Sie ist die Ehefrau des Chefs: BSW nominiert ausgerechnet CDU-Mitglied für Ausschuss-Posten

Dresden - Posse im Parlament oder Positionswechsel mit Verstand? Im Landesjugendhilfe-Ausschuss soll eine Kandidatin mit CDU-Parteibuch die aus der BSW-Fraktion ausgeschiedene Doreen Voigt (42, parteilos) beerben. Das passt einigen beim "Bündnis" so gar nicht in den Kram.

Tina Hentschel (39, CDU, Foto) soll statt Doreen Voigt in den Ausschuss berufen werden. Einige in der BSW-Fraktion hätten lieber jemanden aus den eigenen Reihen nominiert.  © privat

Tina Hentschel (39) heißt die Nachfolgekandidatin. Obwohl der Vorschlag, der am Mittwoch im Landtag beschlossen werden soll, vom BSW kommt, wird er nicht von allen Mitgliedern befürwortet. Die Kritiker zweifeln nicht an der Fachkompetenz der ausgewiesenen Expertin für Kinder- und Jugendrecht.

Ein Makel ist in ihren Augen Hentschels Parteibuch. Denn darauf steht nicht BSW, sondern CDU. Allerdings würde dem BSW dieser Ausschussplatz zustehen. Und so wird auf den Fluren getuschelt, offen darüber sprechen will allerdings niemand.

Pikant: Tina Hentschel ist die Ehefrau von Jens Hentschel-Thöricht (48), der die Geschäfte der BSW-Fraktion im Landtag führt. Wird da etwa gekungelt? Ganz und gar nicht, behauptet der Gemahl.

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Erstens sei seine Frau kein aktives CDU-Mitglied und zweitens habe er sie zwar ins Spiel gebracht, den Vorschlag habe aber die Fachsprecherin des Jugendhilfe-Ausschusses, Janina Pfau (43, BSW), gemacht - ebenjene, für die Tina Hentschel künftig als Stellvertreterin im Ausschuss fungieren soll.

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Jens Hentschel-Thöricht (48, BSW).  © Sebastian Kahnert/dpa
Der Landtag fasst am Mittwoch einen Beschluss über die neue Zusammensetzung des Landesjugendhilfeausschusses.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

"Chance, einen ganz praktischen Blick einzubringen", so Hentschel

Ronny Kupke (49, BSW).  © Sebastian Kahnert/dpa

Der Co-Vorsitzende der BSW-Fraktion, Ronny Kupke (49), sieht das Prozedere als demokratischen Vorgang. "Es gab mehrere Kandidatinnen und Kandidaten", über die zudem in einer geheimen Wahl abgestimmt wurde. "Wir sind bei der Auswahl explizit nach Fachkompetenz gegangen."

Tina Hentschel sieht ihre mögliche Mitarbeit im Ausschuss "als Chance, einen ganz praktischen Blick einzubringen".

Anders wird es jetzt für Doreen Voigt. Sie war wegen der Nähe des BSW zur AfD im September aus der BSW-Fraktion ausgetreten. Ihr Landtagsmandat wird sie nicht abgeben, die Mandate in den Ausschüssen schon. Nur der Jugendhilfe-Ausschuss liegt der Sozialpädagogin besonders am Herzen.

Doreen Voigt (42, parteilos) ist aus der BSW-Fraktion ausgetreten. Am Mittwoch wird sie voraussichtlich aus dem Ausschuss abberufen.  © Petra Hornig

Dass nun ihre Abwahl ansteht, sieht Voigt sachlich: "Meine Arbeit geht ja weiter, es handelt sich bei der Abwahl um ein parlamentarisches Verfahren."

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