Nur 54 Bürger gaben anderen ihre Stimme: Bürgermeister in Sachsen mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt

Coswig - In Coswig bei Dresden wurde vor einer Woche ein neuer (alter) Bürgermeister gewählt - mit einem Ergebnis, das deutlicher kaum sein könnte: Amtsinhaber Thomas Schubert (54) bekam 99 Prozent aller Stimmen! Gegen den parteilosen Politiker hatte sich kein anderer Kandidat aufstellen lassen. TAG24 hat sich bei den Bürgern Coswigs und im Rathaus umgehört, warum Schubert die einzige Wahl für das Städtchen zu sein scheint.

Thomas Schubert (54, parteilos) bleibt für mindestens sieben weitere Jahre OB in Coswig.  © Stadt Coswig

"Für mich ist es eine große Ehre, dass keine der anderen Parteien und Wählervereinigungen einen eigenen Kandidaten nominiert hat. Ich werte dies als Ausdruck der Zufriedenheit der im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählervereinigungen mit der politischen Führung der Stadt Coswig", sagt der 54-Jährige zu TAG24.

Dass Schubert Oberbürgermeister (OB) in der Großen Kreisstadt im Landkreis Meißen bleiben würde, stand also quasi schon vor der Wahl am ersten Oktober-Sonntag fest. Womöglich auch ein Grund dafür, dass die Wahlbeteiligung laut Rathaus-Angaben bei lediglich 32 Prozent lag.

Von 16.670 wahlberechtigten Bürgern gingen 5333 wählen - von denen setzten wiederum 5127 ihr Kreuz bei dem bisherigen Amtsinhaber. Die Coswiger hatten allerdings nicht gezwungenermaßen nur Schubert zur Auswahl, konnten selbst einen anderen wählbaren Namen eintragen. Das taten jedoch nur 54 Wähler. Die übrigen Stimmen waren ungültig.

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"Die hohe Zustimmung zeigt, dass auch in der Bevölkerung eine breite Zufriedenheit mit der Entwicklung unserer Stadt, der Stadtpolitik und meiner Arbeit als Oberbürgermeister besteht", freut sich der OB einige Tage nach seinem Wahlsieg.

Nach jahrelanger Tätigkeit für die Stadt hatte der heute 54-Jährige am 1. Januar 2020 den höchsten Posten im Rathaus übernommen. Exakt sieben Jahre später startet er Neujahr 2027 seine zweite Amtszeit - und das mit klaren Zielen.

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Coswigs OB Thomas Schubert setzt auf Schuldenfreiheit

Das Rathaus in Coswig bleibt in den Händen des bisherigen OB.  © Daniel Förster

"Unterschiedliche Meinungen und ein konstruktiver Austausch gehören für mich zu einer lebendigen Stadtgesellschaft", erklärt der parteilose Politiker.

Coswig soll in Schuberts nächster Amtszeit schuldenfrei bleiben, das Nebenstraßennetz weiter saniert und die Kita- und Schullandschaft erhalten werden. Die Innenstadt könnte durch den geplanten Bau der S84 deutliche Entlastung vom Durchgangsverkehr erfahren.

"Coswig hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt", schwärmt der Rathaus-Chef. "Diese positive Entwicklung ist das Ergebnis des gemeinsamen und zielorientierten Handelns des Stadtrates, der Stadtverwaltung und der städtischen Gesellschaften."

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So hat beispielsweise die CDU Schubert unterstützt, "genauso wie die anderen Parteien auch", erklärt Stadträtin Sandy Prüger (46, CDU). Stadtrat und Stadtverwaltung würden harmonisch zusammenarbeiten. Es laufe in Coswig alles so gut, dass es weder von den Bürgern noch im Rathaus großes Aufbäumen gegen den Bürgermeister geben würde. "Es ist in den letzten Jahren viel passiert. Wir haben eine Adventure-Golfanlage gekriegt, wir haben den Bike-Park gekriegt und den Motorikpark. Für Jung und Alt wird in Coswig viel geboten."

Warum der OB bei den Wählern aus Sicht der Stadtverwaltung Coswig so beliebt ist, dazu wollte man keine Antworten geben. Das könnten letztlich nur "die Bürgerinnen und Bürgern selbst" - also hat TAG24 nachgefragt.

Sandy Prüger (46, CDU) ist Stadträtin in Coswig, setzte ihr Kreuz bei Schubert.  © TAG24/Niklas Perband

Darum ist Schubert in Coswig so beliebt: TAG24 trifft aber auch eine der nur 54 Gegenstimmen

Tom Bernhard (26, l.) ist eine der ganz wenigen Gegenstimmen von Schubert. Yvette Jäger (53) hat die Wahl zwar verpasst, ist von Schuberts Arbeit aber überzeugt.  © Montage: TAG24

"Er hat sich nicht unbeliebt gemacht. Für Familien wurden Parks gebaut", beschreibt eine junge Mutter die Stimmung im Ort. Vor allem der Motorikpark, der erst Ende September eröffnet wurde, wird immer wieder gelobt.

Eine 83-Jährige berichtet hingegen, sie sei immer wählen gegangen, aber da es nur einen Kandidaten gab, habe sie in diesem Jahr drauf verzichtet. "Wir haben hier nichts zu meckern. Es ist alles okay." Eine Meinung, die TAG24 im Stadtzentrum oft zu hören bekommt. Stadträtin Prüger bestätigt: "Wir haben an unseren Infoständen auch mitgekriegt, dass viele Leute sagen: 'Warum muss ich wählen gehen, wenn wir nur einen Kandidaten haben?'"

Einen möglichen anderen Grund für die niedrige Wahlbeteiligung nennt Senior Peter Putrake (86): "Das Wetter war schön und dann haben sich die meisten gedacht: 'Ich beeinflusse das ohnehin nicht.'" Der 86-Jährige lobt, dass es mehrmals im Jahr die Möglichkeit gebe, mit dem OB ins Gespräch zu kommen. Sein Fazit: "Herr Schubert ist für die Stadt geeignet."

Yvette Jäger (53) hat die Wahl zwar verpasst, hätte sonst aber "auf alle Fälle" ihr Kreuz für Schubert gesetzt. "Die Bevölkerung hier hat mitbekommen, dass auch in Coswig sehr viel schön gemacht wurde. Es wird sich sehr viel Mühe gemacht, auch wenn man nicht alles machen kann. Coswig bleibt nicht stehen, Coswig wächst immer weiter."

Doch es gibt ein paar Nadeln im Heuhaufen der Schubert-Wähler: So auch Tom Bernhard (26), der zu den 54 Coswigern gehört, die für einen selbst eingetragenen Namen gestimmt haben. "Ich habe eine Person meines Vertrauens gewählt. Ich bin der Meinung, dass es Veränderung braucht." Der Hauptkritikpunkt des 26-Jährigen: "die steigenden Preise". Es sollte mehr gegengesteuert werden, findet Bernhard. Das seine Stimme das Ergebnis nicht verhindern wird, sei ihm jedoch von Anfang an klar gewesen.

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Im Coswiger Rathaus herrscht Einigkeit. Schubert kann sich über breite Unterstützung freuen.  © TAG24/Niklas Perband

Doch insgesamt herrscht vor Ort in Dutzenden Gesprächen das, was das Wahlergebnis vermuten lässt: Einigkeit und Zufriedenheit. "Viele finden ihn in Ordnung, aber eh war ja quasi eh schon gewählt", fasst es eine Wahlhelferin zusammen (65). "Der macht das alles wunderbar. Coswig ist schön, Herr Schubert sympathisch." Wie überraschend viele andere ist auch die 65-Jährige verständnisvoll: "Er kann nur etwas mit dem Geld machen, was ihm zur Verfügung steht."

Und damit scheint man in Coswig sehr gut leben zu können.

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