Forschungsprojekt belegt: Sachsen-Polizei hat Sexismus-Problem
Dresden - Grapschen, Glotzen, dumme Sprüche: Auch bei Sachsens Polizei ist Sexismus ein Problem. Wie groß es wirklich ist und was sich dagegen tun lässt, soll jetzt ein Forschungsprojekt des Sächsischen Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS) und der Universität Leipzig aufzeigen. Am Mittwoch wurde die erste Teilstudie vorgestellt.
Die Führung sieht Handlungsbedarf: "Es tut immer noch weh, wenn ich das höre", sagt Sachsens Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa (62) nach der Vorstellung der ersten Teilstudie.
"Aber da müssen wir jetzt ran." 2023 kam beim SIPS die Idee auf, sich mit Sexismus bei der Polizei zu beschäftigen.
"Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem", sagt SIPS-Direktor Marcel Schöne (50). Und das gebe es auch bei der Sächsischen Polizei, zumal dort der Männeranteil bei rund 70 Prozent lege.
Da das SIPS selbst zur Polizei gehört, holte man sich die Uni Leipzig ins Boot und unternahm den ersten Schritt.
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Auch Männer mussten sich dumme Sprüche anhören
"Wir haben 23 Einzelinterviews mit Polizisten und Polizistinnen geführt", so Schöne. "Die Ergebnisse haben uns veranlasst zu sagen: Wir machen weiter."
So schilderten Beamtinnen Grapsch-Attacken, Belästigungen per Nachrichten oder Pornografie im Streifenwagen. Aber auch Männer mussten sich dumme Sprüche anhören, wenn sie in Elternzeit gehen wollten.
"Schon jetzt weiß man, da kommt was raus", sagt Soziologe Thomas Schmidt-Lux (52) von der Uni Leipzig. Nach der Auswertung der Einzelinterviews haben die Forscher nun unter anderem im Intranet zur Beantwortung von Fragen aufgerufen.
Rund 3500 Beamte und damit ein Viertel der gesamten Polizei haben geantwortet. Die Forscher sind zuversichtlich, im zweiten Quartal nächsten Jahres die Ergebnisse vorstellen zu können. Im nächsten Schritt sollen daraus dann konkrete Maßnahmen folgen.
Titelfoto: picture alliance/dpa

