Kein Schnee, zu wenig Regen ... Sachsen hat mit sinkendem Grundwasser zu kämpfen

Dresden - Das Problem ist auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber Experten schlagen Alarm: Immer mehr Messstellen für Grundwasser in Sachsen zeigen zu niedrige Werte an. Mit Folgen für Bäume und das Trinkwasser.

Trockenheit und ihre Folgen: Die historische Zinnbrücke in der Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge ist durch das Niedrigwasser wiederzusehen.  © DPA

Die Lage habe sich in diesem Jahr weiter verschärft, sagt Andy Philipp, vom Landesamt für Umwelt. "Aktuell werden an etwa 88 Prozent unserer rund 550 Messstellen die sonst üblichen Grundwasserstände im Schnitt um gut einen halben Meter unterschritten." Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es an 81 Prozent der Messstellen 37 Zentimeter Unterschreitung.

"Die Grundwasserstände sinken bereits seit 2013. Es hat bisher keine längere Erholung stattgefunden, erst recht keine nachhaltige Erholung", erklärt der Wasserexperte. Zudem gebe es eine Verschiebung in der Dynamik. Früher sei gerade im Bergland ein erheblicher Teil des Niederschlags als Schnee gefallen. Bei der Schneeschmelze habe sich das Grundwasserreservoir aufgefüllt. In den vergangenen Jahren habe es diesen Effekt aber immer weniger gegeben.

Für Daten zum Wasserkreislauf unterhält das Landesamt in Brandis bei Leipzig eine Lysimeterstation. Sie besteht aus 28 etwa drei Meter hohen, nach oben offenen und unten geschlossenen Zylindern - den Lysimetern. Gemessen wird, wie Niederschläge durch verschiedene Erdböden versickern.

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"Es hat sich jetzt etwas gezeigt, was es bis dato noch niemals gab. Selbst eine Vielzahl schwerer Böden, die sonst ein großes Speichervermögen besitzen, sind ohne Sickerwasser geblieben. Mit anderen Worten: Obwohl es oben regnete, kam das ganze Jahr über unten nichts mehr an", so Philipp.

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Wasserexperte Andy Philipp sorgt sich um Sachsens Grundwasser.  © Thomas Türpe

60 Prozent des Trinkwassers stammt aus Grund- oder Quellwasser

Ein Mitarbeiter des Landesamtes entnimmt an einer Grundwassermessstelle eine Wasserprobe.  © DPA

Die Folgen: Sichtbar wird der Grundwassermangel etwa beim Befall der Bäume durch Borkenkäfer. Philipp: "Fichten können bei Wassermangel kein Harz mehr bilden. Das aber wird gebraucht, um die Bohrstellen der Borkenkäfer zu verschließen."

Sinkende Grundwasserstände verschlechtern zudem die Wasserverfügbarkeit im Boden über dem Grundwasser. Selbst tief wurzelnde Laubbäume würden zum Teil nicht mehr genügend Wasser ziehen können, beschreibt es der Fachmann.

Grundwasser ist aber auch für die Trinkwasserversorgung entscheidend. Etwa 60 Prozent des Trinkwassers in Sachsen stammt aus Grund- oder Quellwasser und Uferfiltraten. Mit sinkendem Grundwasser nehme der technische und finanzielle Aufwand zur Reinigung des Wassers zu, so Phillips.

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