Bernsdorf - Vor 40 Jahren war das Örtchen Bernsdorf (1990: 2400 Einwohner) im heutigen Landkreis Zwickau in der Region und darüber hinaus plötzlich in aller Munde. Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Gemeinde wurde eine ausrangierte Tupolew zur Besichtigung aufgestellt. Was ist aus dem Flugzeug geworden?
Die TU-134 sollte das Highlight der 700-Jahr-Feier von Bernsdorf im Jahr 1986 sein. Als der Plan aufkam, ein Flugzeug zum Ortsjubiläum zu holen, dachte man eher an eine kleinere Agrarmaschine. Bei der Interflug, der staatlichen Fluggesellschaft der DDR, gab es aber mehrere Flugzeuge, deren Einsatzfristen abgelaufen waren und mit denen man nicht wusste, wohin. Und so klappte es tatsächlich, die Gemeinde bekam "ihr" Flugzeug.
In der Broschüre zu der Feier wurde dazu vermerkt: "Zur Vorbereitung und Durchführung dieser Aktion 'TU-134' wurde am 5.11.1985 ein Maßnahmenplan erarbeitet, eine Arbeitsgruppe 'AG Flugzeug' ins Leben gerufen, die alle organisatorischen Probleme zu lösen hatte."
Eines der Probleme war beispielsweise der Transport des Flugzeugs. Die Maschine wurde nach Dresden-Klotzsche geflogen und von da aus über die Autobahn nach Bernsdorf gebracht.
Dazu musste die Autobahn zwischen Dresden und Hohenstein-Ernstthal zeitweise gesperrt werden. Die Transportkosten wurden teilweise aus Lottomitteln gesponsert.
Touristen aus In- und Ausland besuchten das Flugzeug
Bevor die Interflug aber nach Bernsdorf kam, wurde am 1. April 1986 der Vertrag zwischen dem Unternehmen und der Gemeinde abgeschlossen. Auf der Internetseite Interflug.biz kann man Auszüge aus dem Vertrag lesen. So ist dort beispielsweise vermerkt, dass "der Preis der Flugzeugzelle 700 Mark" betrug.
Anfang September 1986 wurden die Schlüssel für das Flugzeug an Bernsdorfs Bürgermeister Lothar Löffler übergeben. Innerhalb von zwei Jahren besichtigten mehr als 80.000 Besucher die TU-134, darunter auch Touristen aus der ehemaligen Sowjetunion, Ungarn, Polen, dem heutigen Tschechien, aber auch aus westlichen Ländern wie Österreich, der Schweiz und Belgien. Bis 1995 waren es schon mehr als 200.000 Besucher.
Doch von da an nahmen die Gästezahlen stetig ab, bis 1999 Schluss mit den Besichtigungen war. Der damalige Bürgermeister von Bernsdorf erklärte im Januar 2000 dazu in der Chemnitzer Morgenpost: "Wegen Schäden am Fahrwerk konnte das Flugzeug im letzten Jahr gar nicht mehr zur Besichtigung freigegeben werden. Für eine aufwendige Reparatur fehlt in der Gemeindekasse das Geld."
Das Flugzeug wurde verkauft und trat schließlich im Mai 2001 seine letzte Reise in den Luftfahrt- und Technik-Museumspark Merseburg an. Dort konnte die Maschine bis zur Schließung des Museums 2020 besichtigt werden.