Sachsen-Monitor 2026: So ist die Stimmung im Freistaat
Dresden - Alle zwei Jahre fühlt Sachsens Regierung den "Puls" der Bewohner des Freistaats.
Sie will es dann ganz genau wissen und schickt Umfrageteams durchs ganze Land für eine repräsentative Umfrage.
Was glaubt, denkt, verachtet, besorgt und wertschätzt die Bevölkerung in Stadt und Land?
Der Sachsen-Monitor 2026 gibt darauf Antworten und dokumentiert Trends.
Am vergangenen Dienstag wurde das 76 Seiten zählende Dokument präsentiert. Hier Ergebnisse für fünf ausgewählte Themenkomplexe.
Politische Mitsprache wird wichtiger
Mitmachen, mitmischen, mitbestimmen: Das ist den Sachsen politisch wichtig. In den vergangenen zwei Jahren stieg in der Bevölkerung die Bereitschaft, an einer Wahl zu einem Parlament teilzunehmen, um drei Prozent.
Immerhin noch 28 Prozent der Befragten würden es nicht tun. Mehr als die Hälfte der Menschen gab an, aktiv oder auf dem "Weg" in eine Bürgerinitiative, einem politischen Verband oder Verein (+6 %) zu sein. Die Bereitschaft, an Demonstrationen teilzunehmen, sank dagegen (-4 %).
Die Akzeptanz von Volks- und Bürgerentscheiden wächst weiter. 23 Prozent der Befragten haben sich an so einem Entscheid schon einmal beteiligt. 63 Prozent sind bereit, es zu tun.
Politische Meinungsäußerungen im Internet haben Konjunktur. 17 Prozent meldeten sich schon online zu Wort. 18 Prozent sind bereit dazu.
Die Zufriedenheit kehrt zurück
Die Sachsen sind wieder so zufrieden wie vor der Pandemie. 89 Prozent der Befragten bewerten ihre Wohnsituation positiv. 78 Prozent sind zufrieden mit dem Ausmaß an Freizeit, das sie haben.
An der Sicherheit auf Plätzen und Straßen (73 %) sowie der gesundheitlichen Lage (73 %) hat das Gros der Menschen nix zu meckern. Auch in puncto Beschäftigungssituation (65 %) und der haus- und fachärztlichen Versorgung (62 %) herrscht unter den Sachsen hohe Zufriedenheit.
Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Deutlich schlechter als 2023 wird die soziale Absicherung (57 %, -11) und die haus- und fachärztliche Versorgung (-7) bewertet.
Die Zufriedenheit mit den Lebenshaltungskosten (25 %) bewegt sich auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie bei der vorigen Befragung.
Einstellungen nahezu unverändert
Der Sachsen-Monitor fragt an vielen Stellen Einstellungen ab. Die aktuelle Umfrage zeigt da teils deutliche Verschiebungen. Eine allgemeine Zu- und Abnahme von Ressentiments gegenüber 2023 gibt es aber nicht.
Antisemitische Aussagen werden mehrheitlich zurückgewiesen. Ein Zuwanderungsverbot für Muslime befürworten 34 Prozent (-4). 62 Prozent (+5) lehnen es ab.
Dem Satz "Meine persönliche Wohnumgebung ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" stimmen 24 Prozent zu (-5). Ablehnend antworten 74 Prozent (+4).
Veränderungen gab es auch bei der Wahrnehmung der Gleichstellung von Mann und Frau. Der Aussage, "Diskriminierung von Frauen ist heute kein Problem mehr in Deutschland", stimmen 41 (+6) Prozent voll oder eher zu. 57 Prozent (-8) widersprechen.
Das Vertrauen steigt
Vertrauen ist eine Währung in der Politik. Insofern sind das gute Nachrichten für CDU, SPD & Co.: Das Vertrauen der Sachsen in die demokratischen Institutionen nahm gegenüber 2023 wieder etwas zu.
Der sächsischen Landesregierung vertrauen weiterhin 44 Prozent der Bürger. Dem Sächsischen Landtag vertrauen 43 Prozent, dem Bundestag 28 Prozent (+4) und der Bundesregierung 19 Prozent (+2).
Die größten Vertrauenszuwächse haben die Medien mit 27 Prozent (+13 Prozentpunkte), das Bundesverfassungsgericht mit 63 Prozent (+9), die Polizei mit 72 Prozent (+7), die Wissenschaft mit 72 Prozent (+7), die Gerichte mit 62 Prozent (+7) und die Kirchen mit 27 Prozent (+7).
Erstmals wurde nach dem Vertrauen in die Bundeswehr gefragt. Sie genießt das Vertrauen der Hälfte der Befragten.
Die Sorgen nehmen zu
Der Sachsen-Monitor 2023 stand im Zeichen der Corona-Pandemie. Die aktuelle Befragung fiel in die Zeit von Ukraine- und Iran-Krieg sowie großen Krisen (Zoll, Handel, Diplomatie).
Das drückt die Stimmung, das spiegelt die Umfrage. Mit Blick auf die Zukunft machen sich die Sachsen viele Sorgen.
Etwa, dass es zu mehr Kriegen und militärischen Konflikten kommt (83 %), dass die Gegensätze zwischen Arm und Reich zunehmen (80 %), dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht (73 %), dass es den kommenden Generationen in Deutschland schlechter geht (73 %, +4) und dass ihre Rente später nicht zum Leben ausreicht (73 %, +7).
Auffällig dabei: Personen ohne Schul- /oder nur mit Hauptschulabschluss und schmalem Einkommen blicken eher betrübt und pessimistisch voraus auf die kommenden Jahre.
So lief die Umfrage
Für den Sachsenmonitor wurden insgesamt 2031 Menschen ab 18 Jahren befragt. Die Befragten wurden zufällig ausgewählt aus der Gesamtheit der deutschsprachigen Einwohner Sachsens.
Dabei berücksichtigte man jeweils anteilig die Struktur der Bevölkerung (Alter, Geschlecht) sowie deren Verteilung im Land (Wohnort). Die Befragungen fanden im Zeitraum April bis Juni 2026 statt in Form von computergestützten persönlichen Interviews (Dauer: jeweils 50 Minuten).
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/imagebroker, Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa, Boris Roessler/dpa

