Gehalts-Check für Sachsen: So viel verdient Euer Nachbar

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Sachsen - Die Menschen lügen, wenn es um ihren Lohn und den Verbrauch ihres Autos geht - sagt ein Sprichwort. Da ist etwas dran. Für Sachsens größten Gehalts-Check 2026 hat TAG24 deshalb die Arbeitsmarkt-Experten der Landesdirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit ins Boot geholt. Die in Chemnitz ansässige Behörde hat massenhaft Daten für die Löhne nach Berufen erfasst. Hier die Ergebnisse sowie Einordnungen.

ifo-Experte Prof. Dr. Joachim Ragnitz (62)
ifo-Experte Prof. Dr. Joachim Ragnitz (62)  © Thomas Türpe

Der Medianlohn-Vergleich aller Landkreise offenbart strukturelle Probleme. Gleich vier sächsische Landkreise befinden sich tief im Keller des Gehaltsvergleiches. Der Rest - bis auf Dresden und Leipzig - gruppiert sich im unteren Drittel ein. Prof. Dr. Joachim Ragnitz (62) vom ifo-Institut Niederlassung Dresden ordnet das im Interview ein.

TAG24: Überrascht Sie das Ergebnis dieses Gehaltsvergleiches?

Joachim Ragnitz: Nein. Es ist ja bekannt, dass auch die wirtschaftliche Leistungskraft der Betriebe in vielen sächsischen Landkreisen recht gering ist, und das schlägt sich in den Löhnen und Gehältern nieder. Das hat dann viel mit der dortigen Branchenstruktur zu tun, also einer Dominanz von Branchen mit niedrigem Lohnniveau, mit der Betriebsgröße und Wettbewerbssituation.

Kliniken in Sachsen wollen sich besser vernetzen
Sachsen Kliniken in Sachsen wollen sich besser vernetzen

Kleine Unternehmen zahlen gemeinhin niedrigere Löhne als Großunternehmen. Wenn die Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, zu einem gut bezahlenden Arbeitgeber in der Region oder auch im Nachbarkreis zu wechseln, zieht das das Lohnniveau auch in den übrigen Betrieben nach oben. Gerade in der Peripherie Sachsens gibt es aber diese Möglichkeiten häufig nicht.

Sachsens Stärke wird "häufig überschätzt", so Ragnitz

Laut Prof. Dr. Joachim Ragnitz (62) könnten Arbeitnehmer mit zunehmendem Arbeitskräftemangel auf steigende Löhne hoffen.
Laut Prof. Dr. Joachim Ragnitz (62) könnten Arbeitnehmer mit zunehmendem Arbeitskräftemangel auf steigende Löhne hoffen.  © DPA

TAG24: Wie erklären Sie es, dass Sachsen insgesamt so unterdurchschnittlich abschneidet?

Joachim Ragnitz: Sachsen weist zwei florierende Zentren auf, also Dresden und Leipzig. Dort sind Produktivität und Löhne auch viel höher als im Rest des Landes. Aber weite Teile des Freistaats sind halt ländlich geprägt und da gibt es häufig keine wirklich leistungsfähigen Unternehmen. Insoweit wird die Stärke Sachsens in der Öffentlichkeit häufig überschätzt. In einem Vergleich aller Bundesländer liegt der Freistaat hinsichtlich der wirtschaftlichen Leistung je Erwerbstätigen an zweitletzter Stelle und das spiegelt sich dann auch in den Löhnen wider.

TAG24: Wie groß sind die Chancen, dass sächsische Arbeitnehmer mittelfristig mehr Geld im Portemonnaie haben?

Handy-Alarm, Anzeigetafeln und Sirenen: Sechster bundesweiter Warntag im September
Sachsen Handy-Alarm, Anzeigetafeln und Sirenen: Sechster bundesweiter Warntag im September

Joachim Ragnitz: Natürlich werden die Löhne mit zunehmendem Arbeitskräftemangel auch stärker steigen. Aber dass sich an der Positionierung Sachsens und seiner Region im unteren Bereich der gesamten Lohnverteilung so schnell irgendetwas ändert, darf man nicht erwarten. Die anderen strukturschwachen Länder werden ja auch aufholen. Unabhängig davon zeigen die Löhne aber auch immer nur die halbe Wahrheit. Wichtiger sind die um Unterschiede im regionalen Preisniveau bereinigten verfügbaren Einkommen. Und da liegt Sachsen im Mittelfeld aller Bundesländer und die vier wirtschaftlich schwachen Landkreise stehen in dieser Hinsicht innerhalb des Freistaats sogar ziemlich weit oben, weil sich dort relativ billig wohnen lässt.

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Der Medianlohn ist angestiegen

Klaus-Peter Hansen (64), Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.
Klaus-Peter Hansen (64), Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.  © picture alliance/dpa

Zuerst die gute Nachricht: Der sächsische Medianlohn (das mittlere Einkommen) lag 2025 für alle sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 3588 Euro monatlich. Die rund eine Million Vollzeitbeschäftigten in Sachsen hatten damit 200 Euro mehr (plus 6 Prozent) zur Verfügung als im Jahr 2024.

Die mittleren Löhne stiegen überall im Freistaat - der positive Trend der vergangenen Jahre setzte sich damit fort. Der Anstieg des Medianlohns lässt sich auf die allgemeine Lohnentwicklung - insbesondere auf Tarif- und Entgeltsteigerungen - zurückführen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten verdient mehr als 3588 Euro.

Wermutstropfen: Bundesweit lag der Medianlohn bei 4217 Euro. Also 629 Euro höher. Ein Frustfaktor? "Die Menschen wünschen sich heute mehr als nur einen Arbeitsplatz. Sie wünschen sich eine Tätigkeit, die sie ausfüllt und ihnen gleichzeitig ein gutes Auskommen sichert", weiß Klaus-Peter Hansen (64), Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Der Stellenwert von attraktiven Arbeitsbedingungen, angemessener Bezahlung, guten Aufstiegschancen und Qualifikationsmöglichkeiten lässt sich kaum mit einem Geldwert belegen. Erfreut beobachtet Hansen, dass immer mehr Betriebe Fachkräfte wertschätzen. "Das ist und wird gerade im Kontext der demografischen Entwicklung immer wichtiger", sagt er.

Ärzte verdienen in Sachsen am meisten.
Ärzte verdienen in Sachsen am meisten.  © 123RF

Die Lohnunterschiede innerhalb Sachsens sind erheblich

Architekten gehören nicht mehr zu den Spitzenverdienern.
Architekten gehören nicht mehr zu den Spitzenverdienern.  © 123RF

Sachsen sortiert sich mit seinem Medianlohn im Ländervergleich auf dem viertletzten Platz ein.

Dazu ist anzumerken: Die Medianlöhne sind seit 2021 in Sachsen um 25,6 Prozent gestiegen, in Deutschland insgesamt nur um knapp 20 Prozent. Der aktuelle Lohnunterschied zwischen den Bundesländern beträgt fast 1300 Euro. Die höchsten Medianentgelte erzielten (immer bezogen auf Arbeitsortdaten) Beschäftigte in Hamburg (4768 Euro), Baden-Württemberg (4546 Euro) und Hessen (4530 Euro). In Mecklenburg-Vorpommern (3497 Euro), Thüringen (3508 Euro) und Sachsen-Anhalt (3563 Euro) ist der Median am geringsten.

Die Lohnunterschiede innerhalb Sachsens sind ebenfalls erheblich. Der höchste Medianlohn, der in Dresden (4182 Euro), liegt mehr als 1066 Euro über dem niedrigsten (Erzgebirgskreis: 3116 Euro). Dresden als Landeshauptstadt profitiert von der zahlreichen Beschäftigung in Verwaltungen, Hochschulen, Chipindustrie und Forschung - dort gibt es höhere Löhne.

Auch innerhalb der verschiedenen Branchen gibt es enorme Unterschiede. Dort liegt der Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen an der Spitze (5275 Euro/Monat) und das Gastgewerbe (2581 Euro) sowie die Zeitarbeit (2486 Euro) an Ende.

Die Lohnunterschiede zwischen den Berufen gehen bis zu 5000 Euro auseinander. Die höchsten Medianlöhne werden ausgewiesen für Ärzte, Steuerberater und Geschäftsführer. Die geringsten für Friseure, Bäckereiverkäuferinnen und Gastro-Servicekräfte. Bemerkenswert: Erzieher, Altenpfleger und Krankenschwestern liegen über dem sächsischen Medianlohn (3588 Euro), Klempner, Schweißer und Köche darunter. Altenpfleger verdienen heute etwas mehr als Architekten.

Die kräftigsten Lohnanstiege im Vorjahresvergleich gab es übrigens bei Altenpflegern, Busfahrern, Elektroinstallateuren und Bürokaufleuten.

In der Chipindustrie wird gut gezahlt.
In der Chipindustrie wird gut gezahlt.  © Jürgen Lösel/dpa
Die meisten Handwerksberufe sind in Sachsen längst nicht so gut bezahlt.
Die meisten Handwerksberufe sind in Sachsen längst nicht so gut bezahlt.  © IMAGO/Zoonar

Noch mehr Daten gibt's im Netz

Die statistische Grundlage für die Übersicht der Löhne nach Berufen ist der Entgeltatlas. Auf der Internetseite www.entgeltatlas.arbeitsagentur.de kann jeder für ein Bundesland oder eine größere Arbeitsmarktregion sich die Löhne nach Berufen/Tätigkeiten anzeigen lassen.

Die Angaben beziehen sich immer auf Gehälter der Vollzeitbeschäftigten - so wird Vergleichbarkeit gewährleistet.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe, dpa, picture alliance/dpa

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