Nest von Storch Gustav zwangsgeräumt: Anwohner in sächsischem Dörfchen protestieren
Bautzen - Eine Zwangsräumung unter Protest: Direkt an der zentralen Kreuzung im 188-Einwohner-Dörfchen Döbra (bei Bautzen) baute bis Gründonnerstag Storch Gustav an seinem Horst. Trotz einer Sperre, die SachsenEnergie auf dem Mast angebracht hatte, um genau das zu verhindern. Und so kam schließlich der Stromkonzern mit dem Hubsteiger und brachte das Nest an einen anderen Ort. Nicht ohne Widerstand der Anwohner.
Storch Gustav ist den Döbraern ans Herz gewachsen: "2024 hat er im Unterdorf genistet", erklärt Anwohnerin Doreen Peter (53). "Da hat aber der Raubvogel die Jungen geholt." Für Gustav wohl dramatisch, sodass er sein Nest an anderer Stelle, eben direkt an der Kreuzung, neu baute.
Im Folgejahr kam er zurück, die Freude im Dorf war groß. "Viele haben hier Stöcke für ihn hingelegt, die er dann gesammelt und für das Nest verwendet hat", sagt Peters Tochter Celine Möbius (26). Tatsächlich schlüpften dort dann Junge.
Doch kaum war das Nest leer, entfernte SachsenEnergie den Bau, setzte eine Art Metallkrone auf die Spitze, die Gustav daran hindern sollte, den Mast erneut zu besetzen.
Doch der Vogel hat seinen eigenen Kopf und baute einfach um den sogenannten Abweiser herum. Ziemlich instabil, sodass sich die Anwohner Sorgen machten und sich an Stromversorger und Behörden wandten. "Eine Masterhöhung wünschen wir uns", sagt Doreen Peter.
Doch SachsenEnergie hatte bereits auf einer Wiese extra für den Storch einen neuen Mast mit Korb aufgestellt, dort sollte er nun hin.
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SachsenEnergie erklärt Nest-Räumung: "Kot frisst sich durch Isolierung"
"Der Kot frisst sich durch die Isolierung der Leitung", erklärte Konzern-Sprecherin Nora Weinhold (42) vor Ort. "Da besteht die Gefahr eines Kurzschlusses. Das muss nicht passieren, aber es kann. Würden wir höher bauen, kämen wir im Notfall nicht mehr an den Mast."
In diesem Facebook-Video findet ihr eine ausführliche Erklärung, warum der Storch weichen musste.
Da der Storch geschützt ist, könnten also bei Eiern oder Jungtieren im Nest, keine Reparaturen mehr am Mast durchgeführt werden. Und so rückten Arbeiter an. Storch Gustav klapperte nochmal und suchte das Weite. Dann wurde das Nest unter Protest der Anwohner heruntergerissen.
Aus den Resten wurde es ein paar Meter weiter wieder aufgebaut, mit Streichkalk verdichtet. Auf den alten Mast kam jetzt ein noch größerer Abweiser.
"Das ist nicht das, was wir uns gewünscht haben", sagt Doreen Peter.
Storch Gustav schon am Abend wieder auf verbotenem Mast
"Es muss sich zeigen, ob der Storch jetzt die Nisthilfe annimmt", sagt Nora Weinhold.
"Ansonsten müssen wir mit Gemeinde und Anwohnern einen neuen Ort finden."
Doreen Peter hatte bereits signalisiert, sich den Mast auch auf ihrem Grundstück vorstellen zu können, aber schon am Abend thronte Gustav wieder auf dem verbotenen Mast.
Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis

