Johanngeorgenstadt - Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Erzgebirge zum streng geheimen Rohstofflager der Sowjetunion. Tief unter der Erde lagerte tonnenweise Uran. Der Stoff, den Moskau zum Bau seiner ersten Atombombe brauchte. Das radioaktive Schwermetall wurde im Akkord abgebaut - ohne entsprechende Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Eine ZDF-Dokumentation zeigt, wie die Sowjetunion durch das Uran im Erzgebirge zur Atommacht wurde.
Es ist der 6. August 1945: Die USA setzen erstmals im Krieg eine Atombombe ein. Die japanische Stadt Hiroshima wird in einem beispiellosen Ausmaß zerstört, Hunderttausende Menschen sterben - auch an den Langzeitfolgen der Strahlung.
In Moskau bricht Panik aus. Sowjet-Diktator Josef Stalin will so schnell wie möglich ebenfalls eine Atombombe. Problem: Es fehlt das nötige Uran.
Ausgerechnet im Erzgebirge werden die Sowjets fündig - etwa in den ehemaligen Silberschächten in Johanngeorgenstadt und Schneeberg.
Von da an geht alles Schlag auf Schlag!
1947 wird die sowjetische Aktiengesellschaft "Wismut" gegründet, sächsische Bergwerke übernommen und abgeriegelt. Zahlreiche Arbeiter kommen freiwillig oder unter Druck.
Kaum jemand ahnt, worum es Moskau wirklich geht - nämlich um den Bau der ersten sowjetischen Atombombe. Die Männer bringen den radioaktiven Stoff ans Tageslicht - ohne Schutzkleidung, teils mit bloßen Händen.
Für Moskau ist jeder Brocken wertvoll. Für die Menschen unter Tage hingegen beginnt ein gefährliches Kapitel. Sie atmen täglich radioaktiven Staub ein. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) spielt die Gefahr herunter.
Sowjetunion schockt USA: Erster Atombomben-Test 1949
Gleichzeitig lockt die "Wismut" mit hohen Löhnen und Privilegien. Immer mehr Menschen arbeiten für das Unternehmen. Während sie unter Tage das so wertvolle Uran abbauen, läuft in Moskau das Atomprogramm auf Hochtouren.
Am 29. August 1949 ist es so weit: In der kasachischen Steppe zündet die Sowjetunion ihre erste eigene Atombombe. Schock in den USA. Mit einem sowjetischen Atombombentest hatten die Amerikaner so früh nicht gerechnet.
Entscheidend dafür war der Uranabbau im Erzgebirge, den die Sowjetunion unter anderem als Wiedergutmachung für den Krieg rechtfertigte.
In den kommenden Jahren schritt der Abbau immer weiter voran - die hohen Löhne brachten Wohlstand in die Region.
Den gesundheitlichen Preis zahlten viele Arbeiter Jahre oder Jahrzehnte später.
Die ZDF-Dokumentation "Tödliches Erbe der DDR - Deutsches Uran für Moskaus Bomben: Erz um jeden Preis" zeigt die Geschichte des Uranabbaus im Erzgebirge. Die Sendung könnt Ihr Euch in der ZDF-Mediathek anschauen.