Coswig - Noch im März kämpften die Angestellten um ihre Jobs, doch mittlerweile steht fest: Der Traditionsstandort von Automobilzulieferer "TMD Friction" im sächsischen Coswig hat keine Zukunft. Ein Großteil der Belegschaft ist bereits entlassen worden, wie TAG24 erfahren hat.
Dies bestätigt die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) auf Anfrage: "Leider konnten wir im Zuge der Verhandlungen die Arbeitgeberseite nicht von der Standortschließung abbringen. Der Gesellschafter in München, der Investor Aequita, hat profitgetrieben seinen Geschäftsplan umgesetzt."
Er wolle die vor Ort produzierten Bremsbeläge lieber aus China importieren sowie teilweise in Rumänien fertigen lassen, obwohl der ostdeutsche Standort mit 7 Prozent Ebit (operativer Gewinn) deutlich rentabel gewesen sei. "Doch der Münchner Investor möchte 13 Prozent", so IGBCE.
Auf Anfrage begründet TMD Friction die Entscheidung mit "wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen". Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowie der Effizienz des Unternehmens hätte die Produktion in Coswig eingestellt werden müssen.
Zum 31. Juli seien die Arbeitsverhältnisse von 80 Mitarbeitern beendet worden.
Gewerkschaft beklagt fehlende politische Unterstützung - Coswigs OB widerspricht deutlich
Die Gewerkschaft zeigt sich gegenüber TAG24 enttäuscht von der Stadt Coswig. So hätten die politischen Verantwortlichen "gar keine Unterstützung" geleistet, obwohl es sich um einen Traditionsbetrieb mit über 100-jähriger Geschichte handele.
Diesem Vorwurf widerspricht Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert (53, parteilos) auf Anfrage deutlich: "Wir waren in einem persönlichen Gespräch vor Ort und haben uns von der Werksleitung und Geschäftsführung die Situation erläutern lassen und Möglichkeiten der Fortführung ausgelotet." Jedoch habe vonseiten des Eigentümers kein Interesse daran bestanden.
Das Stadtoberhaupt lässt zudem wissen, dass man Hilfe bei der Vermittlung in neue Arbeit für die freigesetzten Beschäftigten angeboten habe.
Schubert betont: "Natürlich besteht bei der Stadt Coswig ein großes Interesse, gewerbliche Produktion, also örtliche Wertschöpfung vor Ort mit Arbeitsplätzen zu haben und Traditionsbetriebe zu erhalten. Ich kann jedoch als Oberbürgermeister nicht beeinflussen oder gar anweisen, dass diese unternehmerische Entscheidung rückgängig gemacht wird."
Zurzeit sind noch etwa 23 Mitarbeiter im Werk beschäftigt, um eine Mischanlage für die Versorgung anderer Standorte mit Reibungsmaterial zu betreiben. Wie lange dies noch so bleibt, ist laut Gewerkschaft im Moment "nicht vorhersehbar".