Neue Studie zeigt: Sachsens Kitas bilden Schlusslichter bei Personalausstattung

Von Jennifer Brückner

Leipzig - Sachsens Kitas gehören zu den Schlusslichtern im bundesweiten Vergleich: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung gab es 2024 für eine optimale Betreuung zu wenig Erzieherinnen und Erzieher in den Betreuungseinrichtungen im Freistaat.

84 Prozent der Einrichtungen haben weniger als 60 Prozent des empfohlenen Personals. (Symbolfoto)  © Marijan Murat/dpa

Sachsen liegt damit bei der Personalausstattungsquote im Bundesvergleich auf dem vorletzten Platz, nur Mecklenburg‑Vorpommern steht noch schlechter da.

Lediglich 1 Prozent der Kindertagesstätten erreicht laut Studie demnach das von Experten aus der Wissenschaft empfohlene Niveau. Im Mittel stünden sächsischen Kindertagesstätten 51 Prozent der Personalressourcen zur Verfügung, die für eine kindgerechte Bildung und Betreuung notwendig wären.

Nach Ansicht von Susanna Karawanskij (45), Präsidentin des Volkssolidarität-Bundesverbands, ist die Situation ostdeutscher Kitas ambivalent: "Eine schlechte Fachkraft-Kind-Relation bei gleichzeitig hoher fachlicher Qualität des Personals", heißt es in einer Mitteilung des Trägers, der nach eigenen Angaben 390 Einrichtungen im Osten betreibt.

Sachsen Jüdisches Leben in Sachsen soll gestärkt werden: Schulung gegen Antisemitismus für Polizei

Das Personal leiste "gute pädagogische Arbeit", allerdings unter Bedingungen, "die ihr systematisch entgegenstehen".

Anzeige
Die Landesregierung hatte auf die sinkenden Kinderzahlen reagiert und zur Sicherung des Kita-Personals eine Erhöhung des Landeszuschusses im aktuellen Doppelhaushalt 2025/26 beschlossen. (Symbolfoto)  © Maximilian von Klenze/dpa

Anhand der Studie sollen nun Bund und Länder reagieren

Conrad Clemens (43, CDU) sieht nicht nur die negativen Aspekte und verweist auf die bisher erreichten Erfolge. (Archivfoto)  © Jan Woitas/dpa

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (43) verweist auf die bisherige Entwicklung: "Bei der personellen Ausstattung haben wir in den letzten Jahren viele Verbesserungen erreicht", so der CDU-Politiker. Nach Ministeriumsangaben sind in den vergangenen zehn Jahren 10.000 Beschäftigte in den Einrichtungen hinzugekommen.

"Aber klar ist auch: Die Ausgangslage in Ostdeutschland ist eine andere als in westdeutschen Bundesländern. Das zeigt sich auch in den Studienergebnissen der Bertelsmann-Stiftung", so Clemens.

Eine frühere Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2024 hatte Kitas in Sachsen und Thüringen den bundesweit höchsten Anteil an Fachkräften beim Personal attestiert. In Sachsen lag der Anteil demnach mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Sachsen Kommentar zu Abgeordneten-Diäten: Es geht ums Geld

Der Bundesverband der Volkssolidarität sieht die Chance für Ostdeutschland, Vorreiter zu werden. Frei werdende Fachkräfte müssten trotz sinkender Kinderzahlen in den Kitas gehalten werden.

Der Verband sieht daher Bund und Länder gefordert, "die Ergebnisse der Studie konsequent in eine bedarfsorientierte Steuerung von Personalressourcen zu übersetzen".

Mehr zum Thema Sachsen: