Guck mal, wer da hämmert: So werden Sachsens Autobahnen gesichert
Siebenlehn - Seit dem Einsturz der Carolabrücke schauen viele Sachsen mit mulmigem Gefühl auf Beton und Stahl über ihren Köpfen und unter ihren Rädern. Auf der A4 bei Siebenlehn zeigt die Autobahn-Gesellschaft, wie sie Schäden aufspürt - und warum der gute alte Hammer das wichtigste Werkzeug bleibt.
Nein, bei der Autobahn GmbH handelt es sich nicht um den Nachfolger des "VEB Horch und Guck", wie die Stasi zu DDR-Zeiten hinter vorgehaltener Hand genannt wurde. Wer wie viele Journalisten am Dienstag aber einmal eine Brückenprüfung erleben durfte, wird zwangsläufig daran denken.
"Das Klopfen hat sich einfach bewährt", schmunzelt selbst Bauwerksmanager Thomas Wirth (49) von der Autobahn darüber.
Ein gutes halbes Dutzend Ingenieure und Techniker haben gestern die 26 Meter lange Spannbeton-Autobahnbrücke westlich von Siebenlehn auf Schäden wortwörtlich abgeklopft.
Ein 32 Tonnen schweres "Brückensichtungsgerät" brachte sie dafür in Position. "Das passiert, weil sich Hohlstellen bilden können, wenn Feuchtigkeit eindringt", so Wirth weiter.
So wird jeder Quadratmeter auf "Durchfeuchtungen" und Haarrisse untersucht.
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Autobahnbrücken werden alle drei Jahre überprüft
Rund 64.000 Fahrzeuge rollen täglich über "Bauwerk 49", darunter 13.200 Laster. Vor allem Letztere setzen Bauwerken aller Couleur zu. Die "A 4-W BW49" ist aber "erst" 30 Jahre alt und "80 bis 100 Jahre halten solche Brücken durch", so Wirth weiter.
Doch auch wenn diese für minus 15 und plus 45 Grad Außentemperatur geplant werden, entstehen vor allem durch Witterung sukzessiv kleine Schäden.
Mehr als 2700 Autobahnbrücken stehen in Sachsen. Überbau, Lager, Spann- und Stahlbeton: Jede einzelne Autobahnbrücke wird alle drei Jahre für um die 8000 Euro überprüft. Und die, bei denen der Carolabrücken-bezwingende Hennigsdorfer Spannstahl verbaut wurde, jährlich.
So etwa wurden rechtzeitig dicke Risse in einer Brücke über der A14 bei Grimma entdeckt. Sie wird zurückgebaut.
"Die Carolabrücke war schon ein Schock", sagt Brückenprüftechniker Dirk Bernhauser (33) zu TAG24. "Seitdem nehmen wir jeden Krümel auf. Ansonsten gilt aber: hämmern und horchen."
Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis

