Unschuldig im Knast: Firmenchef verklagt den Freistaat auf Millionen
Chemnitz/Dresden - Der ehemalige Chemnitzer Unternehmer Patrick Strauch (50) sowie zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter saßen mehrere Monate unschuldig wegen angeblicher Steuerhinterziehung in U-Haft. Jetzt verklagt Strauch den Freistaat auf 4,3 Millionen Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld.
Patrick Strauch war Chef der Firma "ixxpixx", die weltweit Handel mit Tablets und Handys betrieben hatte. Nach seiner Verhaftung verbrachte er von 2018 bis 2019 mehr als neun Monate in U-Haft, saß unter anderem in der JVA Zwickau.
Ermittlungsbehörden beschuldigten den damaligen Firmeninhaber und vier seiner Mitarbeiter, Steuern in Höhe von 15 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Während der Zeit im Gefängnis musste der Firmenchef Insolvenz beantragen, die Firma mit zehn Mitarbeitern wurde vollständig zerschlagen.
Der Prozess endete im Dezember 2022 vor dem Chemnitzer Landgericht jedoch mit einem Freispruch für die Gruppe in sämtlichen Punkten.
Jetzt verklagen der Ex-Firmenchef und die damaligen vier Mitangeklagten den Freistaat. Strauch allein verlangt 4,3 Millionen Euro Schadensersatz sowie 50.000 Euro Schmerzensgeld.
"Die Summe kommt zustande durch Forderung von Banken, Anwaltskosten und Schadensersatzansprüche durch den Gewinnausfall der Firma", erzählt Strauch.
Freistaat kann bis Januar 2027 Stellung nehmen
Dem ehemaligen Chef geht es allerdings nicht nur um Wiedergutmachung. Die Behörden hätten bewusst amtswidrig gehandelt: "Der Haftbefehl damals ist auf konstruierten Tatsachenbehauptungen ausgestellt worden."
So wurde unter anderem behauptet, seine Firma hätte ihre Waren unter Aufschlägen weiterverkauft - ein Indiz für Preisabsprachen. "Tatsächlich gab es nie solche Preisaufschläge. Das ist aktenkundig."
Das Zivilverfahren wird aktuell am Dresdner Landgericht verhandelt. Bis Ende Januar 2027 hat der Freistaat nun Gelegenheit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Weiter geht es dann am 19. Februar.
Falls noch weitere Beweise erhoben werden, ist es möglich, dass auch gegen verschiedene Behörden wie das Finanzamt oder die Staatsanwaltschaft ermittelt wird.
Titelfoto: Stefan Häßler

