Handy aus, Mittelalter an: Auf den Spuren der alten Sachsen-Siedler
Sachsen - Wenn die Planwagen durch die Striegistäler rollen, wird das Mittelalter in Sachsen plötzlich wieder lebendig. Für neun Tage tauschen die Teilnehmer des Historischen Besiedlungszuges Handy, Alltag und Hektik gegen Lagerfeuer, Gemeinschaft und Natur.
Seit 1994 erinnert das deutschlandweit einzigartige Spektakel an jene Siedler, die ab 1156 im Auftrag Ottos des Reichen die Wälder rodeten und die Landschaft des mittelsächsischen Gebirgsvorlands prägten.
Am vergangenen Samstag startete die Reise in Schönau bei Frohburg. Dann ging es über Kohren-Sahlis, Lunzenau und Auerswalde. Am Sonntag soll Sachsenburg als Endstation erreicht werden. Mehr als 90 Siedler und 20 Kutscher waren dabei.
Seit 20 Jahren gehört Michael Ehnert (54) zum Tross, seit zehn Jahren führt er ihn als Lokator, sozusagen als Anführer.
Für ihn ist die Reise vor allem eines: "Eine Auszeit vom Alltag. Man kann sich einfach auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren."
Besonders die Gastfreundschaft unterwegs habe ihn beeindruckt: "Wir haben uns überall sehr willkommen gefühlt."
Das eigentliche Herz des Zuges seien jedoch "die Abende und die Gemeinschaft mit den Siedlern - das ist wirklich das absolute Highlight". Auch Sophie (27) aus Freiberg kehrt immer wieder zurück.
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Sophie ist schon seit ihrer Kindheit dabei
"Als ich noch ein Kind war, haben wir den Besiedlungszug als Familienurlaub entdeckt." Heute ist sie mit ihrem eigenen Kind dabei. Für sie bedeutet die Woche vor allem: "Einfach das Handy aus und die Sorgen zu Hause lassen."
Viel Herzblut steckt auch in den historischen Wagen. "Die meisten Wagen sind von uns selbst restauriert", erzählt Vereinsvorsitzender Andreas Rausch (62), der seit 24 Jahren mitzieht.
Der Erhalt sei "ein riesiger finanzieller Aufwand", für den der Verein immer wieder auf Spenden angewiesen sei.
Und auch die Planungen für das kommende Jahr laufen bereits: Dann soll der Zug in Sachsenburg starten und über Lauenhain, Wechselburg und das Ringetal wieder zurück nach Sachsenburg führen.
Titelfoto: Uwe Meinhold

