättchen nur vier bis fünf Tage haltbar sind, sind Kliniken ständig auf frische Blutpräparate angewiesen.
Sommer-Spendentag
"Während des Sommerwetters und in der Urlaubszeit sinkt die Spendenbereitschaft", weiß DRK-Blutspendedienst-Sprecherin Kerstin Schweiger. Deshalb lädt das Institut für Transfusionsmedizin in Dresden am kommenden Samstag (5. September) zwischen 8 und 12 Uhr zu einem Sonder-Blutspende-Termin ein.
Bonus: Alle Spender können einen kostenlosen Gesundheitscheck mit Test auf die wichtigsten Blut-Parameter erhalten. Anmeldungen über: www.blutspende-nordost.de/blutspendetermine