Eibenstock - Er ist leuchtend rosa bis rot, erinnert an die Tentakel eines Kraken und stinkt widerlich. In den vergangenen Tagen machten Spaziergänger sowohl in Eibenstock (Erzgebirge) als auch am Stausee Oberwald (Landkreis Zwickau) jeweils einen seltenen Fund.
Bei diesen Entdeckungen handelt sich um den exotischen "Tintenfischpilz".
Laut einem Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist der Tintenfischpilz eigentlich in Australien, Tasmanien, Neuseeland und Malaysia heimisch.
Doch wie gelangte der Pilz nach Europa?
"Vermutlich sind Sporen des Pilzes mit Waren- oder Tiertransporten von Australien oder Neuseeland etwa um 1910 nach Europa gelangt. Als Erstfund in Europa wird ein Fund in Frankreich (Vogesen) im Jahr 1913 angegeben. In Deutschland wurde der Pilz erstmals 1934 bei Karlsruhe gefunden", heißt es zu seiner Verbreitung weiter aus dem LfULG.
1965 kam er dann in Sachsen an - am Stadtrand von Meißen war der erste Fund im Freistaat.
Der Tintenfischpilz verbreitet sich durch Insekten und vermutlich auch Vögel. Die Art hat sich mittlerweile über große Teile Europas ausgebreitet beziehungsweise ist noch in Ausbreitung.
Ist der Tintenfischpilz essbar?
Sein Aussehen macht ihn besonders - die auffälligen vier bis sechs roten Arme des ausgewachsenen Fruchtkörpers erinnern optisch an Tentakeln eines Kraken.
Eine Besonderheit, die er mit heimischen Arten wie der Stinkmorchel gemeinsam hat, ist die spezielle Verbreitung seiner Sporen mithilfe von Insekten.
"Die meisten sporenbildenden Pilze setzen auf die Verbreitung der Sporen durch den Wind. Der Tintenfischpilz verströmt einen intensiven Aasgeruch, um Fliegen und Mistkäfer anzulocken. Diese fressen die Fruchtmasse mit den Sporen. Die Sporen werden von den Insekten unverdaut wieder ausgeschieden und der Pilz wird so weiterverbreitet", so ein LfULG-Sprecher.
Der Pilz ist nicht giftig, allerdings ungenießbar. Aufgrund seines bestialischen Gestanks ist er nicht zum Verzehr geeignet.
Zur Frage, ob sich aktuell die Funde dieses besonderen Pilzes häufen, heißt es aus dem LfULG: "Anhand der Beobachtungen, die in der Zentralen Artdatenbank Sachsen hinterlegt sind, ist eine steigende Tendenz zu erkennen." In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es nur 22 Meldungen. Zwischen 2000 und 2009 dann 29 Nachweise und von 2010 bis 2019 wurden 55 Nachweise in der Datenbank erfasst. Seit 2020 sind es nun schon 32 Beobachtungen.
Die Zentrale Artdatenbank verzeichnet in Sachsen insgesamt 138 Fundmeldungen dieses Pilzes. Das sind allerdings nur die bekannten Fundmeldungen, die tatsächliche Anzahl an Funden dürfte laut LfULG höher sein.