Trockenheit und Niedrigwasser hat Folgen: Für Sachsens Fischproduktion sieht's trübe aus
Dresden - Wenn an diesem Wochenende in Wurzen das Landeserntedankfest über die große Bühne geht, ist der Landesfischereiverband ebenfalls dabei. Ein aufrichtiges "Danke" bleibt Sachsens Teichwirten allerdings im Halse stecken. Hitze und Wassermangel machten 2026 zum absoluten Katastrophenjahr. Der Silvesterkarpfen wird wohl kleiner und teurer ausfallen. Werden Sommer wie diese zur Normalität, sieht die Zukunft für Sachsens Fischproduktion trübe aus.
"Das Jahr 2025 war das schlimmste, was wir jemals hatten." Armin Kittner, Geschäftsführer der Teichwirtschaft Petershain, erinnert sich mit Grausen: "Die Trockenheit zog sich über das ganze Jahr, bereits Anfang Juni begannen wir mit Notabfischungen, am Ende blieb ein Viertel weniger Ertrag als in einem Durchschnittsjahr." Schlimmer konnte es nicht kommen.
"Doch dann kam 2026!" Auf eine Schneeschmelze oder ergiebige Regenfälle wartete der Teichwirt vergebens. Obwohl er bereits im November anzustauen begann, ging er selbst an den größeren seiner 46 Teiche mit minus 45 Zentimeter Wasserstand ins Jahr.
Notabfischung - oder Umsetzung in größere Teiche - standen bereits im Mai an.
Zum chronischen Wassermangel gesellte sich im Sommer die gnadenlose Hitze. Kittner: "Man kann pumpen wie man will, ab gewissen Temperaturen bindet das Wasser den Sauerstoff nicht mehr. Es entsteht kein Zooplankton, die Karpfen fallen in einen Stressmodus, stellen Nahrungsaufnahme und damit Wachstum ein."
Teilweise herrschten Wassertemperaturen von über 30 Grad Celsius. Zum Höhepunkt der Hitzewelle sammelten seine Mitarbeiter 25 Tonnen toter Fische ein. Der Ertragsverlust dürfte 2026 bei einem Drittel liegen.
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Niedrige Wasserstände begünstigen Verluste durch Kormorane oder Kraniche
Von einer Halbierung des Ertrages geht man bei der benachbarten Teichwirtschaft Niederspree aus. Geschäftsführer Jens Schönefelder beobachtet regelmäßig die aktuellen Grundwasserstände: "Zusammengerechnet hat es die letzten fünf Jahre 400 Liter zu wenig geregnet, die Menge eines Dreivierteljahres." Folglich trocknen die Teiche aus.
Etwa der Waldteich Neusorge (bei Hähnichen), der bei 50 Hektar Größe nur noch zu einem Viertel gefüllt war. In der vorigen Woche musste das Unternehmen die Notabfischung durchführen. Retten, was zu retten ist.
Schönfelder: "Durch die niedrigen Wasserstände erreichen Prädatoren wie Kormoran oder Kranich viel leichter ihre Beute. Diese Verluste kommen noch hinzu."
Nicht nur in Ostsachsen, sondern auch in Mittel- und Nordsachsen kämpften die Teichwirte mit denselben widrigen Umständen.
Kevin Kretschmar, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes: "Es ist das erste Mal, dass ganze Teichgruppen trocken liegen. Die Unternehmer haben versucht, einen Teil der Fische in tiefere Winterteiche zu retten, doch diese Kapazitäten sind begrenzt."
Kunden müssen sich auf steigende Preise einstellen
Knapp 80 Prozent der heimischen Speisefischproduktion sind Karpfen, mit jährlich 1500 Tonnen ist Sachsen nach Bayern der zweitgrößte Produzent Deutschlands.
Nach einem Drei-Jahres-Zyklus geht ein Fisch - so der Ehrgeiz der Teichwirte - mit 1,5 bis 1,8 Kilogramm in den Verkauf. Kretschmar: "In diesem Jahr müssen sich die Wirte überlegen, ob sie den Karpfen auch mit 800 Gramm in den Handel geben oder ein viertes Jahr durchfüttern." Teurer wird es bestimmt, sowohl für Kunden als auch Fischzüchter.
Eine Insolvenz oder Betriebseinstellung wegen der Dürresommer gab es in Sachsen noch nicht. Das liegt auch daran, weil die meisten Wirte Hofläden, Räuchereien, Angelteiche oder auch Ferienwohnungen sowie Gastronomie betreiben.
Kretschmar: "Wären die Unternehmen allein auf die Fischproduktion angewiesen, sähe die Situation anders aus."
Noch immer ums Überleben kämpft Forellenzüchter Matthias Schnek aus Döbeln. Forellen halten nur eine Wassertemperatur von maximal 27 Grad aus, Ende Juli wurden in der Zschopau 28,3 Grad gemessen - neun Tonnen verendeter Fische waren die Folge. Der Totalausfall führte zu einem Gesamtschaden von 100.000 Euro.
Fischzüchter suchen nach Lösungen
Am Freitag eröffnete das Familienunternehmen Schnek zumindest wieder seinen Hofladen: "Wir müssen die komplette Produktion umstellen und im Herbst größere und damit teurere Fische einsetzen. Erst wenn das Dezembergeschäft durch ist, entscheidet sich, ob ich wirtschaftlich so überhaupt weitermachen kann."
Denn er befürchtet wie die gesamte Branche, dass solche Extremsommer zur Normalität werden.
Verschiedene Konzepte werden durchgespielt: Neben autonomen Energieinseln mit Pumpsystemen überlegt man auch, einige Teiche nur noch alle zwei Jahre abzufischen, um Wasser zu sparen. Oder Kleinstteiche gezielt trockenzulegen. Hitzeresistente Fischsorten kommen eher nicht infrage, der Karpfen gehört da schon zu den robusteren.
Verbandsgeschäftsführer Kretschmar: "Die Politik könnte auch über Flächenprämie wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft nachdenken. Um Wasser in der Fläche zu halten und der Natur zu helfen, lässt man einzelne Teiche gezielt unbewirtschaftet und damit das Wasser nicht ab." Das Volumen der sächsischen Fischteiche ist höher als die Kapazität der Talsperren.
Ab nächster Woche steigen, beginnend mit den Lausitzer Fischwochen (26. September bis 1. November), die sächsischen Fischerfeste. Aufgrund der mickrigen Ernte dürften diese etwas ruhiger ausfallen. Für bessere Zeiten kann man nur um Regen beten - nicht nur beim Landeserntedankfest.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel / Norbert Neumann

