Und plötzlich musste sie ihren Schreibtisch räumen: Eltern und Grundschüler kämpfen um Klassenlehrerin

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Ponickau (Thiendorf) - Eigentlich sollte der Start in die zweite Klasse für die Kinder der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule" in Ponickau (Thiendorf) ein vertrauter werden - ihre Klassenlehrerin sollte sie ins neue Schuljahr begleiten. Doch nur wenige Wochen vor dem Ende der Ferien kam der Schock: Die Lehrkraft muss ihren Schreibtisch räumen. Das wollen die Eltern sowie Schüler so nicht stehen lassen und starteten eine Petition.

Eine geliebte Klassenlehrerin der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule" in Ponickau (Thiendorf) soll die Schule verlassen - damit sind zahlreiche Schüler und Eltern nicht einverstanden.
Eine geliebte Klassenlehrerin der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule" in Ponickau (Thiendorf) soll die Schule verlassen - damit sind zahlreiche Schüler und Eltern nicht einverstanden.  © privat

"Wir können es immer noch nicht fassen. Der Schreck sitzt echt tief", schildert die betroffene Mutter Sandra Uschner (45) der TAG24-Redaktion.

Besonders der Zeitpunkt stößt bei den Eltern auf Unverständnis. "Nur eine Woche vor Schulbeginn – das ist einfach ein sehr, sehr krasser Einschnitt", betont sie. Warum die 45-Jährige und zahlreiche weitere Eltern sich für den Erhalt der Deutsch-Mathe-Lehrerin einsetzen, wird in dem Gespräch deutlich.

"Sie ist mit Leib und Seele dabei. Jedes Kind ist ihr wichtig und das spürt man", betont die besorgte Mutter Rebekka Stähling (39). Das sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Wie die betroffenen Kinder sowie Eltern der Redaktion erläutern, beschränkte sich das Interesse der Klassenlehrerin nicht nur auf den Unterricht in der Grundschule.

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"Ihr Engagement ging weit über das dienstlich geschuldete Maß hinaus", fügen Nicole (38) und David Hoppe (35) hinzu. Da die Lehrkraft bereits zu Beginn der ersten Klasse einige Probleme der Kinder untereinander bemerkt hatte, schritt sie sofort ein, um das Anliegen an der Wurzel zu packen. "Sie hat gefühlt jeden Tag wirklich hart daran gearbeitet, dass das Klassenklima zusammenwächst", berichtet Stähling.

Auch außerhalb des Klassenzimmers setzte sich die Beratungslehrerin für Zusammenhalt und gemeinsame Zeit ein: So organisierte sie mehrere gemeinsame Aktivitäten für Jung und Alt. Zusätzlich plante sie mit ihrer Klasse einen Ausflug nach Grüngräbchen (Landkreis Bautzen). "Die Kids haben sich so sehr auf die Klassenfahrt gefreut", schildert der betroffene Vater Andreas Stähling (42). Doch aus dem langersehnten Trip wurde nichts.

Die Information über den plötzlichen Lehrerwechsel erhielten die Eltern per Rundmail. Besonders fragwürdig sei für die Erwachsenen dabei die Art und Weise der Kommunikation seitens der Schulleitung gewesen. "Es wurde gesagt, dass wir unsere Kinder schon einmal darauf vorbeireiten sollen - es wurde einfach an uns weitergegeben", erklärt David Hoppe mit schüttelndem Kopf.

Zahlreiche Kinder seien nach der Nachricht in Tränen ausgebrochen. "Wir vermissen sie sehr", erklärte Frieda (7) der TAG24-Redaktion.

Per Mail kontaktierte die Schulleitung die betroffenen Eltern - kurz vor dem Beginn des neuen Schuljahres.
Per Mail kontaktierte die Schulleitung die betroffenen Eltern - kurz vor dem Beginn des neuen Schuljahres.  © Thomas Türpe
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Rebekka (39) und Andreas Stähling (42) können es noch immer kaum fassen.
Rebekka (39) und Andreas Stähling (42) können es noch immer kaum fassen.  © Thomas Türpe

Schüler hatten nicht die Möglichkeit, sich bei ihr zu verabschieden

Konstantin (7, v.l), Maxie (8), Frieda (7), Vegas (7) und Knud (7) mit Klassenmaskottchen Frieda wünschen sich ihre Lehrerin zurück.
Konstantin (7, v.l), Maxie (8), Frieda (7), Vegas (7) und Knud (7) mit Klassenmaskottchen Frieda wünschen sich ihre Lehrerin zurück.  © Thomas Türpe

Ganz besonders treffe die Kinder und Eltern, dass sie nicht die Möglichkeit hatten, sich von der Lehrerin zu verabschieden. "Nach der E-Mail war uns klar - hier müssen wir etwas tun", betonen die Betroffenen. "Sie war immer nett zu uns und hat uns auch immer zugehört", schwärmt Konstantin (7).

Doch nicht nur den Kids erleichterte die engagierte Lehrkraft den Alltag. "Sie hat den Unterricht nicht einfach durchgezogen, sondern individuelle Arbeitsblätter für jeden gestaltet", erinnert sich Familie Stähling. Für die Eltern sei genau diese Kombination aus fachlicher Arbeit und persönlicher Betreuung ein Grund dafür gewesen, den Lehrerwechsel nicht einfach so hinzunehmen.

"Der ganze Entscheidungsprozess ist überhaupt nicht transparent und nicht nachvollziehbar", kritisiert der betroffene Vater Hans-Martin Weiße (45). Die Eltern hätten mehrfach versucht, mit der Schulleitung ins Gespräch zu kommen - jedoch ohne Erfolg. Per Mail wurden sie lediglich auf Personalvorgaben hingewiesen. "Wir wollen einfach verstehen, wie diese Art des Umgangs mit dem Personal getroffen wurde", schildern die Eltern einstimmig.

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Hintergrund: Im vergangenen Schuljahr 2025/26 wurden rund 3000 Lehrkräfte in Sachsen abgeordnet - dieses Jahr soll sich die Zahl seitens des Kultusministeriums fast verdoppeln. "Im neuen Schuljahr soll es nun über 5000 Abordnungen geben. Abordnungen führen zu immens hohen Belastungen für die betroffenen Lehrkräfte", kritisiert Burkhard Naumann (39), Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen.

Das sehen auch die Eltern in Ponickau so. "So eine Entscheidung macht etwas mit einem", betont Weiße.

Hans -Martin Weiße (45) schließt sich der Petition an.
Hans -Martin Weiße (45) schließt sich der Petition an.  © Thomas Türpe
Auch die besorgte Mutter Sandra Uschner (45) setzt sich für den Erhalt der Lehrerin ein.
Auch die besorgte Mutter Sandra Uschner (45) setzt sich für den Erhalt der Lehrerin ein.  © Thomas Türpe

Eltern starten Petition für betroffene Lehrkraft

David (35) und Nicole Hoppe (38) startete im Zuge der Abordnung eine Petition - und hoffen auf zahlreiche Unterschriften.
David (35) und Nicole Hoppe (38) startete im Zuge der Abordnung eine Petition - und hoffen auf zahlreiche Unterschriften.  © Thomas Türpe

Mit ihrer Petition wollen die Eltern vor allem auf den Lehrermangel in Sachsen aufmerksam machen. "Es geht uns darum, dass es nicht bloß 20 Leute betrifft - sondern viel, viel mehr", macht David Hoppe deutlich. Und tatsächlich, unter dem Aufruf stapeln sich die Kommentare zahlreicher besorgter Lehrkräfte und Eltern.

So meldeten sich beispielsweise Menschen aus Görlitz, Dresden oder Oschatz. Dabei fordern die sie nicht zwingend, dass die Lehrerin vollständig an die Schule zurückkehrt. "Wenn man von dieser Vollabordnung absieht und eine Teilabordnung daraus macht, wäre das für uns eine Lösung", fügt er hinzu. Denn: Die neue Schule läge nach Angaben der Eltern nur zehn Minuten von Ponickau entfernt.

"Es geht darum, dass die Vertrauensperson nicht komplett wegfällt", fügt Nicole Hoppe hinzu. Bislang konnte die Petition 264 Unterschriften sammeln.

Wie der Start in die zweite Klasse für die Grundschüler aus Ponickau kommenden Montag aussehen wird, steht noch in den Sternen. Fest steht jedoch, dass eine langjährige Lehrkraft der Schule die Kids übernehmen wird.

Titelfoto: Fotomontage/Thomas Türpe

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