Leipzig - Wie Rettungswagen, OP und Patientenzimmer der Zukunft aussehen, kann man am ICCAS, dem Zentrum für computergestützte Chirurgie an der Universität Leipzig, schon heute erleben.
Im Sanka ist es eng. Tobias Papst (32) erklärt: "Alle Geräte an Bord sind vernetzt, egal welche Firma sie hergestellt hat", sagt der Teamleiter Connected Health am ICCAS, gleich neben der russischen Kirche.
Das funktioniert nur wegen eines Industriestandards, den das ICCAS mitentwickelt hat und den Staaten wie die USA oder Japan inzwischen übernommen haben. "Und die Patientendaten werden automatisch an die Notaufnahme geschickt."
Auch im OP werden alle Daten per Knopfdruck auf alle Geräte übertragen, die sich dann individuell und automatisch auf den Patienten einstellen:
Alter, Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten ... "Das muss bisher alles von Hand gemacht werden", sagt Teamleiter Stefan Franke (41).
Das KI-gestützte System nutzt Augmented Reality und erkennt sogar, ob bereits desinfiziert wurde oder nicht. "Der nächste Schritt wird sein, dass der Computer bestimmte Operationsschritte selbstständig ausführt", sagt ICCAS-Leiter Thomas Neumuth (51).
Medizintechnik ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Sachsen
Auch das Krankenbett im Patientenzimmer ist voll durchdigitalisiert und kann alle Vitaldaten des Patienten direkt auf ein Tablet oder eine VR-Brille übertragen.
Die Patientenakte aus Papier ist überflüssig. "Das ist ein reiner Prototyp", sagt ICCAS-Mitarbeiter Clemens Möllenhoff (28). Bis zur Marktreife dauert es mindestens fünf bis acht Jahre.
Die Medizintechnik beschäftigt in Sachsen rund 7500 Menschen und erzielt eine Bruttowertschöpfung von circa 500 Millionen Euro.
Die Gesundheitswirtschaft - dazu zählen auch Praxen oder die Pflege - kommt im Freistaat nach Ministeriumsangaben auf eine Bruttowertschöpfung von 17,4 Milliarden Euro pro Jahr oder 12,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.
Nach Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft von 2023 steht Sachsen damit bundesweit auf Platz acht. Spitzenreiter ist mit 84,8 Milliarden Euro Nordrhein-Westfalen.