Rathaus-Skandal in Ostsachsen: Über zehn Jahre! Finanzchefin beklaute eigene Gemeinde

❤️️
😂️
😱️
🔥️
😥️
👏️

Weißwasser - In der Gemeinde Rietschen (Landkreis Görlitz) hat sich eine Mitarbeiterin der Rathaus-Kämmerei offenbar über Jahre ein zweites Gehalt ausgezahlt und so Hunderttausende Euro zusammengerafft. Erst nach ihrer Pensionierung fiel der illegale Geldabfluss auf. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Das Rathaus von Rietschen erlebt gerade turbulente Zeiten. Eine Finanzprüfung hat einen Riesenbetrug mit Gemeindegeldern zutage gefördert.
Das Rathaus von Rietschen erlebt gerade turbulente Zeiten. Eine Finanzprüfung hat einen Riesenbetrug mit Gemeindegeldern zutage gefördert.  © Thomas Schulz

Annette M. (65) war in der Rietschener Gemeindeverwaltung eine angesehene Mitarbeiterin. Bis zu ihrem Altersruhestand Mitte letzten Jahres war sie in der Kämmerei als Leiterin der Finanzbuchhaltung tätig und damit auch für die Gehaltszahlungen aller Verwaltungsangestellten bis hin zum Kita-Personal zuständig.

Monate nach ihrer Pensionierung fiel dem Hauptamt der Gemeinde bei einer Prüfung der Personalkosten im März dieses Jahres ein Betrag von 2000 Euro ins Auge, der zu keinem Anstellungsverhältnis passte und offenbar unberechtigt vom Konto abgeflossen war.

Bürgermeister Ralf Brehmer (59, SPD) veranlasste daraufhin eine Tiefenprüfung. Mit schockierendem Ergebnis, über das er die knapp 2400 Einwohner jetzt auch im Gemeindeblatt informierte: "Im Ergebnis der Prüfung wurde der Verdacht der Untreue und des Betruges gegen eine ehemalige Mitarbeiterin der Gemeindekasse ermittelt."

Sperrung nach Kreuzungscrash in Sachsen
Sachsen Unfall Sperrung nach Kreuzungscrash in Sachsen

"Es wurde festgestellt, dass über einen längeren Zeitraum wiederholt Überweisungen auf das gemeinschaftliche Privatkonto der ehemaligen Mitarbeiterin getätigt wurden, ohne dass diesen ein realer Geschäftsvorgang zugrunde lag."

Rietschen liegt im sorbischen Osten des Freistaats und hat aktuell knapp 2400 Einwohner.
Rietschen liegt im sorbischen Osten des Freistaats und hat aktuell knapp 2400 Einwohner.  © Thomas Schulz
Bürgermeister Ralf Brehmer (59, SPD, r.) machte den Skandal im Gemeindeblatt öffentlich.
Bürgermeister Ralf Brehmer (59, SPD, r.) machte den Skandal im Gemeindeblatt öffentlich.  © Imago

Annette M. soll den Gehaltsbetrug über zehn Jahre aufrecht erhalten haben

Über zehn Jahre lang soll die Ex-Finanzchefin der Gemeinde einen sechsstelligen Betrag zusammengerafft haben. (Symbolfoto)
Über zehn Jahre lang soll die Ex-Finanzchefin der Gemeinde einen sechsstelligen Betrag zusammengerafft haben. (Symbolfoto)  © Imago

Die Geldabflüsse sollen sich laut Finanzprüfung mindestens über einen zehnjährigen Zeitraum gezogen und eine atemberaubende Höhe erreicht haben. "Auf einen sechsstelligen Geldbetrag", so Brehmer.

Die Gemeinde Rietschen erstattete Strafanzeige gegen ihre Ex-Mitarbeiterin und informierte die Kommunalaufsicht. Die Staatsanwaltschaft Görlitz bestätigte der TAG24-Redaktion auf Anfrage die Ermittlungen wegen Untreue und Betruges, die laut Behördensprecherin Aileen Reimann aktuell noch laufen.

Im Amtsblatt informierte der Bürgermeister derweil, dass seine Ex-Mitarbeiterin den Betrug gegenüber der Gemeinde eingeräumt habe. "Ein Teilbetrag wurde bereits an die Gemeinde zurückgezahlt, die Restschuld wurde anerkannt und die Rückzahlung vereinbart", erklärte Brehmer.

Audi kracht im Erzgebirge in Gegenverkehr: Zwei Verletzte, 50.000 Euro Schaden
Sachsen Unfall Audi kracht im Erzgebirge in Gegenverkehr: Zwei Verletzte, 50.000 Euro Schaden

Warum der dreiste Gehaltsbetrug im Rathaus über Jahre niemandem auffiel, ist unklar. Bürgermeister Brehmer hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.

Eigentlich schreibt die Sächsische Kommunale Kassen- und Buchführungsverordnung neben engmaschigen Kontrollen auch das Zwei-Personen-Prinzip vor, das ausschließen soll, dass ein Mitarbeiter allein sämtliche Zahlungsströme steuert.

Titelfoto: Fotomontage/Thomas Schulz/imago

Mehr zum Thema Oberlausitz: