Für weniger mehr zahlen? Hitze-Sommer führt zu Kartoffel-Mangel
Von Andreas Hummel
Leipzig - Ob als Pommes, Salat, Kloß oder gepellt: Kartoffeln fehlen hierzulande selten auf den Tellern. Und Sachsens Bauern sorgen für Nachschub. Doch der hat unter dem Hitzesommer gelitten.
Nach der Kartoffel-Schwemme im Vorjahr fällt die Ernte 2026 in Sachsen deutlich schmaler aus. Die Hitze im Sommer habe den Pflanzen zugesetzt, sagt die Geschäftsführerin des sächsischen Kartoffelverbandes, Ariane Weiß. "Bei Temperaturen über 30 Grad wächst die Kartoffelpflanze nicht weiter." Kommen mehrere Hitzewellen zusammen, sterbe die Pflanze ab.
"Die dicken Knollen fehlen", konstatiert Weiß. Das könnte vor allem Pommes-Fabriken Probleme bereiten und Verbraucher müssten wohl demnächst mit kleineren Pommes vorliebnehmen.
Doch für in Sachsen geerntete Kartoffeln spielen die ohnehin kaum eine Rolle: Sie werden meist frisch verpackt verkauft oder zu Produkten wie Kartoffelsalat, Gratin und Klößen verarbeitet. Weiß: "Dafür liefert die diesjährige Ernte eine schöne Qualität."
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Weniger Anbau nach Kartoffel-Schwemme
Der Verband rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Hinzu kommt, dass die Anbaufläche kleiner geworden ist. Wurden in Sachsen 2025 Kartoffeln noch auf etwa 5.600 Hektar angebaut, sind es dieses Jahr laut Landesamt für Statistik nur noch 4.700 Hektar - ein Minus von mehr als 16 Prozent.
Weiß vermutet, dass vor allem kleinere Betriebe abseits des Vertragsanbaus nach dem Überangebot im Vorjahr nun weniger Kartoffeln im Frühjahr gelegt haben.
Im vergangenen Jahr war die Kartoffelernte besonders üppig ausgefallen. Mehr als 46,3 Tonnen wurden im Schnitt pro Hektar vom Feld geholt.
Wegen des Überangebots hatte mancher Agrarbetrieb Schwierigkeiten, seine Kartoffeln überhaupt loszuwerden. Ein Betrieb südlich von Leipzig etwa hatte deswegen eine größere Menge gespendet, um sie kostenlos in Berlin etwa bei der dortigen Tafel zu verteilen.
Höherer Erzeugerpreise: Werden Kunden zur Kasse gebeten?
Laut einer Übersicht des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie war der Erzeugerpreis für Kartoffeln in Sachsen zuletzt mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Ende August zahlten Handel und Verarbeiter den Bauern demnach 31,50 Euro für 100 Kilogramm.
Für gewöhnlich fallen die Preise mit dem Fortschritt der Ernte. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) konstatierte jedoch jüngst, dass die Kartoffelpreise in Deutschland kaum noch sinken. Die geringere Ernte wirke sich auf den Markt aus.
"Angesichts des extremen Ertragsgefälles von Nord nach Süd entwickelt sich ein so noch nie dagewesener Warenstrom. Womöglich hat das dazu geführt, dass der Preisrückgang nicht mehr den vorherigen Erwartungen entspricht."
Inwieweit sich das auch auf die Preise für Kunden im Supermarkt auswirke, könne sie nicht abschätzen, erklärt Ariane Weiß. Letztlich bestimme das der Handel. Denn der Preis, den Bauern für ihre Kartoffeln bekommen, macht nur einen kleineren Teil des Ladenpreises aus. Weitere Anteile entfallen auf Abpacker, Transport, den Handel selbst sowie die Mehrwertsteuer.
Aus ihrer Sicht seien die Ernteeinbußen und der Anstieg der Erzeugerpreise nicht so stark, dass sie größere Preisaufschläge im Laden rechtfertigten, sagt Weiß.
Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa, Christoph Schmidt/dpa
