Dresden - Zwei Jahre lang regierte Lilly Keymer (23) als "Sächsische Traktorenkönigin Lilly I." - von einem breiteren Publikum fast unbemerkt - das Land. Jetzt wird ihre Thronfolgerin gewählt.
Wer sagt, dass das Leben einer Produkt- oder Regionalkönigin langweilig sein muss? Die Regierungszeit von Lilly I. jedenfalls klingt wie ein einziges Abenteuer: Mit dem wassergekühlten Famulus 46 ihres Großvaters, hergestellt vom VEB Schlepperwerk Nordhausen, bretterte sie rund 40 Kilometer zum Landestraktorentreffen in Leipzig.
Eigentlich fährt sie einen John Deer-Lanz 300 von 1963, ein amerikanisches Produkt und das erste seiner Art, das in Europa gefertigt wurde. Damit belegte sie am Großglockner (Österreich) im Traktorenwettbewerb den vierten Platz - vor 296 Konkurrenten und Konkurrentinnen!
"Bei solchen Strecken muss man seine Maschine schon gut kennen", sagt sie. Am Dienstag nahm sie am Empfang der "Sächsischen Hoheiten" beim Ministerpräsidenten in Dresden teil.
Überall machte sie Werbung für ihre Leidenschaft. Und ihre Heimat - genauso wie die anderen 15 Regionalköniginnen Sachsens.
Publikum kann Nachfolgerin wählen
Lilly stammt - das kommt jetzt sicher nicht überraschend - von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Der liegt in Lossatal, Ortsteil Hohburg (Landkreis Leipzig). Privat fährt sie am liebsten ihren gelben Trabant 601.
Zu ihren Hobbys gehört auch "mein wundervoller Freund", der ebenfalls ein echter Landmaschinen-Freak ist. Und natürlich kommt ihre Leidenschaft nicht von ungefähr. Auch ihr Opa schwärmt für Landmaschinen. Und ihr Vater Dirk (58) setzte sie schon als Kind auf einen Traktor.
"König Dirk" ist auch der "Königinnenmacher". Vor zwei Jahren sagte er sich: "Wenn es eine Milchkönigin gibt, warum soll es da nicht auch eine Traktorenkönigin geben?"
Beim 16. Traktoren- und Oldtimertreffen auf dem Hof der Keymers am Samstag nun dankt Lilly I. ab. Das Programm läuft den ganzen Tag. Am späten Nachmittag dann treten ihre drei möglichen Nachfolgerinnen auf die Bühne. Die Wahl hat das Publikum.